Deutschland und Vereinigte Staaten: Makrolage jeweils nur mäßig
Zu Deutschlands Wirtschaftslage gab es gestern erhellende Neuigkeiten. So verringerte sich im Juni der Teuerungsdruck ein weiteres Mal. Die Inflationsrate ermäßigte sich auf 2,3 %. Noch im April hatte der Vergleichswert bei 2,9 % gelegen, im Mai bei 2,6 %. Für den Arbeitsmarkt wurde hingegen keine Trendwende zum Besseren gemeldet. In Deutschland waren zuletzt 177.000 Menschen weniger in Lohn und Brot als vor einem Jahr. Die Arbeitslosenquote sank im Juni nur marginal, und zwar um gerade einmal ein Zehntel eines Prozentpunkts auf 6,2 %.
In der Volkswirtschaftslehre werden die beiden genannten Zeitreihen bekanntlich gerne mal zusammengezählt. Das Ergebnis aus Inflationsrate und Arbeitslosenquote nennt sich "Misery Index". In einer Zusammenschau zeigt sich: Deutschlands ökonomische Misere hat sich zuletzt verfestigt. In den zurückliegenden gut zehn Jahren sah es nur in der Coronazeit übler aus als derzeit. Spannend: Deutschland und die Vereinigten Staaten liegen, auf Basis der aktuellsten Zahlen, beim Misery Index mit einem Wert von jeweils 8,5 Punkten gleichauf. Der Unterschied: Hierzulande prägt ein Mangel an Beschäftigungsmöglichkeiten das Bild. In Übersee sind für die dortige Makro-Misere die Arbeitslosigkeit und die Inflation zu nahezu gleichen Teilen verantwortlich.
Inflation auf dem Rückzug
Den Blick nach vorne gewendet ist davon auszugehen, dass für die weitere makroökonomische Entwicklung die Politik entscheidend sein dürfte. Per heute läuft in Deutschland der sogenannte "Tankrabatt" aus. Für sich genommen heißt dies, dass sich in den kommenden Wochen an den Zapfsäulen der Republik neuerlicher Aufwärtspreisdruck manifestieren müsste. Die "Großwetterlage" beim Thema Energiepreise deutet indes auf Entspannung hin. Ein Fass Rohöl der Sorte Brent handelt aktuell bei 73 US-Dollar je Fass, gut und gerne 50 US-Dollar niedriger als im zyklischen Hoch Ende April. Insgesamt gesehen mag sich das Betanken eines Autos nicht schnell wieder verteuern, was die Inflation in Schach halten sollte. Alles steht unter dem Vorbehalt, wie es mit dem Konflikt im Nahen Osten und mit den Pöbeleien aus dem Oval Office weitergeht: Rabatz statt Rabatt. Summa summarum erscheint es nicht zu verwegen, für Deutschland davon auszugehen, dass sich das derzeitige Missverhältnis zwischen hoher Arbeitslosenquote und verhaltener Inflationsrate einstweilen nicht einebnet.
Aktienmarkt im Vorwärtsgang
Für den Aktienmarkt ist die Makrolage schon geraume Zeit von nur untergeordneter Bedeutung. Der DAX kratzt wieder an der Marke von 25.000 Punkten, der S&P 500 notiert unweit von 7.500 Zählern. Die Rheinmetall-Aktie liegt in Schlagweite von 1.000,- Euro. Alles gut? Ansichtssache. Heute wird in den Vereinigten Staaten ein bedeutender Vorlaufindikator veröffentlicht: der ISM für das verarbeitende Gewerbe, Ausgabe Juni. Wir glauben an einen Rücksetzer. Sollen die Aktienmärkte mal zeigen, ob sie sich auf Ewig und drei Tage den Kräften der Schwerkraft entziehen können!
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