EUR-USD: Der deutsche Sommeralptraum 2018 scheint vorbei. Denn die beiden Unionsparteien haben sich auf einen Kompromiss im Einwanderungsstreit geeinigt. Ein großes Aber bleibt noch die mögliche Ablehnung des Kompromisses durch die Koalitionspartei SPD. Doch ich hoffe, dass uns jetzt weitere Querelen erspart bleiben. Das Schlimmste – ein Bruch der Regierung und Neuwahlen – wurde vermieden. Damit kann der Euro etwas aufatmen. Wir haben jedoch immer betont, dass derart existenzielle Krisen in der deutschen Politiklandschaft zwar ein Novum sind, Deutschland in Sachen Eurozone und Gemeinschaftswährung aber stets ein Fels in der Brandung bleibt. Denn auch eine neue Bundesregierung hätte „festgemauert in der Erden“ zugunsten des Euro und eines gemeinsamen Europas gestanden, so dass der Euro zu keinem Zeitpunkt in Gefahr war oder ist. Deshalb mag der Markt ruhig seinen Unbill oder seine Erleichterung über das politische Hickhack in „Schland“ in kleineren Ausschlägen im Euro zeigen, aber eben in Maßen. Nach dem Sommeralptraum-Intermezzo in Deutschland kann sich der Markt jetzt wieder dem globalen Handelsstreit zuwenden. Europäische Vertreter sollen diesen Monat nach Washington fliegen, um über die drohenden Zölle auf Autos und Autoteile zu verhandeln. Derweil nimmt US-Präsident Trump die WTO ins Visier, die „die USA immer sehr schlecht behandelt hat“. Dass die Welthandelsordnung zukünftig so, wie wir sie kennen, wohl nicht weiter Bestand haben wird, ist mittlerweile klar. Aus Sicht Trumps mag es sogar sinnvoll sein, die WTO an sich in Frage zu stellen und in letzter Konsequenz auszutreten, worunter wohl die Emerging Markets im Besonderen zu leiden hätten. In EUR-USD steht jedoch unterm Strich ungeachtet aller neuer Meldungen zum Handelsstreit die Erkenntnis, dass die Fed angesichts der soliden Wirtschaftsaktivität und möglichen Preissteigerungen durch Importzölle auf Kurs bleiben wird, wohingegen die EZB erste Zinserhöhungen in die ferne Zukunft verschoben hat. Damit sind Kurse im Bereich von 1,16 in EUR-USD für uns ohne nennenswerte neue Impulse auf absehbare Zeit auch gerechtfertigt.
GBP: Miteinander verhandeln die Briten fleißig, nur mit der EU nicht. Nachdem Theresa May auf dem EU-Gipfel letztes Wochenende nicht viel zu sagen hatte und auch nicht im Mittelpunkt stand, wird sie sich mit ihrem gesamten Kabinett am Freitag auf ihrem Landsitz treffen, um endlich das angekündigte „White Paper“ zu finalisieren. Es geht darum, endlich eine Lösung zur Irlandfrage zu finden (angeblich gibt es sogar eine bislang unbekannte dritte Lösung). Aber eigentlich wird um eine generelle gemeinsame Haltung der britischen Regierung zum Brexit – hart, mittelhart, mittelweich, weich – gerungen, damit man der EU wenigstens etwas vorlegen kann, worüber man verhandeln kann. Einfach wird es für May sicherlich nicht werden, am Freitag alle Minister auf eine gemeinsame Linie einzuschwören, aber vielleicht hilft ja die frische Landluft, die Gemüter zu kühlen. Nächste Woche wissen wir und die EU hoffentlich mehr. Bringt das ersehnte White Paper nicht die erwünschten Details, wird das Pfund erneut eins auf die Mütze bekommen.
SEK: Solide Wirtschaft hin oder her – die Riksbank wird heute wohl noch nicht von ihrer vorsichtigen Haltung abrücken. Im April hatte sie eine erste Zinserhöhung wieder zeitlich nach hinten verschoben. Der unterliegende Trend blieb nach ihrem Geschmack damals immer noch zu schwach. Eine zu niedrige Inflation, so die Riksbank im April, sei beim aktuellen Zinsniveau schwerer zu managen als eine zu hohe Inflation. Außerdem habe es eines sehr langen Zeitraums und einer sehr expansiven Geldpolitik bedurft, um die Inflation und die Inflationserwartungen überhaupt wieder nach oben zu treiben. Zwar sehen die Gesamtrate und auch die Rate mit konstanten Hypothekenzinsen eigentlich gar nicht so schlecht aus, was einige Zentralbankmitglieder dazu veranlasst hat, sich jüngst etwas positiver über die Inflationsentwicklung zu äußern. Aber der Anstieg ist in erster Linie den höheren Energiepreisen geschuldet. Die Riksbank kann sich also noch nicht zurücklehnen. Ein Lichtblick ist die schwache Krone, die mittelfristig für Inflationsdruck sorgen könnte und zumindest kein zusätzlicher Belastungsfaktor für die Preisentwicklung ist. Aber allein auf den Wechselkurs kann und will sich die Riksbank sicher nicht verlassen. Deshalb ist es unseres Erachtens heute noch zu früh für einen deutlichen Schwenk zugunsten einer baldigen Zinserhöhung, trotz der jüngsten Kommentare einiger Ratsmitglieder zur Inflationsentwicklung. Plante die Riksbank eine Zinserhöhung wirklich schon im September oder Oktober, müsste sie sich bereits heute deutlich zuversichtlicher anhören, um den Markt rechtzeitig auf den Schritt vorzubereiten, ohne eine massive, unerwünschte Aufwertung der SEK zu riskieren. Macht sie den Schwenk heute wirklich schon, wird die SEK eine kräftige Aufwärtsbewegung sehen. Wir gehen aber weiterhin davon aus, dass ein erster Zinsschritt erst im Dezember erfolgen wird und sich die Riksbank daher heute noch zurückhaltend und nur geringfügig zuversichtlicher als zuvor äußern wird. Für die SEK ist das Aufwertungspotential unseres Erachtens heute deshalb begrenzt.
AUD: Die Reserve Bank of Australia (RBA) lässt den Leitzins bei 1,50% und behält ihre neutrale Haltung bei. Dabei hört sie sich ausgesprochen positiv zur heimischen Wirtschaft an, sieht aber die Unsicherheit für die Weltwirtschaft aufgrund des Handelskonflikts – schließlich wäre ein Wachstumseinbruch in China ein Dämpfer für die australische Wirt-schaft. Die Inflation liegt noch unter dem Zielband, aber das beunruhigt die RBA nicht. Denn Notenbankchef Philip Lowe ist sowieso der Ansicht, die RBA habe nicht nur als Ziel die Preisstabilität und Vollbeschäftigung, sondern ebenso den Wohlstand der Bevölkerung. Er meint, nicht unbedingt mit aller Kraft das Inflationsziel durch expansive Geldpolitik erreichen zu müssen – vor allem, wenn sich der Arbeitsmarkt sowieso verbessert -, wenn letztlich das Inflationsziel dann mit steigender Verschuldung erkauft wird. Im Sinne des Wohlstands der Bevölkerung macht es laut Lowe daher Sinn, geduldig zu sein und eine etwas unter dem Ziel liegende Inflation zu akzeptieren. In diesem Sinne kann und wird die RBA auch auf absehbare Zeit erst einmal weiterhin an ihrer neutralen Haltung festhalten. Von Seiten der Geldpolitik erhält der AUD daher erst einmal keine neuen Impulse.
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