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12.06.26, 09:45

Der blinde Fleck in Ihrem Portfolio? (Folge 2 von 4)

Eine noch junge Assetklasse gewinnt zunehmend institutionelle Aufmerksamkeit. Warum viele Vermögensverwalter dennoch zögern. Und was sich inzwischen verändert hat.

Warum viele Vermögensverwalter bislang gezögert haben

In Folge 1 haben wir die Frage gestellt, warum digitale Assets trotz wachsender institutioneller Aufmerksamkeit noch immer nur selten Teil professioneller Portfolios sind. Die Zurückhaltung vieler Vermögensverwalter ist dabei keineswegs irrational. Im Gegenteil.

Wer Verantwortung für langfristige Vermögen trägt, kann es sich nicht leisten, jedem neuen Markttrend hinterherzulaufen.

Drei Gründe haben dazu geführt, dass viele professionelle Investoren das Thema lange bewusst auf Distanz gehalten haben.

Der erste ist offensichtlich: Volatilität. Kaum eine andere Anlageklasse hat in so kurzer Zeit derart extreme Kursbewegungen gezeigt wie Bitcoin und andere digitale Assets. Für Vermögensverwalter, deren zentrale Aufgabe der Kapitalerhalt über lange Zeiträume ist, wirkt ein solcher Markt zunächst kaum mit den eigenen Anlageprinzipien vereinbar.

Der zweite Grund betrifft regulatorische Unsicherheit. In den Anfangsphasen fehlten klare Rechtsrahmen, institutionelle Verwahrstrukturen und belastbare Marktstandards. Für professionelle Investoren, die in stark regulierten Umfeldern agieren, war das ein erhebliches Hindernis.

Hinzu kommt ein dritter, oft unterschätzter Faktor: Reputationsrisiko. Vermögensverwalter leben von Vertrauen. Jede Anlageentscheidung muss sich nicht nur vor Rendite- und Risikogesichtspunkten rechtfertigen lassen, sondern auch gegenüber Mandanten, Aufsichtsbehörden und der eigenen Organisation. In einem Markt, der lange von spekulativen Narrativen und stark schwankenden Bewertungen geprägt war, war Zurückhaltung daher häufig die professionellere Entscheidung.

Doch genau an diesem Punkt beginnt sich das Bild zu verändern.

 

 

Mit MiCAR, der europäischen Verordnung über Märkte für Kryptowerte, existiert seit 2024 erstmals ein umfassender europäischer Rechtsrahmen für digitale Assets. Was lange als regulatorisches Niemandsland galt, ist heute ein beaufsichtigter Markt.

Auch die institutionelle Landschaft hat sich verschoben. Die Zulassung von Bitcoin-ETFs in den USA im Januar 2024 war kein Spekulationssignal. Sie war ein regulatorisches Bekenntnis. Innerhalb weniger Monate flossen dreistellige Milliardenbeträge in diese Vehikel. Nicht primär von Privatanlegern, sondern von institutionellen Investoren, die denselben Sorgfaltspflichten unterliegen wie professionelle Vermögensverwalter.

Die strukturellen Einwände von gestern tragen daher heute weniger weit.

Und dennoch zögern viele erfahrene Vermögensverwalter weiterhin. Nicht mehr aus denselben Gründen wie früher, sondern aus einem anderen, der selten offen benannt wird.

Es fehlt die Sprache.

Wer seit zwanzig Jahren in den Kategorien klassischer Portfoliotheorie denkt – Risiko, Rendite, Korrelation, Drawdown, Liquidität – hat ein präzises Werkzeug entwickelt, um neue Anlageideen einzuordnen. Dieses Werkzeug funktioniert für Aktien. Für Anleihen. Für Alternatives.

Für digitale Assets fehlte bislang die Übersetzung.

Und ohne diese Übersetzung entstehen zwei Reflexe, die beide in die falsche Richtung führen. Der erste ist vollständige Ablehnung – mit dem Argument, die Assetklasse sei mit professionellen Standards nicht vereinbar. Der zweite ist unstrukturiertes Exposure – ein direktes Investment ohne Rahmen, ohne Systematik, ohne Risikokontrolle.

Beides wird der Realität nicht gerecht. Vollständige Ablehnung ignoriert, dass sich das institutionelle Umfeld fundamental gewandelt hat. Unstrukturiertes Exposure widerspricht jedem Prinzip, das professionelle Vermögensverwaltung von Spekulation unterscheidet.

Die eigentliche Herausforderung ist daher keine Frage des Mutes – und auch keine Frage des Vertrauens in die Assetklasse. Es ist eine Frage der Übersetzung.

Digitale Assets brauchen keine neue Investmentphilosophie. Sie brauchen dieselbe, angewendet auf ein neues Terrain. Und diese Übersetzung ist möglich. Mit denselben Prinzipien, die professionelle Vermögensverwaltung seit Jahrzehnten trägt.

Lesen Sie in Folge 3, wie sich digitale Assets in die Logik professioneller Portfoliokonstruktion einordnen lassen, und warum Risikomanagement, Systematik und Transparenz auch hier die entscheidenden Prinzipien bleiben.

Wenn Sie über genau diese Frage nachdenken: Sprechen Sie mit uns.

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