USD, EUR: Der starke US-Arbeitsmarktbericht am Freitag hat die Fed-Zinserwartungen unterstützt und die Rendite 2-jähriger US-Treasuries auf ein neues Rekordhoch gehoben. Davon konnte auch der US Dollar profitieren– jedoch nicht gegenüber dem Euro. Zwei Faktoren stabilisieren momentan die Seitwärtsbewegung in EUR-USD: Auf der einen Seite (1) steht mit der morgigen EZB-Sitzung ein möglicherweise richtungsweisendes Event bevor. Die EZB wird aller Voraussicht nach das Ende ihrer Anleihekäufe zum Jahresende ankündigen. Darauf hat sie den Markt zwar umfangreich vorbereitet, weshalb die Entscheidung alleine kein Argument für EUR-Stärke ist. Doch hat sicherlich niemand vergessen, dass der US Dollar 2014 auch erst aufwertete, als das Ende der Fed-Anleihekäufe unmittelbar bevorstand, obwohl auch dieser Schritt gut vorbereitet war. Eine ähnliche Entwicklung ist für den Euro zwar unwahrscheinlich, da der Dollar damals auch davon profitiert hatte, dass die EZB zeitgleich mit der Normalisierung der US-Geldpolitik in die gegengesetzte Richtung einer ultraexpansiven Geldpolitik marschiert war. Kategorisch ausschließen möchte der Markt eine EUR-Rallye aber wohl auch noch nicht, zumal auf der anderen Seite (2) die flache US-Zinskurve darauf hindeutet, dass das langfristig weitere Aufwärtspotenzial für den US-Dollar von der geldpolitischen Seite begrenzt ist. EUR-Interessenten dürften also in den Startlöchern stehen, falls sich nach dem Ende der Anleihekäufe abzeichnen sollte, dass die Inflation sowie das realwirtschaftliche und politische Umfeld der EZB einen ähnlichen Zinserhöhungszyklus wie der Fed ermöglichen. Solange das nicht der Fall ist, aber auch noch nicht ausgeschlossen werden kann, ist keine Seite in EUR-USD sonderlich attraktiv, weshalb die Seitwärtsbewegung in EUR-USD erst einmal anhält.
GBP: Für mich als bekennender Schokoholic sind das gute Nachrichten: Die Schokoladenversorgung der Briten scheint auch im Falle eines No-Deal-Brexit erst einmal gesichert, nachdem ein namhafter britischer Hersteller Pläne für eine angemessene Lagerhaltung angekündigt hat. Dabei scheinen derzeit alle Verhandlungsseiten sehr bemüht zu versichern, dass man eine Einigung in den kommenden Wochen für machbar halte, die derartige Notfallpläne obsolet machen würde. Angeblich plant die EU bereits einen Sondergipfel Mitte November, bei der ein finales Brexit-Abkommen unterzeichnet werden soll. Angesichts derartiger Signale preisen auch die aktuellen GBP-Wechselkurse ein eher optimistisches Brexit-Szenario ein, bei dem sich die EU und Großbritannien so weit einigen werden, dass größere wirtschaftliche und juristische Verwerfungen beim Brexit verhindert werden können. Zwar gehen auch wir in unserem Basis-Szenario davon aus, dass ein No-Deal-Extremszenario vermieden wird. Doch ist es unsere Aufgabe als Devisenanalysten die Augen für die Risiken offenzuhalten. Und die sind weiter erheblich. So mögen beide Verhandlungsseiten eine Einigung in den nächsten Wochen für realistisch halten, eine realistische Lösung bei kritischen Fragen wie der zukünftigen Ausgestaltung der irischen Grenze zeichnet sich bisher jedoch noch nicht ab. Und auch innenpolitisch brodelt es weiter: So soll gestern Abend eine Gruppe von ca. 50 Brexit-Befürwortern innerhalb der Tories offen Szenarien für eine Amtsenthebung von Premierministerin Theresa May diskutiert haben. Der Weg hin zu einem finalen Brexit-Abkommen gleicht damit einem Minenfeld, weshalb wir eher für eine höhere Risikoprämie in den GBP-Wechselkursen plädieren. Der Optionsmarkt teilt unsere Skepsis: Die implizite Volatilität steigt seit einigen Wochen, auch wenn sie im historischen Vergleich noch immer niedrig ist. Wir sehen weiteres Potenzial auf der Oberseite, solange die verbleibenden Stolpersteine, innen- wie außenpolitisch, nicht aus dem Weg geräumt sind.
CAD: Das gestrige Treffen zwischen der kanadischen Außenministerin Chrystia Freeland und dem US Handelsbeauftragten Robert Lighthizer brachte zwar noch nicht den Durchbruch in den Handelsgesprächen zwischen den USA und Kanada. Dennoch profitierte der CAD von Berichten, nach denen Kanada bereit wäre den Milchsektor zum Teil der Verhandlungen zu machen, sowie der positiven Einschätzung von US Präsident Donald Trump, dass die Gespräche „sehr gut“ verliefen. Doch die Uhr tickt. Bis Ende September muss eine Einigung erzielt werden, um eine reibungslose Beteiligung Kanadas an dem zwischen den USA und Mexiko ausgehandelten NAFTA-Kompromiss zu ermöglichen. Zwar sind selbst Experten unsicher, was im Falle eines Scheiterns passieren würde, da das NAFTA-Abkommen erst einmal bestehen bleibt. Die Unsicherheit darüber, ob Trump NAFTA aufkündigen und der Kongress und Mexiko ein rein bilaterales Abkommen zwischen den USA und Mexiko wirklich verhindern würden, dürfte jedoch eine erhebliche CAD-Risikoprämie rechtfertigen. Freeland betonte nach ihrem Gespräch mit Lighthizer zwar den guten Willen auf beiden Seiten, warnte aber: “Es ist eine Binsenweisheit der Handelsverhandlungen, dass nichts geregelt ist, bis alles geregelt ist.” Und genau das gilt eben auch mit Blick auf den CAD.
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