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11.12.12, 13:15

Eurozone zum Jahreswechsel - Hoffnung als treibende Kraft

Das Börsenjahr 2012 liefert eine wichtige Erkenntnis.
 

Eurozone zum Jahreswechsel - Hoffnung als treibende Kraft

Das Börsenjahr 2012 liefert eine wichtige Erkenntnis. Schaut man auf die Entwicklung an den Aktienmärkten der Eurozone, scheinen die Investoren trotz gelegentlich aufkommender Skepsis offenbar weiterhin zuversichtlich gestimmt zu sein. Vor allem der erhoffte Erfolg der eingeleiteten geldpolitischen Maßnahmen der Europäischen Zentralbank (EZB) ist eine treibende Kraft. Die erste Aufwärtswelle dieses Jahres reichte bis in den März hinein und fußte auf den beiden Geldspritzen der Notenbank von Dezember 2011 und Februar 2012. Damit wurde die Finanzindustrie mit billiger Liquidität versorgt, um die Lage auf dem Euro-Geldmarkt zu stabilisieren. Davon konnten auch europäische Aktien profitieren. So dürfte ein Teil des zur Verfügung gestellten Kapitals wegen mangelnder Anlagealternativen in die Aktienmärkte geflossen sein. Dem Kursanstieg bis zum Sommer folgte eine Korrektur. Die bevorstehenden Wahlen in Frankreich und Griechenland, die sich zuspitzende Lage in Spanien und das Gerangel um den neuen Rettungsfonds ESM verunsicherten die Marktteilnehmer.

Sommerrally
Die Phase geringerer Kaufneigung wandelte sich dann aber vielerorts in eine Sommerrally. So ebbte nach dem für die Euro-Verfechter günstigen Wahlergebnis in Griechenland die Sorge vor einem Austritt aus der Eurozone ab. Als stimmungsfördernd entpuppten sich ferner die Beschlüsse des EU-Gipfels von Ende Juni, angesichts der damit verbundenen Hoffnungen auf eine Lösung der Staatsschuldenkrise sowie auf konjunkturstützende Maßnahmen. Aktien profitierten auch von den Worten des EZB-Chefs Mario Draghi, "alles Nötige zu tun, um den Euro zu erhalten", was die Spekulationen auf weitere außergewöhnliche geldpolitische Schritte der Notenbank anheizte. Derartige unkonventionelle Maßnahmen können Risiken wie Inflation beinhalten, was tendenziell für Sachanlagen wie z. B. Aktien spricht.

EZB beflügelt die Märkte
Anfang September sorgte die EZB dann erneut für Kursfantasie. Sie kündigte an, unbegrenzt Staatsanleihen von Euro-Krisenländern mit einer Restlaufzeit von bis zu drei Jahren am Sekundärmarkt aufkaufen zu wollen, wenn die betreffenden Staaten unter den Rettungsschirm schlüpfen. Ziel einer solchen Intervention ist es, den Anleihemarkt zu stützen und günstigere Finanzierungskonditionen für die Krisenländer zu schaffen. Allein die Ankündigung reichte, um die Lage an den europäischen Anleihemärkten zu entspannen. Nachdem die Spekulationen auf außergewöhnliche EZB-Maßnahmen mit deren Ankündigung ihren treibenden Effekt auf die Aktienmärkte verloren hatten, fehlte es zunächst an neuen Impulsen. Immerhin hielten sich die meisten europäischen Indizes auf einem hohen Niveau und verzeichnen daher bis dato eine sehr positive Entwicklung im Vergleich zum Vorjahr.

Eurozone in der Rezession
Angesichts der zunehmend verschlechterten Konjunkturdaten mutet diese Stärke erstaunlich an. Zwar verringerte sich das Bruttoinlandsprodukt (BIP) der Eurozone im dritten Quartal laut erster Schätzung mit 0,1 % zum Vorquartal nur gering, es war aber immerhin der zweite Rückgang in Folge. Damit liegt laut gängiger Definition eine Rezession vor. Insbesondere in der Südperipherie geht es wirtschaftlich bergab, und dort sind die Auswirkungen der drastischen Sparmaßnahmen im Zuge der Euro-Rettungspolitik deutlich erkennbar. Vergleichsweise robust war die BIP-Entwicklung indes in Deutschland und Frankreich mit jeweils 0,2 % Zuwachs. Beide Länder konnten auch zum Vorjahresquartal ihre Wirtschaftsleistung verbessern. Das stützte das BIP der gesamten Eurozone, konnte einen Rückgang um 0,6 % im Vergleich zum Vorjahr jedoch nicht verhindern. Nach dem Minus im zweiten Quartal von 0,4 % ist somit eine zunehmende Abwärtsdynamik auszumachen. Hierbei wirkte nicht nur die beschleunigte Talfahrt in einigen der südeuropäischen Krisenstaaten negativ, auch der Norden gerät zunehmend in den Abwärtsstrudel, wie die BIP-Rückgänge in den Niederlanden und Finnland verdeutlichen.

Draghi zuversichtlich
Sorgen bereitet zunehmend auch Frankreich. Es ist wirtschaftlich eng mit den größten Krisenländern der Eurozone verflochten. Zudem gerät der Haushalt immer mehr in Schieflage. Die Staatsausgaben sind wegen versäumter Reformen viel zu hoch, was Defizite und damit wachsende Schulden nach sich zieht. Den daraus resultierenden Spardruck scheint die sozialistisch geführte Regierung vor allem mit steigenden Steuern und Abgaben für Unternehmen umsetzen zu wollen, was sicherlich nicht förderlich für die ohnehin auf wackeligen Beinen stehende Wirtschaft sein wird. Auch das jüngst von Moody?s entzogene Spitzenbonitätsrating spiegelt die langfristig eingetrübten wirtschaftlichen Wachstumsaussichten des Landes wider. Davon ließen sich die Aktienmärkte aber nicht beeindrucken. In Sachen Schuldenkrise weiterhin zuversichtlich ist auch EZB-Präsident Mario Draghi. Er sieht eine allmähliche Rückkehr des Vertrauens in die Eurozone.




 
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