GBP: Zwar hofft er auf die Akzeptanz von Theresa Mays ausgehandeltem Vorschlag, aber laut Notenbankchef Mark Carney ist das Risiko eines chaotischen Exit des UK aus der EU „uncomfortably high“. Er tut mir fast leid, schließlich ist er selbst in einer „highly uncomfortable“ Situation. Denn letztlich sind der Bank of England (BoE) bis März die Hände gebunden, was ihre Geldpolitik anbelangt. Natürlich gibt es auch derzeit keinen dringenden Handlungsbedarf. Aber der 29. März ist das Stichdatum für die Reaktionsfunktion der BoE, die sie schon auf der letzten Zinssitzung Anfang November dargelegt hat: (1) Bei einem No-Deal Brexit sind aufgrund der möglichen wirtschaftlichen Folgen wohl erst einmal keine Zinserhöhungen absehbar, sondern sogar Zinssenkungen wahrscheinlich, auch wenn die Inflation das Ziel überschießt. (2) Außer natürlich, es muss ein Kollabieren des Pfundes im Fall eines ungeordneten Austritts verhindert werden. Dann würde die BoE den Leitzins sogar erhöhen. Ebenso in dem Fall, dass es einen massiven Angebotsschock ungewohnten Ausmaßes mit einem dramatischen Anspringen der Inflation gäbe. (3) Gibt es eine gütliche Einigung, erwartet die BoE ein Anspringen der Nachfrage. Das wiederum spräche dafür, dass bei diesem Szenario der Leitzins sogar schneller als derzeit geplant angehoben werden könnte. Mehr als auf eine Einigung hoffen und trotzdem ihre Reaktionsfunktionen für den Worst Case festlegen, kann die BoE im Moment nicht tun. Und eigentlich bleibt Marktteilnehmern auch kaum eine andere Alternative, selbst wenn die Absicherung gegen den Worst Case seit Anfang November deutlich teurer geworden ist.
USD: Schon länger haben wir darauf hingewiesen, dass mit der fortschreitenden Normalisierung der Geldpolitik in den USA die Reaktionsfunktion der Fed wieder datenabhängiger wird. Die Aussagen von Fed Vize Richard Clarida zu den Wachstumsaussichten verschärfen dies Argument. Denn mittlerweile dürfte jedem klar sein, dass der Zinserhöhungszyklus der Fed im kommenden Jahr ausläuft und somit kein positives Argument mehr für den Greenback ist. Weswegen auch schwache US-Zahlen zukünftig stärker auf dem US Dollar lasten werden, als positive ihn stützen können. Jetzt wird also mit Argusaugen darauf geachtet, ob nicht hier oder da eine schwächer als erwartete Datenveröffentlichung schon frühzeitig auf eine nachlassende Dynamik in der US Wirtschaft hinweist und womöglich nicht sogar ein früheres Ende des aktuellen Zinszyklus notwendig machen könnte. Die Aktienmärkte zumindest haben schon globale Wachstumssorgen und sind in Endzeitstimmung. Vermutlich werden sich vor dem langen Thanksgiving-Wochenende zwar viele Dollarhändler heute Nachmittag zurückhalten. Trotzdem lohnt sich ein Blick auf die Auftragseingänge, denn ein enttäuschendes Ergebnis könnte dem USD davor noch schnell eins auf die Mütze geben.
EUR: Selbst wenn rein rechnerisch steigende italienische Renditen erst einmal nicht das größte Problem für die italienischen Staatsfinanzen sein dürften, bleibe ich bei meiner Meinung, dass sie den Markt zusehends nervös machen und schon deshalb Auswirkungen haben werden. Denn allein die Furcht vor einer nächsten Schuldenkrise, selbst wenn diese faktisch erst einmal nicht vor der Tür steht, führt zu Marktreaktionen. So kann der Normalisierungswille der EZB zusehends in Frage gestellt werden. Solange also das Thema verantwortliche Haushaltspolitik in Italien nicht zufriedenstellend gelöst ist (heute veröffentlicht die EU Kommission ihren Bericht zum Haushaltsentwurf Italiens), sondern immer wieder unverantwortliche Aussagen von offizieller Seite kommen – so geschehen gestern, auch wenn es nichts Neues war -, können die italienischen Renditen immer wieder anziehen, der Spread zum Bund steigen und damit der Euro unter Druck geraten.
CHF: Dem Franken fehlt es nach wie vor an Eigenleben. Das ist aber auch nicht weiter verwunderlich, denn Signale seitens der SNB in Richtung Normalisierung der Geldpolitik gibt es nicht. Sie wird nicht vor der EZB tätig werden, um keine unangenehme Aufwertung des Franken zu riskieren. Mit Kursen im Bereich von 1,13-1,15 in EUR-CHF kann sie vermutlich gut leben. Aber ein Abrutschen unter 1,12 käme ihr sicher ungelegen. Denn die Kernrate ist mit 0,4% gegenüber Vorjahr immer noch sehr niedrig. Dass die derzeitige expansive Geldpolitik unverändert angemessen ist, werden die Vertreter des SNB Rats nicht müde zu betonen. Zuletzt wieder Andrea Maechler vor wenigen Tagen. Der Franken bleibt für die SNB hoch bewertet und der Negativzins unerlässlich. Außerdem wird die Inflation gemäß ihren Erwartungen weiterhin auf niedrigen Niveaus verharren. Auch eine Verringerung der SNB-Bilanz ist laut Maechler noch nicht angebracht. Und so wird mangels Impulse seitens der Geldpolitik der Franken auf absehbare Zeit kein Eigenleben entwickeln, sondern in seiner Funktion als sicherer Hafen Spielball der externen Geschehnisse wie Italienproblematik, Brexit oder Handelsstreit bleiben. Deshalb konnte er zuletzt auch aufgrund zunehmenden Risk-Off Sentiments und weltweit fallenden Aktienmärkten zulegen.
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