JPY: Wir waren sofort der Meinung, dass die letzte Woche von der Bank of Japan vorge-nommenen Anpassungen der japanischen Geldpolitik einer Kapitulation der BoJ gleich-kommen. Inzwischen sind Berichte bekannt geworden, dass die BoJ bereits zweimal in diesem Jahr Zinserhöhungen ins Auge gefasst hat. Das bestätigt unsere Befürchtung, dass die Flexibilisierung des Zinskurvenziels nichts anderes war als der Anfang vom Ende der ultraexpansiven japanischen Geldpolitik (hierzu folgt heute noch ein Hotspot). Zusätzliche Nahrung erhält diese Interpretation durch die Lektüre der heute veröffentlichten “Summary of Opinions”– einer Übersicht über die auf der letzten geldpolitischen Sitzung geäußerten Meinungen der BoJ-Board-Mitglieder. Mehrfach wird darin angesprochen, dass der geldpolitische Rahmen gestärkt werden muss, damit die BoJ länger an ihrer lockeren Geldpolitik festhalten kann. Dazu sieht sie sich gezwungen, weil die Inflation allen Bemühungen zum Trotz noch lange nicht auch nur in der Nähe des 2%-Inflationsziels verankert werden konnte.
So weit, so richtig. Das Problem: Die BoJ-Mitglieder sehen die Flexibilisierung ihrer Geldpolitik (sowohl des Renditeziels als auch der Anleihekaufvolumen) als den Heilsbringer, der ein dauerhaftes Festhalten an der lockeren Geldpolitik erlauben soll. Implizit bedeutet das aber: Höhere Zinsen und niedrigere Anleihekäufe, also eine Straffung der Geldpolitik. So hat ein Board-Mitglied bereits eine breitere Schwankungsbreite für das Renditeziel zwischen +/ 0,25% gefordert. Dabei wird klar geäußert, dass dies vor allem zu einem Anstieg der Rendite führen dürfte, die beidseitige Flexibilität also Augenwischerei ist. Auch wenn ein anderes Mitglied klar davor warnt, dass eine Anpassung der Geldpolitik, die einen Anstieg der langfristigen Renditen zulässt, eher zu einer trägen Preisdynamik beitragen könnte, hat sich die BoJ genau dazu entschieden. Damit mehren sich die Anzeichen, dass die BoJ selbst den Glauben an die Re-Inflationierung – also das Anheben der Inflationsrate auf 2% – verloren hat. Vielmehr konzentriert sie sich darauf, die Nebenwirkungen ihrer lockeren Geldpolitik insbesondere für den Finanzsektor zu reduzieren. Die Chance, dass die Inflation in Japan jemals nachhaltig bei 2% verankert werden kann, dürfte damit wieder deutlich sinken. Das allein schon spricht für stärkeren Yen, da andere Volkswirtschaften zunehmend Erfolge bei der Rückkehr zu einer gesunden Inflationsdynamik verzeichnen können. Gepaart mit der Aussicht, dass die BoJ ihre Geldpolitik zukünftig eher noch weiter straffen (bzw. nach-haltiger machen) als lockern wird, steht einer Yen-Aufwertung eigentlich nichts mehr im Wege. Ich bin ehrlich gesagt überrascht, dass wir diese noch nicht sehen.
AUD: Die RBA ist das Paradebeispiel einer Zentralbank, die dem Markt erfolgreich klar gemacht hat, dass sie unabhängig von der Datenlage Zinserhöhungen erst ins Auge fassen wird, wenn auch wirklich alles passt. Anders ist kaum zu erklären, warum der Markt eine Zinserhöhung bis Jahresende mit einer Wahrscheinlichkeit nahe 0% einpreist. Die Inflation liegt mit 2,1% zwar am unteren Ende des Zielbereichs der RBA von 2-3%, doch der schwächere australische Dollar und die gute Wachstumsdynamik nahe 3% bilden einen vielversprechenden Rahmen für einen weiteren Anstieg in die Mitte des Zielbereichs. Trotzdem hat die RBA es nicht eilig, erste Zinserhöhungen zu signalisieren. Das wurde bereits bei der gestrigen Zinsentscheidung deutlich, aber auch heute noch einmal von RBA-Gouverneur Philip Lowe bestätigt, der kurzfristig kein starkes Argument für eine Zinserhöhung sieht. Er hofft aber, irgendwann in seiner Amtszeit, die im September 2023 endet, die Zinsen anheben zu können. Angesichts der ordentlichen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen glauben wir, dass dafür schon deutlich früher Raum ist, als es der Markt derzeit einpreist. Zumindest dürfte die RBA in den nächsten Monaten eine falkenhaftere Grundhaltung einnehmen, wenn der Handelskrieg das Wachstum in China, dem wichtigsten Handelspartner Australiens, nicht deutlich stärker als erwartet belastet. Wir sehen also nach wie vor Aufwärtspotenzial im Aussie. Die nächste Gelegenheit, unseren Ausblick zu überprüfen, bietet sich am Freitag, wenn die RBA ihren vierteljährlichen geldpolitischen Bericht veröffentlicht.
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