USD: Mir scheint, dass es momentan drei Gruppen von Marktteilnehmern gibt: (1.) solche, die eine Rezession voraussagen, die wieder (ähnlich wie 2008) systemische Risiken an-schwellen lässt, (2.) solche, die eine „normale“ Rezession (ähnlich wie 2001) erwarten und schließlich auch noch (3.) die, die keine Rezession erwarten. Für die zweite Gruppe ist der Ausblick deutlich USD-negativ. Denn die Fed würde aggressiver ihre Zinsen senken als EZB, BoJ usw. und damit dem Dollar deutlicher schaden als die anderen großen Zentral-banken ihren Währungen. Die erste Gruppe sieht das Ganze als USD-positiv an, denn die Fed könnte systemische Risiken für die US-Volkswirtschaft abdämpfen, während andere Volkswirtschaften denen schutzlos ausgeliefert wären – aus Mangel an Handlungsmöglichkeiten für die jeweiligen Zentralbanken. Auf Basis der Konjunkturprognosen unserer Volkswirte befinden wir uns in der dritten Gruppe – zusammen mit den großen Zentralbanken, die ebenfalls eine Rezession als unwahrscheinlich ansehen. Damit sind wir weder extreme USD-Bären noch USD-Bullen, sondern erwarten lediglich (aufgrund „normaler“ Zinsargumente) eine moderate Abschwächung der US-Währung. Man mag unsere Position als langweilig ansehen, wird halten sie für realistisch. Aus dem Alter, in dem ich auf Biegen und Brechen dramatische Wechselkurs-Stories entwickeln wollte, bin ich lange raus.
GBP: Morgen ist’s soweit: Morgen dürfte das britische Unterhaus den zwischen Regierung und EU ausgehandelten Brexit-Deal ablehnen. Das hätten wir auch schon im Dezember haben können. Die Tatsache, dass Premierministerin Theresa May die Abstimmung damals absagt und auf morgen verlegte, ist nur eine weitere Pirouette im britischen Chaos. Weder die Stimmungslage noch das Abstimmungs-Subjekt haben sich seitdem nennenswert geändert – was jeder halbwegs verständige Beobachter schon damals wusste.
May selbst wird heute – das wurde bereits bekannt – vor begeisterten Brexit-Befürwortern davor warnen, dass die Ablehnung die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass der Brexit abgeblasen wird. Ich will mich gar nicht darüber echauffieren, dass sie solch ein Szenario als Desaster für die Demokratie bezeichnet. Das Urteil, darüber, was und wer gerade mehr die Demokratie beschädigt, gehört nicht hier hin. Es wäre eh zu traurig für eine Morgen-Lektüre.
Was allerdings hier hin gehört ist die Tatsache, dass Mays Interpretation nahelegen würde, dass der politische Prozess auf ein „Remain“ (d.h. ein Abblasen des Brexits) hinauslaufen dürfte und dass „Remain“ nun einmal das GBP-freundlichste aller vorstellbaren Szenarien ist So einfach ist es freilich nicht. Natürlich, eine Annahme des Deals würde „Remain“ unmöglich machen. Doch impliziert die Ablehnung halt auch, dass ein ungeordneter Brexit – und damit wahrscheinlich eine heftige GBP-Abwertung – weiterhin möglich ist.
Selbst in ihrem eigenen Kabinett hört kaum jemand auf die Worte der Premierministerin; daher halte ich es auch für wenig wahrscheinlich, dass der Devisenmarkt ihrer GBP-freundlichen Interpretation der morgigen Ablehnung folgen dürfte. Dennoch, die Abstimmung dürfte – wenn sie so ausgeht wie erwartet (relativ deutliche Ablehnung des Deals) – für das Pfund nicht nur deshalb neutral sein, weil sie zu erwarten war. Sie hält auch weiterhin GBP-positive, GBP-negative und GBP-neutrale Szenarien offen.
Denen Wahrscheinlichkeiten zuzuordnen, ist derzeit ein beliebtes Hobby der UK-Analysten. Für die meisten Teilnehmer am Devisenmarkt ist das von untergeordneter Bedeutung. Kaum jemand dürfte auf einem Portfolio (bzw. Grundgeschäft) sitzen, das gänzlich gegenüber Brexit-Risiken immun ist – schon allein deshalb, weil die verschiedenen Resultate Risk-On- bzw. Risk-Off-Bewegungen auslösen können. Daher kommt es bei der Ermittlung der Prämien für Brexit-Risiken vor allem darauf an, wieviel „Schmerz“ die verschiedenen Szenarien den Devisenmarkt-Teilnehmern im Durchschnitt bereiten. Wer so denkt, muss weiterhin wohl oder übel seine Versicherung gegenüber Extremszenarien aufrechterhalten. Nur wer gänzlich unbetroffen ist, kann darauf wetten, dass die eingepreisten Wahrscheinlichkeiten für GBP-positive bzw. GBP-negative Szenarien „falsch“ seien. Doch fragt sich, ob es für diesen Marktteilnehmer nicht Wetten am Markt gäbe, deren Chancen einfacher abzuschätzen sind. Und weil das so ist, ändert sich am GBP-Optionsmarkt kaum etwas – abgesehen von der Einschätzung darüber, wann denn GBP-entscheidende Ereignisse anstehen.
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