GBP: Für das Pfund verspricht der heutige Tag mit der lang erwarteten Abstimmung im britischen Parlament über Premierministerin Theresa Mays Brexit-Plan einiges an Action. Die kurzfristige implizite Volatilität – ein Maß für die vom Markt empfundene Unsicherheit – ist gestern und heute noch einmal gestiegen (siehe Abb. 1). Gleichzeitig sind die Risk Reversals, die die Kostendifferenz zwischen einer Wechselkursabsicherung gegen eine Auf- und Abwärtsbewegung messen, zusammengeschrumpft. Während also eine heftige Wechselkursbewegung als Reaktion auf die heutige Abstimmung als wahrscheinlich angesehen wird, herrscht gleichzeitig eine hohe Unsicherheit darüber, in welche Richtung diese geht.
Los geht es um 20 Uhr mitteleuropäischer Zeit, also 19 Uhr Ortszeit. Doch schon im Laufe des Tages wird es interessant, wenn der Sprecher des Unterhauses, John Bercow, die Gesetzesergänzungen (Amendments) auswählt, über die er das Parlament vor der eigentlichen Abstimmung, der „meaningful vote“, abstimmen lässt. Denn diese können einen erheblichen Einfluss auf das Ergebnis haben oder die eigentliche Abstimmung sogar entfallen lassen, da einige Gesetzesänderungen den Brexit-Deal bereits ablehnen. Solange wir jedoch nicht wissen, welche Ergänzungen der Sprecher tatsächlich zulässt, ist es müßig über ihre Auswirkungen zu diskutieren. Denn die eigentliche Abstimmung, so sie denn zustande kommt, birgt bereits genügend Unsicherheiten. Was wissen wir? Theresa May wird wohl eine schmerzhafte Niederlage einstecken müssen. Alles andere wäre eine große Überraschung, die das Pfund mit einer deutlichen Aufwertung honorieren würde. Denn damit wäre wohl mit einem Schlag alle Unsicherheit über die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen zumindest für die nächsten zwei Jahre passé. Es würde erst einmal alles so bleiben wie es ist, während die EU und das Vereinigte Königreich über die genauen Details ihrer zukünftigen Partnerschaft verhandeln. Ein eventueller kurzfristiger Aufschub des Brexits, um die notwendige Gesetzgebung in Kraft zu setzen, wäre reine Formalität, aber kein fundamentaler Unsicherheitsfaktor.
Das Problem: keiner glaubt, dass es so kommt. Stattdessen rechnen praktisch alle Beobachter mit einer schmerzhaften Niederlage der Regierung. Und was wir nicht wissen ist, was passiert, wenn wie erwartet abgelehnt wird. Genau das wird heute der Knackpunkt für das Pfund. Einen ersten Hinweis darauf, wie es weiter gehen könnte, könnte der Abstand liefern, mit dem May verliert. Je kleiner dieser ist (z.B. ca. 40 Stimmen), desto wahrscheinlicher ist es, dass ein nur geringfügig abgeänderter Vorschlag in einem erneuten Wahlgang doch akzeptiert wird. Verliert sie jedoch so deutlich, dass Mays Brexit-Plan ein für alle Mal für Tod erklärt werden muss, ist deutlich unsicherer, wie es weiter geht und ob nicht sogar May freiwillig oder mittels eines Misstrauensvotums erzwungen die Flinte ins Korn wirft. Der wichtigste Faktor dann: Die Zeit. Denn umfangreiche oder sogar vollständige Neuverhandlungen kosten Zeit, die das Vereinigte Königreich nicht hat. Denn noch ist der 29. März die Deadline, zu der ein Brexit-Abkommen verabschiedet sein muss, sonst droht der No-Deal-Brexit. Natürlich ist ein ungeordneter Brexit unwahrscheinlich. Die EU hat signalisiert, dass sie zu einem Aufschub bereit ist, wenn das Vereinigte Königreich um einen bittet. Damit hält das Vereinigte Königreich sein Schicksal selbst in der Hand. Aber: Das Restrisiko eines No-Deal-Unfalls bleibt trotzdem bestehen. Denn das Vereinigte Königreich muss aktiv werden, um einen No-Deal zu verhindern. Und diese Aktion ist mit politischen Kosten verbunden, die jemand bereit sein muss zu tragen. Falls sich keiner für diese verantwortlich fühlt, bleibt der No-Deal eine Gefahr – und damit erhebliche GBP-Schwäche.
Wahrscheinlicher ist jedoch, dass erst einmal alles deutlich weniger dramatisch wird. Einem Medienbericht zufolge soll Bundeskanzlerin Angela Merkel in einem Gespräch mit May in Aussicht gestellt haben, dass nach einer heutigen Niederlage ein größerer Spielraum für Nachverhandlungen besteht. Insbesondere geht es dabei darum, eine zeitliche Beschränkung des verhassten Backstops zu ermöglichen. Dies hatte die EU, allen voran der irische Premierminister, immer rundum abgelehnt, da eine zeitliche Beschränkung den Backstop an sich obsolet machen würde, der dauerhaft eine harte Grenze zwischen Irland und Nordirland verhindern soll. Da der Backstop der Hauptkritikpunkt vieler gemäßigter Konservativer ist, könnte eine entsprechende Nachverhandlung diese tatsächlich dazu bewegen, Mays Kompromiss anzunehmen. Entsprechend unterstützt startet das Pfund heute in den Tag. Ob dieser Weg gegangen wird, und wie erfolgsversprechend er tatsächlich ist, werden wir jedoch erst wissen, wenn die Abstimmung erfolgt ist und der ursprüngliche Plan abgelehnt ist.
Für heute gilt damit erst einmal: Je deutlicher May verliert, desto schlechter ist das initial für das Pfund – zumindest bis deutlich wird, wie es weiter geht. Zeichnet sich das schon im Laufe des Tages ab, nimmt die Brisanz der eigentlichen Abstimmung heute Abend ab.
Rechtline Hinweise: Bitte beachten Sie die rechtlichen Hinweise
Bitte beachten Sie zusätzlich den wichtigen Hinweis zu allen abgebildeten Charts und Kursverläufen: Frühere Wertentwicklungen sind kein Indikator für die künftige Wertentwicklung.Bei den hier dargestellten Inhalten handelt es sich um fremde Inhalte. Für diese fremden Inhalte ist ausschließlich der jeweilige Eingeber verantwortlich. Eine inhaltliche, redaktionelle Überprüfung durch die DZB Media GmbH erfolgt ausdrücklich nicht. Bitte beachten Sie in diesem Zusammenhang ergänzend den Haftungsausschluss unter https://www.zertifikateberater.de/impressum.
Sollte ein hier durch einen Eingeber distribuierter Inhalt aus Ihrer Sicht gegen geltendes Recht verstoßen, schicken Sie bitte eine Email an nc. Der gemeldete Inhalt wird umgehend überprüft und ggf. gesperrt.