GBP: „Wir befinden uns also in einer Sackgasse.“ Mit diesen Worten hat Premierministerin Theresa May in ihrer Stellungnahme am Freitag bestätigt, wovor wir schon länger warnen: Eine baldige Einigung in den Brexit-Verhandlungen ist kaum zu erwarten, da die roten Linien Großbritanniens und der EU nicht miteinander vereinbar sind. Damit waren Pfund-Investoren endgültig dazu gezwungen, sich von dem Optimismus im Vorfeld des Salzburg-Gipfels zu verabschieden, und wieder eine höhere Risikoprämie einzupreisen. Denn May hat klar gemacht: Großbritannien wird sich erst einmal nicht bewegen. Stattdessen erwartet May, dass die EU näher erläutert, wie der Chequers-Plan den gemeinsamen Binnenmarkt mit den damit verbundenen Freiheiten unterminiere und einen Gegenvorschlag vorbringt.
Damit offenbart sich einmal mehr ein grundsätzliches Missverständnis, das die Verhandlungen von Anfang an unter keinem guten Stern hat stehen lassen. In Großbritannien scheint man davon auszugehen, dass die EU den harten Brexit unter allen Umständen vermeiden möchte, weshalb die EU letztendlich schon einknicken wird, wenn man nur glaubhaft macht, dass man lieber keinen Deal als einen schlechten Deal akzeptiert. Spieltheoretiker haben an sowas ihre reinste Freude. Grundsätzlich kann ich die Erwartung, dass die EU einknicken und den Weg für ein umfangreiches Partnerschaftsabkommen freimachen wird, durchaus nachvollziehen. Das war doch immer die Erfahrung während der Euroraum-Schuldenkrise: Am Anfang des Abends standen sich alle Seiten unversöhnlich gegenüber, und irgendwann, tief in der Nacht, teilweise erst kurz nach der eigentlichen Deadline gab es dann doch eine Einigung. Verfechter dieser These übersehen aber einen entscheidenden Punkt: In der Euroraum-Schuldenkrise war eine Einigung essentiell für den Fortbestand der Europäischen Union. Nun ist es aus Sicht der EU essentiell für den Fortbestand, nicht gegenüber Großbri-tannien einzuknicken. Das schon allein, um anderen skeptischen Mitgliedern zu bewei-sen, dass es eben nicht möglich ist, „to have your cake and eat it“, also die Vorteile der EU zu genießen, ohne die damit verbundenen Pflichten zu akzeptieren.
Unter dieser Annahme bieten die aktuellen Niveaus am Optionsmarkt noch gute Absiche-rungsmöglichkeiten gegenüber weiteren Wechselkursturbulenzen. Und die dürften kommen. Mit ihrem Statement geht May nun „All-In“. Am Sonntag beginnt die Parteikonferenz der Tories, auf der sie ihren schärfsten Kritikern Rede und Antwort stehen muss – sie kann ihr Ultimatum nicht zurückziehen ohne eine Schwäche einzugestehen, auf die sich ihre Gegner genüsslich stürzen würden, um sie aus dem Amt zu drängen. Ein möglicher innenpolitischer Ausweg wären Neuwahlen, die Mays innerer Zirkel einem Zeitungsbericht zufolge für November erwägen soll. Heute stellen die ehemaligen Minister David Davis und Boris Johnson ihren Brexit-Gegenentwurf vor, der ein Freihandelsabkommen im Stile des EU-Kanada-Abkommens zum Kern haben soll. Angeblich soll diese Lösung inzwischen auch von einer Mehrheit der aktuellen Kabinetts unterstützt werden. Interessant wird an diesem Vorschlag vor allem sein, was für eine Lösung in der irischen Grenzfrage angestrebt wird. Denn die Antwort darauf ist in meinen Augen ein letzter Silberstreifen am Horizont, der die Verhandlungen zwischen der EU und Großbritannien wieder beleben könnte. Schließlich hatte May den Vorschlag der EU für ein Handelsabkommen in ihrem Statement am Freitag doch mit dem Verweis abgelehnt, dass dies eine Zollgrenze zwischen Nordirland und dem Rest Großbritanniens errichten würde, wenn eine harte Grenze in Irland unter allen Umständen vermieden werden soll.
Um das ganz klar zu machen: Wir gehen weiter davon aus, dass die EU und Großbritannien letztendlich eine gemeinsame Lösung finden werden, auch wenn diese eventuell eine deutlichere Abkehr vom Status Quo bedeuten wird, als lange vermutet wurde. Entscheidend ist: seit vergangener Woche ist der Weg dahin deutlich unsicherer geworden. Die Absicherungsniveaus am Optionsmarkt liegen jedoch noch immer unter denen, die vor dem Brexit-Referendum erzielt wurden. Wer GBP-Risiko trägt, sollte sich dementsprechend gut überlegen, ob er wirklich zusammen mit Frau May „All-In“ gehen will.
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