USD: Ein ansehnliches Wachstum – gefördert natürlich durch die Steuersenkungen zu Beginn des Jahres – , ein boomender Arbeitsmarkt, und das alles bei einer überaus moderaten Inflation. Besser könnte die US-Volkswirtschaft eigentlich kaum laufen. Nur eines passt nicht in dieses scheinbar schöne Bild: das niedrige Zinsniveau. Klar, die US-Notenbank hat den Zins in diesem Zyklus bereits acht Mal angehoben. Dennoch liegt der Leitzins mit 2-2,25% noch immer weit unter Vorkrisenniveaus und jedenfalls unter den Niveaus, die man bei einer solch starken Wirtschaftsleistung erwartet hätte. Nun hat Fed Chair Jay Powell vor wenigen Tagen Hoffnungen genährt, dass sich aber auch daran zukünftig etwas ändern könnte. Er stellte weitere Zinserhöhungen in Aussicht, die sogar über das neutrale Zinsniveau hinausgehen könnten, worauf der US Dollar zunächst zulegen konnte. Interessanterweise hielt der positive Impuls seiner Äußerungen aber nicht lange an. Mich wundert das ehrlich gesagt nicht. Sicherlich ergeben sich insbesondere aus dem unermüdlichen Beschäftigungszuwachs Aufwärtsrisiken für Inflation, Leitzins und damit auch den US-Dollar, wie meine Kollegen erst vor kurzem in einem Artikel ausführlich dargelegt haben. Aber wir reden hier immer noch von Risiken, nicht von Tatsachen. Entsprechend vorsichtig wäre ich, aufgrund von Powell’s Äußerungen bereits auf einen neuerlichen USD-Aufwertungstrend zu setzen. Denn seine Befürchtungen, nämlich, dass der Inflationsdruck aufgrund einer heiß laufenden US-Wirtschaft merklich zunimmt, muss sich noch bewahrheiten. Die Inflation mag zwar zum Ziel der Fed zurückgekehrt sein. Doch die Preisentwicklung erweist sich immer noch als weitaus träger als man angesichts einer Wirtschaft, die über Potenzial wächst, und einem derart gut laufenden Arbeitsmarkt angenommen hätte. Selbst Powell gibt zu, dass dies für ihn weiterhin ein „Rätsel“ darstellt.
Nun haben wir zugegeben in den letzten Monaten den US-Arbeitsmarktbericht in seiner Relevanz für den USD immer wieder heruntergespielt. Dies haben wir damit begründet, dass der Markt den Zinserhöhungszyklus der Fed mittlerweile hinreichend in die Wechselkurse eingepreist hat. Doch tatsächlich glaube ich, dass die Daten wieder an Gewicht gewinnen könnten, nun, da die Diskussionen beginnen, wie lange der Zinserhöhungszyklus tatsächlich noch anhält. Bisher war davon auszugehen, dass sich ein Ende bereits im kommenden Jahr abzeichnen würde, da sich der Zins dann dem neutralen Niveau, welches die Fed auf ca. 3% schätzt, annähert. Doch dies basierte auf der Annahme, dass sich der Preisauftrieb nicht deutlich verstärken würde. Und hier liegt der größte Unsicherheitsfaktor. Schließlich haben uns die Fehleinschätzungen der letzten Jahre gezeigt, dass wir die Inflationsdynamik nicht in Gänze verstehen. So wird bis heute unter Experten noch immer darüber gestritten, ob die Philips-Kurve – der Zusammenhang zwischen Arbeitslosenquote und Preisniveau – noch lebt, und wenn ja, in welchem Ausmaß? Genau darauf können uns letztlich die harten Daten Auskunft geben, weswegen ein Blick auf den heutigen Arbeitsmarktbericht durchaus lohnen kann.
JPY: Wer so richtig frustriert über das Inflationsrätsel sein muss, ist ohne Frage die Bank of Japan (BoJ). Die plagt sich damit immerhin schon seit fast 30 Jahren rum. Und ein Ende scheint nicht in Sicht. So waren die heute früh veröffentlichten Lohndaten für August eine herbe Enttäuschung. Der Lohnzuwachs fiel deutlich niedriger aus als erwartet, und das obwohl der Sommerbonus gegenüber dem Vorjahr gesteigert wurde. Die vertraglichen Löhne kommen dagegen weiterhin nicht aus dem Quark, und das bei einer Arbeitslosenquote von mittlerweile nur noch 2,4% (siehe Abb. 2 in pdf). Ich sehe da ja nicht das von der BoJ beschriebene „positive Inflationsmomentum“. Und daher bleibe ich auch dabei, dass die zunehmenden Bestrebungen der Notenbanker, aus der expansiven Geldpolitik auszusteigen, nicht mit der Inflationsentwicklung zu rechtfertigen sind, sondern rein auf der Sorge vor ungewünschten Nebenwirkungen basieren. Steigende Zinsen bei anhaltend niedriger Inflation aber ist eine Traumkombination für den JPY.
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