EUR: Fällt Ihnen etwas auf? Geldpolitik ist in den Hintergrund gerutscht. Die nächste Fed-Sitzung ist erst wieder Anfang August, der EZB-Rat setzt sich am 26. Juli wieder zusammen. Aussagen zur Geldpolitik von Entscheidungsträgern sind derzeit eher Mangelware, als wäre schon alles gesagt. Ist es sicherlich nicht, aber viele Zentralbankvertreter scheinen sich in die Sommerpause begeben zu haben und nur noch vereinzelt aufs Podium oder ans Mikrophon zu treten. Und selbst wenn Kommentare kommen, ist das Interesse des Markts begrenzt. Denn dessen neue Spielwiese ist momentan sowieso der drohende globale Handelskrieg. Nun ist aber auch hier ansatzweise Entspannung zu erkennen, da es wohl gerade zwischen den USA und China doch nicht zum Äußersten kommt. Bleiben die EU und der EU-Gipfel als Brennpunkt. Angesichts der zähen Verhandlungen auf dem Gipfel ist klar: der Zwist innerhalb der EU wird größer und damit Macrons Vision eines stärker zusammenrückenden Europas immer mehr zur Fata Morgana. Zwar ist eine Einigung zur Migrationspolitik gefunden, so dass Erleichterung am Markt zu spüren ist, sichtbar am Sprung im Euro heute früh. Trotzdem: das politische Argument, das nach Macrons Wahl für Euphorie im Euro gesorgt hat, wird immer schwächer und kann den Euro nicht mehr nachhaltig unterstützen. Im Gegenteil: Streit innerhalb der EU und der Eurozone kann ihn mittlerweile belasten. Und den wird es wohl immer wieder geben. Gute Gründe für einen deutlich stärkeren Euro sind daher nur schwer zu finden.
GBP: Ich fürchte, die britische Delegation wird sich auf dem EU-Gipfel als Hinterbänkler fühlen. Denn das große Thema dort war gestern der Streit um eine gemeinsame Einwanderungspolitik, nicht der Brexit, über den heute gesprochen wird. Da die britische Regierung aber sowieso noch keine Lösung zum Problem „irische Grenze“ vorlegen kann, gibt es auch eigentlich nicht viel, worüber man sich heute unterhalten könnte. Es ist ja noch schließlich bis Oktober Zeit, denkt sich möglicherweise die britische Seite. Und vielleicht ist es ja auch mal ganz angenehm, nicht immer selbst wegen der Innenpolitik am Pranger zu stehen, sondern diese heiße Kartoffel zumindest für kurze Zeit an Berlin weitergegeben zu haben. Die Hoffnung auf „aus den Augen, aus dem Sinn“ würde ich mir an Stelle der britischen Regierung aber nicht machen. Der Markt wird sicherlich bald wieder auf das Thema Brexit aufspringen. Und irgendwie taucht immer öfter das Wort „No Deal“ im Newsflow auf. Der Markt zumindest glaubt nicht mehr an eine Lösung heute, weshalb das Pfund bereits gestern unter Druck geriet. Und diese Reaktion zeigt, dass immer noch erhebliches Enttäuschungs- und damit Abwärtspotential für das Pfund vorhanden ist.
CAD: Die Argumente für eine Zinserhöhung der Bank of Canada (BoC) in zwei Wochen sind nicht wegzudiskutieren. Die Inflationszahlen für Mai brachten den Markt letzte Woche Freitag zwar kurz aus der Contenance, da sie etwas schwächer ausfielen als erwartet, so dass der CAD kurzzeitig nachgab. Aber die Gesamtinflation sowie die verschiedenen Maße der Kerninflation liegen komfortabel in der Mitte des Zielbands der BoC, und auch der Inflationstrend lässt nicht viel zu wünschen übrig. Die Arbeitslosenquote befindet sich auf historischen Tiefs und die Unternehmensumfrage für das zweite Quartal, die heute veröffentlicht wird, dürfte das Bild einer dynamischen Wirtschaftsaktivität untermauern. Eine dicke, schwarze Gewitterwolke bleibt dennoch am Wirtschaftshimmel stehen: die NAFTA-Verhandlungen und die Sorge vor dem eskalierenden weltweiten Handelskonflikt. Von Seiten der NAFTA herrscht nach der Einführung der Aluminium- und Stahlzölle sowie den Beschimpfungen der beiden Staatschefs untereinander mittlerweile Funkstille, da sich Herr Trump jetzt in erster Linie auf China, Technologie und Autos eingeschossen und mittlerweile jede mit den USA Handel treibende Nation als Feind identifiziert hat. Nächste Woche trifft sich in Ottawa der kanadische Gesandte in Washington mit den Finanzministern der kanadischen Bundesstaaten, dem US Diplomaten in Kanada sowie einigen hochrangigen Vertretern der kanadischen Wirtschaft und Notenbankchef Stephen Poloz. Dies zeigt die Sorgen, die sich Kanadas Führungsriege um die weiteren Entwicklungen im Handelsstreit macht. Ein Zinsschritt im Juli ist dank der Entspannung zwischen den USA und China aktuell zu rund zwei Dritteln eingepreist. Es besteht zwar immer noch ein Restrisiko, dass die BoC trotz aller positiver Aspekte der heimischen Wirtschaft doch noch wartet, bis sie den Zinserhöhungszyklus fortsetzt. Wir denken aber, dass die BoC im Juli zur Tat schreitet und der CAD dann zulegen kann.
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