USD: Einen Artikel fand ich bei meiner morgendlichen Lektüre heute besonders interessant: Das Wall Street Journal hat nachgehalten, wieviel „Repatriierung“ von Gewinnen von US-Töchtern im Ausland denn bisher stattgefunden hat. Sie erinnern sich? Das war letztes Jahr die große Story. Billionen und Aber-Billionen von im Ausland thesaurierten Gewinnen würden „zurück“ in die USA fließen und eine traumhafte USD-Aufwertung bewirken, verhießen uns einige Analysten. Magere 143 Milliarden $ misst das Wall Street Journal bislang – kaum ein Volumen, das größere USD-Stärke rechtfertigt. Dabei kam der überwiegende Teil dieser Summe von zwei Unternehmen, bei denen Sonderfaktoren gewirkt haben könnten. Auch wenn die Zahlen des US-Handelsministeriums abweichen und ein graduell weniger enttäuschendes Bild abliefern, so muss doch allseits konstatiert werden, dass von der großen Repatriierungswelle nichts übrig geblieben ist. Was nicht ist, kann noch werden? Stimmt. Aber wenn solche Zahlungsströme (die eh nur zu einem winzigen Teil für den Devisenmarkt relevant sein dürften) zeitlich gestreckt werden, wird auch ihre Wirkung auf die USD-Wechselkurse verwässert. Fazit: Hinter der bombastischen Story steckte kaum etwas dahinter. Die Lehre daraus ist einerseits: Man sollte skeptisch sein, wenn Analysten allzu großartige Geschichten zu Markte tragen – insbesondere, wenn sie auf notorisch wackeligen „Flow“-Argumenten beruhen. Und andererseits muss, wer auf solche Effekte setzt, wohl darauf warten, dass die USA sich handelspolitisch einigeln (siehe unten) und dann auf höhere heimische Investitionen angewiesen sind, um die Produkte, die sie dann nicht mehr im-portieren können, selbst zu fabrizieren. Ob in einem solchen Szenario – mit entsprechenden realwirtschaftlichen Konsequenzen für die USA – der Dollar aufwerten könnte, hinge von der Fed ab, die dann – eigentlich – zur Inflationsbekämpfung die Zinsen anheben müsste, andererseits damit die Wirtschaftspolitik torpedieren würde. Könnte sie das?
GBP: Endlich sind die Fortschritte in den Brexit-Verhandlungen dergestalt, dass man sie auch als solche erkennen kann. Beim wesentlichen Knackpunkt, der Grenze zwischen der Republik Irland und Nordirland, scheinen beide Seiten aufeinander zuzugehen. Die Europäer scheinen ein verwässertes Grenzregime akzeptieren zu wollen, während die Briten Kontrollen im Warenverkehr zwischen Nordirland und Rest-UK in Erwägung ziehen. Irgendwo muss halt eine Grenze hin, wenn sich die Briten aus Europa verabschieden und keine Zollunion á la Norwegen wollen. Wenn das ohne Errichtung von Schlagbäumen in Irland geht, scheint ein No-Deal-Brexit vermeidbar zu sein. Freilich besteht weiterhin ein nicht unerhebliches Verunfallungsrisiko. Denn (1.) wird die Zeit knapp, in der die Details solch einer Lösung festgelegt werden müssen. So scheint mit der neuen beidseitigen Nachgiebigkeit eine Lösung für den Warenverkehr vorstellbar; für den Personenverkehr kann ich mir aber immer noch keine Lösung vorstellen. Jetzt rächt sich halt, dass die Briten 1 ½ Jahre mit unsinnigen Verhandlungsbeiträgen vergeudet haben. Und (2.) schwelt weiterhin die Gefahr eines Aufstandes der Brexit-Extremisten innerhalb der Tories, der alles zunichtemachen würde. Die moderate Erholung des Pfundes, die wir in den letzten Wochen beobachtet haben, ist somit ex post gerechtfertigt. Für Alle, die ihr GBP-Risiko über den Brexit-Termin hinaus managen müssen, besteht freilich weiterhin das Problem, dass weiterhin keine Planungssicherheit besteht. Daran hat sich nichts geändert.
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