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09.08.18, 10:17

Brexit und Sandwiches

GBP: Das Pfund setzte gestern seinen Abwertungstrend fort. Die Ursache für die Bewegung ist klar die zunehmende Sorge am Markt, dass Großbritannien ohne ein Abkommen aus der EU („No Deal Brexit“) austreten wird. Dies ist insbesondere am Optionsmarkt ablesbar, wo sich Absicherungen gegen einen Pfund-Absturz weiter verteuert haben (Abb. 1 im pdf-Dokument) – wobei die Preise noch immer weit von den 2016-Hochs entfernt sind. Besorgniserregend an der gestrigen Bewegung ist, dass es keinen ersichtlichen Auslöser gab, was für mich ein Warnzeichen dafür ist, dass die Pfund-Schwäche bereits eine gewisse Eigendynamik entwickelt haben könnte. In solch einem Fall wäre mit einer Beschleunigung der Abwertungsbewegung zu rechnen, genau das Worst-Case-Pfund-Szenario, wovor wir schon seit dem Brexit-Referendum immer gewarnt haben. Denn für den einzelnen Investor ist es an diesem Punkt nicht mehr entscheidend, ob er selber noch an eine gütliche Einigung zwischen London und Brüssel glaubt, sondern was er denkt, was alle anderen erwarten – zumindest wenn er verhindern will, dass er der Letzte ist, der seine GBP-Anlagen (dann zu noch viel niedrigeren Preisen) abstößt. Die Tatsache, dass Großbritannien hohe Leistungsbilanzdefizite fährt (Abb. 2 im pdf-Dokument), und damit laufend Kapitalimporte benötigt, um diese zu finanzieren, verschärft diese Situation zweifellos. Schließlich wäre bei einem Ausbleiben der Kapitalzuflüsse oder gar einer Kapitalflucht mit einer Anpassung der Leistungsbilanz zu rechnen, die für die Wirtschaft nun einmal schmerzhafter ausfällt je höher der Bedarf an Kapital ist. Eine schwere Wirtschaftskrise wäre die Folge.

Ich höre in diesem Zusammenhang oft das Argument, dass die schwache Währung den Exportsektor und damit die Wirtschaft doch stützen würde. Dem stimme ich ohne Frage zu. Das Problem aber ist, dass sich dieser positive Effekt auf die Handelsströme in der Regel nur langsam entfaltet. Im ersten Moment dürfte die Abwertung in erster Linie Importe verteuern. Ehrlich gesagt bin ich aber auch kein Freund von den aktuell in den Medien kursierenden Horrorszenarien, die aufgrund der Abhängigkeit Großbritanniens von Lebensmittelimporten aus der EU das Ende des  “britischen Sandwiches” oder gar den Hungertod der britischen Bevölkerung voraussagen. Das ist mir dann doch etwas zu dramatisch. Wird die Inflation steigen? Definitiv. Kann es zu Knappheit bei gewissen Importen kommen? Sicherlich. Das hängt einerseits davon ab, wie stark einzelne Lieferketten von einem plötzlichen Abbruch des Freihandels getroffen werden und andererseits davon, wie heftig die Abwertung des Pfunds ausfällt. Und das wiederum hängt sehr stark davon ab, wie entschieden die Bank of England auf eine drohende Kapitalflucht mittels Zinserhöhungen reagieren würde.

Eines noch: Ja, sowohl das UK als auch die EU-27 hätten bei einem „No Deal Brexit“ einiges zu verlieren und daher mag es auch richtig sein, dass der Markt insgesamt noch an eine Einigung glaubt. Doch der Behauptung, dass ein solches Szenario schmerzhafter für die EU wäre als für das UK, stimme ich nicht zu. Allein die Tatsache, dass das Pfund unter Druck steht, der Euro aber keinen Deut, spricht dafür, dass ich nicht alleine mit dieser Meinung bin.

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