GBP: Hat Premierministerin Theresa May gemäß dem Schlachtruf der Brexit-Befürworter, „Take back control!“, die Kontrolle wiedergewonnen oder vollkommen verloren? Auch der Markt scheint zwischen diesen beiden möglichen Interpretationen der gestrigen Kündigungswelle hin- und hergerissen. Nachdem Brexit-Minister David Davis in der Nacht auf Montag den Anfang gemacht hatte, zog Außenminister Boris Johnson nach und trat am Nachmittag zurück. Es hat ganz den Anschein als verlassen die Brexit-Hardliner das sinkende „harter Brexit“-Schiff. Grundsätzlich ist diese Entwicklung erst einmal positiv für das Pfund, da es die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass May ihre (neu besetzte) Regierung hinter dem am Freitag in Chequers ausgehandelten Kompromiss zur Ausgestaltung des Brexit vereinigen kann. Dieser sieht insbesondere im Warenhandel auch zukünftig eine enge Bindung an die EU vor und akzeptiert die damit verbundene Notwendigkeit rechtlicher und regulatorischer Harmonisierung sowie der Auslegung der dafür notwendigen Regeln durch den Europäischen Gerichtshof. Ein derartiges Abkommen – so es denn mit der EU zustande kommt – dürfte die Unsicherheit für Exporteure dämpfen und Investoren beruhigen. Grundsätzlich gehen wir davon aus, dass die im Chequers-Kompromiss gegebenen Zugeständnisse und der damit wahrscheinlichere weichere Brexit positiv für das Pfund sind.
Das gilt natürlich nur, wenn May tatsächlich in der Lage ist, die Verhandlungen mit der EU auch erfolgreich zu Ende zu bringen. Und genau das ist der Knackpunkt, der das Pfund nach dem Rücktritt Johnsons belastet hat. Der Markt befürchtet, dass die gestrigen Rücktritte Anzeichen einer größeren Instabilität der britischen Regierung sein könnten. Doch dafür sehen wir eigentlich wenige Anzeichen. Davis hat explizit zu verstehen gegeben, dass er May in ihrer Rolle als Premierministerin nicht herauszufordern gedenkt und derzeit scheint es innerhalb der Partei keine ernsthaften Bestrebungen für ein Misstrauensvotum gegen May zu geben. Unser UK-Analyst Peter Dixon geht davon aus, dass die Befürworter eines härteren Brexits nicht genug Stimmen haben, um May zu stürzen. Das spräche dafür, dass die Verluste im Pfund wieder korrigiert werden – solange die EU mitspielt. Denn einige Punkte im Chequers-Kompromiss geben immer noch den Anschein, dass Großbritannien versucht, sich die EU-Rosinen herauszupicken. Genauere Details dazu erhoffen wir uns vom White Paper der britischen Regierung, das am Donnerstag veröffentlicht werden soll. Bis dahin müssen wir und die EU uns wohl noch gedulden, um abschätzen zu können, wie wahrscheinlich auf Grundlage dessen eine Einigung zwischen der EU und Großbritannien ist und wie die Beziehungen nach dem Brexit genau aussehen könnten.
JPY, CHF, EMs: Am Markt überwiegt derzeit die Hoffnung auf eine Entspannung im Handelskrieg. Davon profitieren Emerging-Market-Währungen, während die sicheren Häfen Franken und Yen weniger gefragt sind. Genährt wird diese Hoffnung jedoch wohl allein dadurch, dass die Einführung der US-Zölle auf chinesische Importe nicht unmittelbar zu einer weiteren Eskalation geführt hat. Das ist ein wackliges Fundament für Risk-On-Stimmung. Auch wenn sich China derzeit eher um eine deeskalierende Haltung zu bemühen scheint (s. u.), kann die nächste Verschärfung im Handelskrieg nur einen Tweet entfernt sein. Wir gehen nicht davon aus, dass das Thema Handelskrieg für den Markt dauerhaft gegessen ist.
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