EUR: Italiens Budgetplan hat den Euro (gegenüber USD) fast einen Cent gekostet. Schon seit gestern Morgen wurde peu à peu klar, dass sich die Koalition aus Rechts- und Linkspopulisten auf ein höheres Budgetdefizit für 2019 einigen würde. So kam’s auch. 2,4% des BIP beträgt nun die geplante Neuverschuldung, das Dreifache dessen, was die Vorgängerregierung für 2019 veranschlagt hatte. Es überrascht schon, dass die EUR-Wechselkurse plötzlich so heftig auf fiskalische Faktoren reagieren. Selbst in der Krise, als es darum ging, ob die Gemeinschaftswährung die nächsten Monate überleben würde, litt der Euro nur wenige Cent. Eines ist jetzt freilich anders: Die Marktteilnehmer hegen heute die Hoffnung auf eine Normalisierung der EZB-Zinsen. Die dürfte eh aufgrund geldpolitischer Faktoren spät kommen und langsam verlaufen. Dennoch ist die Hoffnung darauf wohl wesentlicher Grund für den allgemein recht starken Euro. Wenn zu den geldpolitischen Argumenten nun allerdings hinzukäme, dass die EZB zu hohe BTP-Renditen verhindern muss (damit Italien nicht in die nächste Fiskalkrise abrutscht), würde das den zinspolitischen Handlungsspielraum der EZB noch weiter einschränken. Dann würde das wichtigste Argument dafür, dass der Euro (gegenüber USD) bei 1,1650 handelt (und nicht bei 1,05 oder so) zumindest abgeschwächt.
Verstehen Sie mich nicht falsch. Ich will nicht die nächste Italien-Krise ausrufen. Diesen Call überlasse ich gerne den FI-Spezialisten. Es ist halt nur so: Bis zu einem gewissen Punkt können höhere BTP-Renditen neue fiskalische Risiken ausgleichen. Dann findet der Markt – auch bei überraschend negativen Nachrichten wie dieser – rasch ein Gleichgewicht. Ab einem bestimmten Punkt allerdings vergrößern höhere Renditen die fiskalischen Risiken so sehr, dass es schlicht kein Gleichgewicht mehr gibt. Das nennt man dann „Schuldenkrise“. Momentan ist davon am Rentenmarkt nichts zu sehen. Mit höheren BTP-Renditen und den fiskalischen Eskapaden der Regierung in Rom ist das Risiko für solch ein Szenario gestiegen. Das rechtfertigt – weil’s wie oben erklärt gerade für den Euro relevant ist – einen höheren Risikoaufschlag für den Euro. auch dann, wenn am Rentenmarkt (noch) keine Krisenstimmung herrscht.
CAD: Jeder hat eben seine eigene politische Agenda. Nicht nur US-Präsident Donald Trump, sondern auch Kanadas Premierminister Justin Trudeau. Weshalb sich die Neuver-handlungen der NAFTA zwischen den USA und Kanada, die eigentlich am Wochenende beendet sein sollen, schwierig gestalten. Trump möchte schnellstmöglich dem Kongress einen Deal vorlegen, damit dieser formaljuristisch korrekt noch vor seiner neuen Zusammensetzung nach den Zwischenwahlen darüber entscheiden kann. Schließlich riskiert Trump, bei den Wahlen im November die Mehrheit in einem der beiden Häuser zu verlieren, was eine positive Abstimmung über einen bilateralen Deal sowohl mit Mexiko (bereits ausgehandelt) als auch mit Kanada in Frage stellen könnte. Trudeau hingegen möchte die Provinzwahlen in Québec, die am Montag stattfinden, abwarten. Denn Québec ist die Provinz mit der größten Produktion von Milchprodukten. Und gerade die sind den USA ein Dorn im Auge, da Kanada diese Produkte schützt und mit hohen kanadischen Importzöllen belastet. Trudeau wird aber kaum vor den Wahlen in Québec gerade bei diesem Knackpunkt nachgeben und sich gegen die heimische Industrie stellen wollen, um die Wählerschaft nicht zu vergraulen. Eine Einigung in letzter Minute, sofern laut Trudeau „gut und fair“ ist natürlich immer noch möglich und würde dem CAD Flügel verleihen. Aber es ist auch möglich, dass dem US-Präsidenten am Wochenende der Geduldsfaden reißt und er NAFTA einfach aufkündigt. In diesem Fall würde der Loonie natürlich erst einmal richtig tief abtauchen.
GBP: Von Sonntag bis Mittwoch findet in Birmingham der Parteikongress der Tories statt. Die Gelegenheit für ambitionierte Brexit-Hardliner, weiter am Stuhl von Premierministerin Theresa May zu sägen. Egal, wie schwierig die Zusammenarbeit zwischen ihrer Regierung und der EU bisher war, es war besser als alles, was von potenziellen Nachfolgern zu erwarten wäre. Zumal bis zum Brexit-Datum die Zeit für grundlegend neue Verhandlungsstrategien und neue Verhandlungsteams fehlt. Daher ist die Rechnung einfach: Alles, was Mays Position beschädigt oder ankratzen würde, wäre schlecht für’s Pfund.
Dabei sitzt die Premierministerin zwischen allen Stühlen. Sie hat „rote Linien“ gezogen, die sie nicht zurücknehmen kann, ohne dass ihr die Hardliner auf’s Dach steigen. Andererseits bezweifele ich, dass ihr das viele Sympathien bei den eingefleischten Brexiteers eingebracht hat. Die sehen sich am Ende besser bei denjenigen aufgehoben, die eine No-Deal-Lösung immer schon befürworteten. Für mich sieht die Lage Mays ziemlich nach „Sackgasse“ aus – ein weiterer Faktor, der nicht gerade No-Deal unwahrscheinlicher macht und damit ein Belastungsfaktor für das Pfund. GBP-positiv wäre nur, wenn May in Birmingham die Brexit-Hardliner innerparteilich in die Schranken verweisen würde und die Partei eine breite Zustimmung zu einer konstruktiven Verhandlungsstrategie mit Brüssel formulieren würde. Für mich sieht’s momentan nicht danach aus, aber ich lasse mich gerne überraschen.
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