USD: Der Handelskrieg bleibt auch heute das dominierende Thema am Devisenmarkt. Die Ankündigung eines Traditionsfabrikanten motorisierter Zweiräder, Teile der Produktion ins Ausland zu verlegen, hat wieder einmal belegt, dass das Thema Handelskrieg gekommen ist, um zu bleiben. Dabei wird für den US Dollar ein interessantes Paradoxon immer offensichtlicher: Denn obwohl die Sorge vor realwirtschaftlichen Folgen den Zinsausblick dämpft ist die Stimmung aktuell hervorragend. Das Verbrauchervertrauen befindet sich seit 2010 auf einem Höhenflug, wie auch die heutigen Daten für Juni noch einmal belegen dürften. Und das beschränkt sich nicht allein auf die aktuelle Situation – auch der Ausblick wird als vielversprechend eingeschätzt (Abb. 1). Dennoch bleibt der Markt zurückhaltend. Als Bremsklotz erweist sich die verflachende Zinskurve. Auch wenn der Markt kurzfristig nicht davon ausgeht, dass die Fed von ihrem Zinserhöhungsautomatismus abweicht, beschränkt die Erwartung langfristig niedriger Zinsen das Aufwertungspotenzial des Dollars. Dazu passt, dass unser Commerzbank-Wechselkursindex in den letzten Tagen keineswegs eine Schwäche des Dollars anzeigt, sondern vielmehr einen stabilen Seitwärtshandel. Die Sorge vor sehr langfristigen Folgen sorgt aktuell für Zurückhaltung bei USD-Investoren. Doch das heißt keineswegs, dass die USD-stärkenden fundamentalen Faktoren nicht mehr gelten.
EUR: Ein starker Euro verhalf EUR-USD gestern über 1,17. Und das obwohl auch EU-Vertreter verstärkt davor warnten, dass der Handelskrieg zu einer Rezession führen könnte. Aber auch ohne die Risiken des Handelskrieges sehe ich in den kommenden Tagen eher Abwärtsrisiken für den Euro. Der EU-Gipfel Ende der Woche kann durchaus als der nächste große Impulsgeber für den Euro angesehen werden. Wie groß waren die Hoffnungen im Devisenmarkt, dass ehrgeizige Euroraum-Reformen die strukturelle Stabilität der Gemeinschaftswährung stärken! Angesichts der Regierungskrise in Deutschland sind solche Hoffnungen wohl null und nichtig. Wahrscheinlicher ist es, dass an der offenen Flüchtlingsfrage die Differenzen innerhalb des Euroraums eher offensichtlicher werden. Damit liegt die Hauptaufgabe der EZB wieder darin, den Euroraum zusammenzuhalten – mit einer expansiven Geldpolitik und nur sehr vorsichtigen und langsamen Normalisierungsschritten, die den Zinsvorteil des US Dollars gegenüber dem Euro wohl noch auf Jahre manifestieren dürften, selbst wenn sich der langfristige Ausblick in den USA irgendwann eintrüben sollte.
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