USD: In seiner neuesten Twitter-Triade und seinen jüngsten Auftritten vor Anhängern lässt der US-Präsident so etwas wie eine „Strategie“ seiner Handelskriegs-Politik durchblicken. Wie zu erwarten: ein Abgrund von Vulgär-Merkantilismus. So freut er sich u.a. über einen schwachen chinesischen Aktienmarkt. Als ob das ein positives Signal für die US-Ökonomie wäre. Schlimmer noch: Indem er den Zolleinkünften eine entscheidende Rolle in der Fiskalpolitik zuordnet, macht der US-Präsident deutlich, dass sein „harter Kurs“ nicht das Ziel hat, letztendlich eine halbwegs gütliche Lösung zu erzwingen. Der Handelskrieg wird bleiben, egal wie nachgiebig die chinesische Seite agiert. Denn er ist Mittel zu einem ganz anderen Zweck: dazu, seine Anhängerschaft einzupeitschen.
Umso relevanter wird die Frage nach den Konsequenzen für die USD-Wechselkurse. In USD-CNY ist die Reaktion schon sichtbar geworden. Zwar lehnt sich Chinas Regime zu-nehmend deutlicher gegen den CNY-Abwertungstrend (siehe unten), doch wird dabei höchstens eine Stabilisierung des Renminbi herauskommen, keine Erholung. Und was ist mit den USD-Wechselkursen gegenüber Drittwährungen? Jüngst hat der Greenback wieder zulegen können, doch anders als EUR-USD nahelegt, gilt für die US-Währung insgesamt (d.h. ohne EUR-spezifische Effekte): er befindet sich weiterhin in einer Seitwärts-Bewegung. Der Devisenmarkt ist somit noch unentschlossen, ob und was er aus dem US-Handelskrieg gegen den Rest der Welt machen soll. Treue Leser kennen meine Sicht: Solange die Fed
• auf höhere Inflation (die aus der Verteuerung der Importe resultiert) und
• auf weiteres Heißlaufen der US-Konjunktur (aufgrund der Substitution der Importe durch heimische Produktion)
„normal“ reagiert, d.h. den Leitzins wahrscheinlicher bzw. stärker anhebt, ist der US-Handelskrieg USD-positiv. Daher finde ich die jetzigen EUR-USD-Niveaus angemessener als Werte im mittleren 1,17er-Bereich.
GBP: Die Hoffnung stirbt zuletzt. So lese ich heute bei den GBP-Bullen, sie würden auf starke UK-Daten im Verlauf der Woche hoffen (wohl vor allem Juni-Industrieproduktion und Q2-BIP am Freitag), damit das Pfund endlich aus der „Brexit-Flaute“ herausgerissen würde. Tja, kann sein, dass der Devisenmarkt sich wieder stärker auf die aktuellen Wirtschaftsdaten konzentriert und das Brexit-Risiko mal wieder ignoriert. Doch würde ich das (1.) als Marktversagen ansehen. Ein wohlfunktionierender Devisenmarkt sollte vorausschauend agieren, gerade angesichts eines globalen Niedrigzinsumfeldes, das auch fernen Events einen hohen (abgezinsten) Gegenwartswert beimessen sollte. Und (2.) werden regelmäßige Leser wissen, dass ich es schon immer für eine Schnapsidee gehalten habe, dass UK aus der Europäischen Union austritt. Weil ich die Versprechen der Brexiteers, UK würde außerhalb der EU „einen Wohlstand erleben, wie wir ihn uns heute gar nicht vorstellen können“, für Unsinn halte, sondern im Gegenteil die Risiken der UK-Zahlungsbilanz betone, sehe ich die Frage der Details des Brexit als relevant für die GBP-Wechselkurse an und nicht als Füllthema für’s Sommerloch.
Im Übrigen halte ich es für unwahrscheinlich, dass sich der Devisenmarkt wieder auf die UK-Daten konzentriert und das Brexit-Risiko erneut ignoriert. Dazu ist (a) die Zeit, die für eine gütliche Einigung verbleibt, zu gering. Und es werden (b) die Stimmen immer schriller, die einen „harten“ Brexit prognostizieren. Jüngstes und prominentestes Beispiel ist Handelsminister Liam Fox, der die Wahrscheinlichkeit für solch ein Szenario bei 60% veranschlagt. Zugegeben, hier dürfte großenteils der Wunsch der Vater des Gedankens gewesen sein. Fox ist begeisterter Brexit-Befürworter. Doch ist das ja gerade das Problem: dass immer noch ein erheblicher Teil von Mays Kabinetts und ein großer Teil ihrer Partei keinen „weichen“ Brexit will, sondern weiterhin dem Traum von unvorstellbarem Wohlstand anhängt (der ja auch erst widerlegt wird, wenn’s zu spät ist). So langsam dämmert dem Devisenmarkt, dass diese Leute eine konstruktive Lösung erfolgreich torpedieren könnten.
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