EUR: Zwar wird die EZB heute aller Voraussicht nach ein Ende ihrer Anleihekäufe zum Ende des Jahres endlich auch formal beschließen. Der Euro dürfte von dieser Entscheidung allerdings kaum groß profitieren, zumal sie wohl von einer Senkung der Inflations- und Wachstumsprognose – wie Gerüchte gestern nahelegten – begleitet wird. Von weitaus größerem Interesse für den Devisenmarkt ist, wann die Notenbank damit beginnt, ihre Zinsen zu normalisieren. Dabei geht es nicht um den exakten Zeitpunkt eines Zinsschrittes. So hat die EZB mit ihrer Forward Guidance ja ohnehin klargestellt, dass der Markt sich diesbezüglich noch mindestens bis zum Sommer nächsten Jahres gedulden muss. Nun können wir uns gerne darüber streiten, ob der erste Zinsschritt noch im Sommer, danach oder erst im Herbst erfolgt. Für die Euro-Wechselkurse ist das aber nicht kriegsentscheidend. Wichtig ist nur, dass die EZB an ihrem grundsätzlichen Plan festhält, ihre Geldpolitik zu normalisieren, sich der Markt also über kurz oder lang auf steigende Zinsen einstellen kann. Das erklärt auch, weswegen die Änderung der Forward Guidance im Juni die Gemeinschaftswährung letztlich nicht nachhaltig belasten konnte. Solange die EZB ihre Zinspläne nicht komplett begräbt, dürfte der Aufwertungstrend des Euro, der laut unseren Berechnungen mittlerweile seit Frühjahr letzten Jahres anhält, ungebrochen bleiben.
Schon viel interessanter waren gestern dagegen die Äußerungen von EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker bezüglich der Rolle des Euro als globale Leitwährung. Laut Juncker werde die Kommission bis Ende dieses Jahres Maßnahmen vorstellen, mit denen sie die Position des Euros im internationalen Zahlungsverkehr stärken will. Woher dieser Tatendrang rührt, liegt auf der Hand. Die zunehmend von der EU abweichende Außen- und insbesondere Sanktionspolitik der USA schürt den Wunsch nach mehr Unabhängigkeit. Das mag alles schön und gut sein. Nur, wie sich Juncker dies im Konkreten vorstellt, das ist völlig unklar. Welche Transaktionswährung verwendet wird, das ist in einem freien Markt schließlich immer noch die Entscheidung der einzelnen Unternehmen. So dominiert der US-Dollar im weltweiten Zahlungsverkehr nicht, weil die Unternehmen dazu gezwungen werden ihn zu verwenden, sondern, weil es effizient ist. Das heißt aber noch lange nicht, das Juncker seinen Wunsch begraben muss. Denn eine Bewegung weg vom US-Dollar zum Euro findet tatsächlich schon seit einer Weile statt. Laut den Daten von SWIFT lag der Anteil der US-Währung an den grenzüberschreitenden Transaktionen im Juli dieses Jahres bei 42,6% und der des Euros bei 36,7% – ein Unterschied von gerade einmal 6 Prozentpunkten. Es fehlt also nicht mehr viel, bis der Euro den Dollar eingeholt hat. Allerdings wird dies, wenn überhaupt, ganz ohne Zutun von Herrn Juncker passieren.
GBP: Auch die Bank of Englang-Sitzung dürfte heute ein Non-Event sein. Ein nächster Zinsschritt steht nicht vor März 2019 an. Der Fokus liegt ganz klar auf den Verhandlungen, die langsam in die heiße Phase gehen. Zuletzt waren vor allem von EU-Seite positive Töne zu hören und neuesten Gerüchten zufolge sei man bei dem Problem der irischen Grenze zunehmend bereit – hier vor allem auf der britischen Seite – einen Kompromiss einzugehen. Dabei würde es wohl darauf hinauslaufen, dass die Briten die Backstop-Lösung der EU mehr oder weniger akzeptieren, nach der Nordirland Teil des EU-Binnenmarktes bleiben würde und eine Grenze mit möglichst wenig Kontrollen zum Rest von Großbritannien bestehen würde. Ob die Tory-Regierung dies der nordirischen DUP, auf deren Stimmen sie angewiesen ist, verkaufen kann, bleibt fraglich. Die Wahrscheinlichkeit für eine Einigung hat sich damit etwas erhöht, doch würde ich als GBP-Investor auf der Hut bleiben.
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