GBP: Nach dem Austrittsabkommen haben sich London und Brüssel gestern nun auch auf eine politische Erklärung bezüglich der zukünftigen Beziehung zwischen Großbritannien und der EU verständigt. Obwohl der ein oder andere Mitgliedsstaat sein Missfallen mit vereinzelten Textpassagen zum Ausdruck gebracht hat, ist letztlich davon auszugehen, dass die EU-Staats- und Regierungschefs beim Gipfel am kommenden Sonntag beide Vorlagen absegnen. Das Pfund wertete gestern deutlich auf die Nachricht auf, dass das UK und die EU demnach eine enge Handelsbeziehung (in Form eines umfassenden Handelsabkommens) anstreben. Schön und gut. Nur was ist diese politische Erklärung Wert, wenn das britische Parlament dem Austrittsvertrag nicht zustimmt? Ich kann mir die positive Marktreaktion nur damit erklären, dass der Markt noch immer darauf setzt, dass es am Ende – wie auch immer – trotzdem zu einem geordneten Brexit kommt. Darauf deuten auch die Optionspreise auf Absicherungen gegen einen Pfund-Absturz hin. Diese sind zwar in der letzten Woche sprunghaft angestiegen, notieren jedoch noch immer weit unter den Niveaus von 2016. Für mich kann das nur heißen, dass die Masse der Marktteilnehmer einen No-Deal Brexit noch immer für sehr unwahrscheinlich hält. Denn die andere Erklärung wäre, dass sie die negativen Auswirkungen des No-Deal Brexits als geringer erachten, als die des Brexit-Votums im Jahr 2016, was vollkommen unlogisch wäre. Immerhin reden wir jetzt von einer Entschei-dung, die unmittelbar nach dem 29. März zum Teil tiefgehende Änderungen für die Realwirtschaft nach sich ziehen wird, im Gegensatz zum EU-Referendum im Jahr 2016, nach dem ja am nächsten Tag im Grunde genommen nichts konkret passiert war. Ebenso spricht die heftige Pfund-Abwertung nach dem Rücktritt von Brexit-Minister Dominic Raab dafür, dass der Markt das Risiko eines No-Deal Brexits zuvor als niedriger eingeschätzt hatte.
Doch warum ist der Markt dieses Mal so viel entspannter im Hinblick auf das Pfund, als er es damals vor dem Brexit-Referendum war? Zum einen dürfte dies darauf zurückzuführen sein, dass das EU-Referendum nur zwei mögliche Ergebnisse liefern konnte: Die mehrheitliche Entscheidung für den Verbleib in oder eben den Austritt aus der EU, wobei letzteres zum damaligen Zeitpunkt für die meisten – inklusive der Brexiteers wie es mittlerweile scheint – nur ein sehr abstraktes Konzept war. Zwar wird das britische Parlament ebenso entweder für oder gegen das Austrittsabkommen stimmen. Doch schon jetzt sind verschiedene Szenarien denkbar, was in dem wahrscheinlicheren Fall, dass sich die Abgeordneten dagegen aussprechen, passieren kann. Zu den Optionen zählt neben einem No-Deal Brexit u.a. Neuwahlen, ein zweites Referendum als auch eine Verlängerung der Verhandlungen. Anders gesagt: Alles ist möglich, inklusive dem Szenario, dass der Brexit sogar ganz abgeblasen wird. Und diese Einschätzung ist auch vollkommen nachvollziehbar. So haben uns doch die letzten Wochen, wenn nicht sogar 1 ½ Jahre, schließlich gelehrt, wie unvorhersehbar die Politik im UK sein kann. Für Pfund-Investoren heißt das aber auch: Kommt es doch zum No-Deal Brexit, könnte die Pfund-Abwertung noch viel heftiger ausfallen, als es nach dem EU-Referendum der Fall war, da der Markt dieses Mal auf dieses Szenario weniger vorbereitet ist.
EUR: Wir haben zuletzt oft angeführt, dass eine Eskalation des Haushaltsstreits Italiens mit der EU die Normalisierungspläne der EZB gefährden und über diesen Kanal zu einer massiven Belastung für den Euro werden könnte. Doch auch von anderer Seite droht durchaus Gegenwind. So hat sich die Konjunktur im Euroraum in den letzten Monaten spürbar abgekühlt und sofern es sich hier nicht um eine kurzen Durchhänger handelt, könnte die EZB sich auch aus diesem Grund dazu gezwungen sehen, an ihrer expansiven Geldpolitik festzuhalten. Zwar hat EZB-Präsident Mario Draghi in seinen jüngsten Reden die schwächere Wachstumsdynamik runtergespielt und einen weiterhin optimistischen Ausblick gemalt. Doch angesichts zahlreicher Unsicherheiten, z.B. im Blick auf den Brexit oder den globalen Handelsspannungen, könnten diesbezüglich durchaus Zweifel am Markt aufkommen. Insofern könnten die Einkaufsmanagerindizes heute durchaus für Bewegung in den EUR-Wechselkursen sorgen.
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