GBP: Gestern hat im britischen Parlament eine fünftägige Debatte um den EU-Austritt begonnen, welche kommenden Dienstag mit einer Abstimmung um das von Premierministerin Theresa May ausgehandelte Austrittsabkommen enden wird. Die Chancen für May stehen schlecht, nachdem bereits zahlreiche Abgeordnete offen ihre Ablehnung bekundet haben. So musste sie gestern sogar schon bevor die Debatte begonnen hatte, einige Niederlagen erleiden. U.a. räumte sich das britische Parlament ein Mitspracherecht über den weiteren Brexit-Plan ein, sollte Mays Abkommen nächste Woche abgelehnt werden, was sehr wahrscheinlich ist. Da die Mehrheit der Abgeordneten aber ebenso wenig eine klare und einheitliche Vorstellung für den Brexit teilt, dürfte die Beteiligung des britischen Parlaments die Verhandlungen mit der EU um einiges erschweren, was das Risiko eines No-Deal Brexit – also eines ungeordneten Austritts Großbritanniens aus der EU – erhöht.
Das Pfund gab im Zuge der Entwicklungen im Parlament entsprechend seine Gewinne ab, die es erst kurz zuvor gemacht hatte, als bekannt wurde, dass Großbritannien einseitig – d.h. ohne Zustimmung der anderen EU-Staaten – Artikel 50 der EU-Verträge widerrufen könne. Dies sei die Meinung des Generalstaatsanwalts am Europäischen Gerichtshof (EuGH), Manuel Campos Sánchez-Bordona. Diese kann man jedoch quasi für bare Münzen nehmen, da der EuGH sich in der Regel nach seiner Meinung richtet. Zwar dürfte dies den Prozess um einiges erleichtern, sollte sich Großbritannien tatsächlich dazu entscheiden, den Brexit abzublasen. Für einen Game-Changer halte ich es allerdings nicht. So hatten in der Vergangenheit führende EU-Politiker immer wieder betont, dass sie ihre UK-Partner gerne in der EU zurück willkommen heißen würden, sollten sie dies wünschen. Es ist schwer vorstellbar, dass sich die EU-27 gegen diesen Wunsch der Briten stellen würden. Insofern war die zwischenzeitliche Pfund-Aufwertung gestern ohnehin nur bedingt gerechtfertigt.
Da die Nachrichtenlage rund um den Brexit wohl erratisch bleiben wird, ist auch mit einer höheren Pfund-Wechselkursvolatilität in den nächsten Wochen zu rechnen. Die Optionshändler sind bereits auf diesen Trichter gekommen. Diese rechnen auf Sicht von drei Monaten mittlerweile mit deutlich höheren Ausschlägen in EUR-GBP (siehe Abb. 1 im pdf-Dokument). Ein bisschen Luft nach oben sehe ich da allerdings schon noch, wenn das Parlament Mays Abkommen kommende Woche tatsächlich ablehnen sollte.
CAD: Es herrscht Einigkeit darüber, dass die Bank of Canada (BoC) ihren Leitzins heute unverändert bei 1,75% belassen wird. Zum einen hatte sie gerade erst in ihrer letzten Sitzung im Oktober den Zins um 25 Basispunkte angehoben. Zum anderen hat sich die Unsicherheit um den Konjunktur- und Inflationsausblick seitdem eher erhöht, was für eine vorsichtigere Vorgehensweise spricht. Dies ist zugebenermaßen kein Kanada-spezifisches Problem. Globale Konjunkturängste dämpfen derzeit allgemein die Zinserhöhungserwartungen. Doch die kanadische Wirtschaft wird zusätzlich durch den rapiden Ölpreisverfall seit Anfang Oktober belastet. Der Markt hat eine Zinserhöhung im Januar infolgedessen nur noch zu knapp 60% eingepreist. Wir bleiben bezüglich der Konjunktur- als auch der Inflationsdynamik etwas optimistischer und sehen einen Zinsschritt Anfang des Jahres immer noch als sehr wahrscheinlich an. Dennoch ist das Abwärtspotenzial in USD-CAD begrenzt, da die BoC wohl kaum eine sehr viel aggressivere Vorgehensweise als die Fed in Aussicht stellen wird, um eben genau keine zu starke Aufwertung des CAD zu riskieren – eine Erfahrung, die sie im Jahr 2017 bereits gemacht hat und aus der sie gelernt haben dürfte.
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