USD: Erinnern Sie sich an meine gestrige Erwartung, dass die Fed grundsätzlich daran festhalten wird, dass irgendwann weitere Zinserhöhungen angebracht sein dürften? Damit hab ich danebengelegen. Getreu dem Motto „Vorsicht ist die Mutter der Finanzmärkte“ hat die Fed ihren Zinserhöhungszyklus vorerst für beendet erklärt und ist auf eine neutrale Ausrichtung umgeschwungen. In ihrem Kommuniqué ist keine Rede mehr von weiteren graduellen Zinserhöhungen oder davon, dass die Risiken für den wirtschaftlichen Ausblick ausgeglichen seien. Stattdessen deutete die Fed einen flexibleren Ansatz bei der Bilanznormalisierung an (siehe „The Fed ‘will be patient‘“, Economic Briefing vom 30. Januar), während sich Fed Chair Jerome Powell in der Pressekonferenz explizit nicht dazu äußerte, ob der nächste Zinsschritt nach oben oder unten geht. Dies wird laut Powell allein von den Daten bestimmt. Zukünftig dürfte der Devisenmarkt also umso heftiger auf Datenüberraschungen reagieren, da Marktteilnehmer diese immer darauf abklopfen werden, in welche Richtung sich die Geldpolitik der Fed bewegen wird. Bezüglich weiterer Zinserhöhungen liegt der Fokus dabei laut Powell insbesondere auf der Inflation. Selbst in einem anhaltend guten Konjunkturumfeld könnte die Fed weitere Zinserhöhungen aussetzen, solange es keine klaren Anzeichen für eine anziehende Inflationsdynamik gibt. Denn solange diese stabil bleibt, geht die Fed wohl vorerst davon aus, dass ihr Leitzins bereit jetzt im neutralen Bereich liegt.
Angesichts dieser doch recht taubenhaften Neuausrichtung der US-Geldpolitik fiel die Marktreaktion fast noch verhalten aus. EUR-USD handelt bei 1,15 heute Morgen knapp einen Cent höher als vor der gestrigen Entscheidung. Dass die USD-Wechselkurse nicht heftiger reagierten, liegt nicht zuletzt daran, dass die Fed sich eigentlich nur den pessimistischeren Markterwartungen angenähert hat. Der Markt erwartet keine weiteren Zinserhöhungen, bzw. sieht im kommenden Jahr sogar Chancen für eine Zinssenkung (Abbildung 1). Damit besteht die Gefahr, dass der Zinserhöhungszyklus der Fed jetzt schon beendet ist und die damit verbundene USD-Schwäche schneller kommt, als von uns erwartet. Die gestrige Wechselkursreaktion dürfte dann nur ein Vorgeschmack auf das sein, was kommt, wenn das Marktumfeld ruhig bleibt und die Inflation in den USA nicht deutlich anzieht.
EUR: Das Risiko eines frühzeitigen Endes des Fed-Zinserhöhungszyklus spricht für höhere EUR-USD-Niveaus. Und das obwohl dem Euro bis auf weiteres eine nennenswerte Eigendynamik fehlt. Denn aufgrund statistischer Effekte muss die EZB nach den heutigen BIP-Daten für das vierte Quartal 2018 wohl ihre Wachstumsprognose auch für 2019 senken. Während der Devisenmarkt auf eine Wachstumszahl von nur +0,2% ggü. Vq. eingestellt ist, weshalb diese den Euro heute auch nicht stärker belasten dürfte, hatte die EZB im Dezember noch mit einem Plus von 0,4% gerechnet. Sie dürfte von der Konjunkturdynamik im Euroraum also enttäuscht werden. Gleichzeitig werden die nationalen Inflationszahlen der Euro-Mitgliedsländer bereits heute andeuten, dass die morgen veröffentlichte Euroraum-Inflation im Januar noch immer keinen nachhaltigen Trend hin zum Inflationsziel aufweist. Damit spricht viel dafür, dass die EZB in diesem Jahr erst einmal noch nicht an der Zinsschraube drehen wird. Den Ton in EUR-USD gibt also erst einmal die USD-Seite an.
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