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25.07.18, 10:11

Nichts verpasst

EUR: Nach drei Wochen Urlaub scheine ich nichts verpasst zu haben. EUR-USD dümpelt weiterhin in einer Seitwärts-Range – trotz immer deutlicherer Gefahr eines Handelskrieges, trotz weiterer Erodierung der Welt-Nachkriegsordnung (z.B: Gilt das Beistandsversprechen der NATO-Partner noch?) und trotz ordnungspolitischer Entgleisungen des US-Präsidenten (meine Kolleginnen kommentierten vieles von dem). Alles egal für die Währungen? Mir scheint, dass Wechselkursentwicklungen – insbesondere die von hoch liquiden Währungspaaren wie EUR-USD – immer mehr zwischen zwei Extremen schwanken: entweder stur seitwärts, egal, was um sie herum in der Welt passiert, oder wie an der Schnur gezogen einem Trend folgend (als Statistiker muss ich sagen: „einem deterministischen Trend folgend“, aber dieses Detail können Nicht-Statistiker getrost überlesen). In EUR-USD war H2/2014 die Mutter aller Trend-Phasen, jüngst der Zeitraum von Mitte April bis Ende Mai. Und jetzt sind wir halt im Seitwärts-Zustand. Als Ökonom überrascht mich das. Ein effizienter Markt sollte Neuigkeiten gleichmäßig gewichten. Ja, FX-relevante Neuigkeiten entstehen nicht mit konstanter Intensität, aber es erscheint mir sehr unplausibel, dass sie auf solch seltsame Weise entstehen, dass in einem effizienten Markt dieses Muster zu rechtfertigen wäre. Die Folge sind komische Situationen. Ein Beispiel: Gemessen an der täglichen (realisierten) Volatilität schwankt EUR-USD seit Anfang Juni mit 7,7% (annualisiert). Dennoch notiert der Kurs seitdem in einer 3,5-Cent-Range. Im Vergleich dazu betrug die tägliche (realisierte) Volatilität in der letzten Abwärtsphase nur 5,5%, EUR-USD fiel damals aber in kaum mehr als einem Monat um 8 Cent. Ich möchte nicht derjenige sein, der in solchen Phasen Optionsstrategien designen muss.

Wenn Sie erwarten, dass ich eine Erklärung für das seltsame Marktphänomen habe, muss ich Sie enttäuschen. Ich habe lediglich einen Verdacht. Seit einigen Jahren sehen wir, dass die Liquidität am FX-Markt wird immer weniger von Banken angeboten wird und immer mehr von anderen Akteuren am Finanzmarkt. Der halbjährige Bericht der Bank of England zum Devisenmarkt im Vereinigten Königreich (dem wichtigsten Handelsort für FX) bestätigt das in seiner jüngsten Ausgabe. Vielleicht ist diese neue Struktur des Marktes nicht mehr geeignet, Informationen gleichmäßig zu bearbeiten. Wenn mehr und mehr der Liquiditätsanbieter kurzfristig orientierte Trendfolger sind und immer weniger fundamental orientiert agieren, kann das passieren.

Die gegenwärtige Seitwärts-Phase sollte End-Nutzer des Devisenmarktes nicht dazu verleiten, die Hände in den Schoß zu legen und Wechselkursrisiken zu ignorieren. Der nächste Trend kommt bestimmt. Nur wann und vor allem: in welche Richtung? Aus fundamentaler Sicht erwarten wir ihn nach oben. Zugegeben, manchmal tickt der Markt nicht fundamental. So wie im letzten Dezember und Januar. Oder wie im Herbst 2016 nach der US-Wahl. Ich kann also keineswegs ausschließen, dass es zunächst anders kommt. Das Schöne aber ist: Allzu lange kann der Devisenmarkt ökonomische Realitäten nicht ignorieren. Daher kommt – falls Trendphasen EUR-USD in ungerechtfertigte Terrains tragen – recht schnell eine Korrektur. Wie zuletzt im April/Mai. Und weil das alles so spannend ist, freue ich mich, jetzt wieder an meinem Arbeitsplatz zu sitzen – so schön der Urlaub auch war.

Produktidee: BEST Turbo-Optionsscheine
WKN Typ Basiswert Merkmale
CV33R3 Call EUR/USD Hebel: 15,3
CV8XA3 Put EUR/USD Hebel: 14,7

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