USD, EUR: WTI unter 50$/bbl, Brent zeitweise unter 58 $/bbl. Sag mir, wo der Ölpreis ist. Wo ist er gelieben? Ich will gar nicht anfangen, mich als Hobby-Ölpreis-Analyst zu versu-chen. Das kann nur schiefgehen. Ich kann nur beobachten, dass parallel mit dem dramati-schen Fall der Ölpreise auch die langfristigen Inflationserwartungen wieder im Sinkflug sind. Am Freitag am deutlichsten im Euroraum (Abbildung 2), aber seit einiger Zeit schon in den USA (Abbildung 1). Im Euroraum fiel die Bewegung wohl so extrem krass aus, weil die Einkaufsmanager-Indizes durch die Bank schlecht ausfielen und hier die Angst vor einem Abgleiten in Wachstumsschwäche besonders rasch zunimmt. Die Erwartung einer ersten EZB-Zinserhöhung in 2019 könnte man dann natürlich begraben. Und damit auch das stärkste Argument für die Euro-Aufwertung von April 2017 bis September 2018. Handelt EUR-USD also demnächst wieder bei 1,06? Das ist möglich, aber definitiv nicht unsere Richtung.
1. Unsere Volkswirte sind für die Euroraum-Konjunktur weiterhin optimistisch und halten die aktuelle Situation für eine temporäre Schwächephase.
2. Würde es schlimmer kommen, wären sicherlich auch weitere US-Zinserhöhungen (nach Dezember, bis dahin kriegt die Fed den Autopilot wohl gar nicht abgestellt) vom Tisch. Und würde es ganz schlimm kommen, wäre die Fed die einzige große Zentralbank, die ihren Leitzins nennenswert senken könnte. Alle anderen sind noch auf oder nur knapp über ihrer jeweiligen Zins-Untergrenze.
Ich halte es daher für sehr mutig vom FX-Markt, sich den Greenback als sicheren Hafen auszusuchen, in dem man sich vor globalen Konjunkturrisiken sicher wähnt. Das hat man immer so gemacht, aber früher waren halt auch die Zinszyklen weitaus mehr im Gleichtakt. Das berücksichtigt der FX-Markt nicht. Wann wird man je verstehen?
GBP: Reisende soll man nicht aufhalten. Ich habe den Eindruck, dass in der britischen Politik, aber auch in der öffentlichen Diskussion auf der Insel ein Punkt nicht richtig gesehen wird: die öffentliche Meinung auf dem Kontinent. Hier – so mein Eindruck – gibt es nur sehr Wenige, die für Nachgiebigkeit gegenüber den abtrünnigen Inselbewohnern Verständnis aufbringen. „Wenn sie raus wollen, dann sollen sie sehen, was sie davon haben“ ist ungefähr das, was ich hier auf dem Kontinent als allgemeines Stimmungsbild empfinde. Europas Politiker hätten schwerlich eine nachgiebigere Haltung ihrem Wahlvolk verkaufen können. So zerstritten dieser Kontinent im Tagesgeschäft ist, die Einigkeit gegenüber Abtrünnigen funktioniert noch weitgehend. In diesem Sinne ist der Brexit ein Glücksfall für Europa.
Die Briten können heilfroh sein, dass die Regierungschefs diesem Brexit-Deal zugestimmt haben. Doch heißt das für die Risiken, die dem Pfund aus dem Brexit erwachsen, natürlich nicht viel. Die Der Knackpunkt bleibt das britische Parlament, das sich ja nicht nur darüber uneinig ist, ob dieser Deal der Beste ist, der möglich ist (und sich weiterhin in Phantasien über mögliche Nachverhandlungen ergeht). Daneben gibt es ja auch noch die Extremisten, die eine No-Deal-Lösung wollen. Die GBP-Wechselkurse haben im asiatischen Handel daher nicht nachhaltig auf die Ereignisse vom Wochenende reagiert. Nur Nachrichten, die uns etwas über die Parlamentsentscheidung sagen, haben eine Berechtigung, GBP zu bewegen.
CHF: Ist man in einer repräsentativen Demokratie aufgewachsen, tendiert man dazu, bei jeder Volksabstimmung in der Schweiz die Luft anzuhalten. Irgendwann, so die Angst, werden die Eidgenossen einem der völlig unsinnigen Begehren zustimmen und ihr Land zugrunde richten. Siehe oben. Am Wochenende ist das in der Schweiz wieder nicht passiert. Warum funktioniert das in der Schweiz nur so gut? Die „Selbstbestimmungsinitiative“ ist vom Tisch. Damit steht einer konstruktiven Neuregelung der Beziehungen zur EU nichts mehr im Wege. Potenziell hätte ein eskalierender Streit mit Brüssel den Franken schwächen können. Doch ist das Ausbleiben solch eines Risikoszenarios kein nennenswert CHF-positives Argument. Denn in Wahrheit wissen wir doch alle, dass dem Schweizer Wahlvolk zu trauen ist.
Dass EUR-CHF wieder um 1,13 notiert, ist – wie üblich – nicht spezifischen Schweizer Faktoren geschuldet, sondern der allgemeinen (und speziell europa-fokussierten) Konjunkturangst. Auch wenn der Status des Franken als sicherer Hafen nicht mehr so klar ist, wie früher, ist alles, was das Konjunkturrisiko Europas erhöht, geeignet, den Franken zu stärken. Dieser Mechanismus klappt immer noch hervorragend.
Rechtline Hinweise: Bitte beachten Sie die rechtlichen Hinweise
Bitte beachten Sie zusätzlich den wichtigen Hinweis zu allen abgebildeten Charts und Kursverläufen: Frühere Wertentwicklungen sind kein Indikator für die künftige Wertentwicklung.Bei den hier dargestellten Inhalten handelt es sich um fremde Inhalte. Für diese fremden Inhalte ist ausschließlich der jeweilige Eingeber verantwortlich. Eine inhaltliche, redaktionelle Überprüfung durch die DZB Media GmbH erfolgt ausdrücklich nicht. Bitte beachten Sie in diesem Zusammenhang ergänzend den Haftungsausschluss unter https://www.zertifikateberater.de/impressum.
Sollte ein hier durch einen Eingeber distribuierter Inhalt aus Ihrer Sicht gegen geltendes Recht verstoßen, schicken Sie bitte eine Email an nc. Der gemeldete Inhalt wird umgehend überprüft und ggf. gesperrt.