EUR, USD: Der Euro konnte in den letzten Tagen deutlich aufholen (Abb. 1 in der pdf-Version). Und das, obwohl zahlreiche positive Nachrichten den US Dollar eigentlich stützen sollten: Der Aktienmarkt boomt, das Verbrauchervertrauen nähert sich den Höchstständen der Jahrtausendwende und die heutige Revision der BIP Daten für das 2. Quartal dürften ein starkes Wachstum von annualisiert um die 4% bestätigen. Selbst auf Seiten der Fed gibt es gute Nachrichten, wurde mit Richard Clarida doch ein Experte als neuer Vize-Chair vom Senat bestätigt, der allgemein als kompetent angesehen wird und Fed Chair Jerome Powells Kurs gradueller Zinserhöhungen unterstützen wird. Trotzdem konnte der Dollar außer an den Tagen der Lira-Krise, wo er als sicherer Hafen gefragt war, nicht mehr zulegen. Woran liegt das?
Immer wieder wird auf die drohende Inversion der Zinskurve verwiesen (Abb. 2 in der pdf-Version), die viele wie schon 2000 und 2006/2007 als Vorbote einer Rezession sehen. Nun ist in unseren Augen die aktuelle Inversion nicht zwangsläufig ein Rezessionssignal, bei dem angesichts einer drohenden Konjunkturabkühlung mittel- bis langfristig Zinssenkungen erwartet werden, sondern Konsequenz der gegenwärtigen Geldpolitik: Die ungewöhnlich träge Inflationsdynamik und die Unsicherheit über das Niveau des neutralen Zinses sorgt dafür, dass das lange Ende der Zinskurve trotz Zinserhöhungen niedrig bleibt; In etwa auf dem Niveau, wo die Fed den neutralen Zins sieht. Doch auch wenn die flache Zinskurve keine Rezession signalisiert, bedeutet sie meiner Ansicht nach, dass der Dollar mittelfristig unattraktiver wird. Denn viel mehr als für das kurze Ende bereits eingepreist ist, kommt auch nicht.
Anders könnte es dagegen im Euroraum aussehen. Die EZB steht gerade erst am Anfang vom Ende der unkonventionellen Geldpolitik. Wenn die EZB tatsächlich eine aussagekräftige Zinsnormalisierung anstrebt, unterstützt das ein attraktives Chance-Risiko-Profil des Euros. Auf der Juni-Sitzung hatte es angesichts des breiten Spielraums, den die Forward Guidance der EZB mit Blick auf den Zeitpunkt einer ersten Zinserhöhung gelassen hatte, noch nicht danach ausgesehen. Doch die zunehmenden Anzeichen eines stärkeren Lohnanstieges, der dann auf den unterliegenden Preisdruck durchschlagen könnte, haben aus Sicht des Marktes die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass die EZB vielleicht doch schneller als erwartet die Zinsen normalisieren könnte. Da für den einzelnen Marktteilnehmer vor allem entscheidend ist, den Zeitpunkt nicht zu verpassen, an dem alle anderen die Wahrscheinlichkeit für eine aggressivere EZB als hoch genug ansehen, um den Euro zu kaufen, können eben schon kleine Änderungen des Marktumfeldes eine EUR-Rallye auslösen.
Rechtline Hinweise: Bitte beachten Sie die rechtlichen Hinweise
Bitte beachten Sie zusätzlich den wichtigen Hinweis zu allen abgebildeten Charts und Kursverläufen: Frühere Wertentwicklungen sind kein Indikator für die künftige Wertentwicklung.Bei den hier dargestellten Inhalten handelt es sich um fremde Inhalte. Für diese fremden Inhalte ist ausschließlich der jeweilige Eingeber verantwortlich. Eine inhaltliche, redaktionelle Überprüfung durch die DZB Media GmbH erfolgt ausdrücklich nicht. Bitte beachten Sie in diesem Zusammenhang ergänzend den Haftungsausschluss unter https://www.zertifikateberater.de/impressum.
Sollte ein hier durch einen Eingeber distribuierter Inhalt aus Ihrer Sicht gegen geltendes Recht verstoßen, schicken Sie bitte eine Email an nc. Der gemeldete Inhalt wird umgehend überprüft und ggf. gesperrt.