Letzte Woche hatte ich ja schon befürchtet, dass der G7-Gipfel scheitern könnte. Dass es so dramatisch würde, hatte ich freilich nicht gedacht. Was der Fenstersturz von Prag für den Dreißigjährigen Krieg war, könnte dieser G7-Gipfel für den Handelskrieg werden: an sich eine Lappalie (in Prag landeten die kaiserlichen Vertreter auf einem Misthaufen, in Charlevoix war das gescheiterte Schluss-Kommuniqué so schwammig, wie es G7-Kommuniqués schon immer waren), aber der Kristallisationspunkt, der die heiße Phase der Auseinandersetzung entfacht. Dass der Devisenmarkt heute Morgen im asiatischen Handel nicht viel mehr damit anzufangen wusste, als den CAD schwächer zu handeln, ist hingegen ärmlich. Es geht schon längst nicht mehr um einzelne Zölle, die diesen und jenen bilateralen Handel belasten. Es geht um den Fortbestand der Weltwirtschaftsordnung. Ich will mich an dieser Stelle nicht in Normativem ergehen. Ob Appeasement oder Eskalation die richtige Antwort der Rest-G6 auf Trump wäre, darüber kann man lange streiten. Es riecht auf jeden Fall nach Eskalation. Jetzt könnte das große Hauen und Stechen losgehen. Wie sähe das aus? Schmutzig. Auch die, die jetzt noch für den Erhalt der alten multilateralen Ordnung plädieren, dürften diese im Zweifelsfall über Bord werfen – wenn erstmal jeder an sich denkt. Kriege – auch Handelskriege – sind immer schmutzig.
Die größten Verlierer dürften die Volkswirtschaften sein, die in Kanada gar nicht am Ver-handlungstisch saßen: die „Schwellenländer“ (EMs). Der Boom der EMs (erinnern Sie sich noch an den Hype um die „BRICS“?) Anfang dieses Jahrtausends war darauf zurückzuführen, dass sie in die Weltwirtschaft der Industrienationen einbezogen wurden und diese Chance nutzten – zumindest einige von ihnen. Zugegeben: Diese Story lief in den Jahren nach der Großen Rezession aus. Von den hohen Leistungsbilanzüberschüssen der EMs, die Anfang des Jahrtausends zu verzeichnen waren, ist nichts mehr übrig geblieben. Im Gegenteil, jetzt sind es wieder die Industrieländer, die summa summarum Leistungsbilanzüberschüsse verzeichnen – so wie es laut Lehrbuch auch sein müsste. Das ist (a) ein Anzeichen dafür, dass der initiale Impuls des Globalisierungsschubs ausläuft und heißt (b), dass die EMs jetzt wieder empfindlicher gegen diese Art von Störungen sind. Denn diesmal geht es – anders als 2008 – nicht um realwirtschaftlichen Nachfrageeinbruch der Industrienationen. Diesmal geht es darum, dass auch internationale Kapitalströme dünner werden, wenn der Welthandel abnimmt. Diejenigen, die in den vergangenen Jahren immer wieder nach einem „Abbau der globalen Ungleichgewichte“ gerufen haben, werden sich noch wun-dern, wie schmerz- und krisenhaft solch ein „Abbau“ verlaufen kann. Dabei mag es inner-halb der EMs auch Gewinner geben – insbesondere diejenigen, die die ehemaligen G7-Freunde gegeneinander auszuspielen wissen. Verlierer werden diejenigen sein, die entweder zu sehr exportgetrieben sind oder zu sehr am Tropf ausländischer Kapitalzuflüsse hängen.
Und der Dollar? Natürlich gilt weiterhin, dass der inflationäre Effekt der Zölle USD-positiv wirken dürfte. Aber es gilt auch, dass diese Wirkung von der Annahme abhängt, dass die Fed sich streng inflationssteuernd verhält. Bei einem US-Präsidenten, der sich erst vor wenigen Tagen über die heimische Rechtsordnung zu stellen drohte und nun die westliche Wirtschaftsallianz aufkündigt, ist man sich allerdings über gar nichts mehr sicher. Auch nicht über den zukünftigen Spielraum der Fed. Das mag übertrieben sein. Und mittelfristig mag tatsächlich USD-Stärke aus Trumps Inflationspolitik resultieren. Aber es gilt auch: Die Argumente gegen den Dollar, die ich bislang als langfristig erachtet habe, sind vielleicht gar nicht mehr so langfristig: Dass die USA den Leitwährungsstatus des Greenback zur globalen Erzwingung ihrer Sanktionspolitik nutzen, ist politisch nach Charlevoix ein noch größeres Problem als vorher. Einzige Alternative wäre heute ein System, das deutlich EUR-USD-positiv wäre: eine Ablösung des Dollar in seiner exorbitanten Rolle durch den Euro.
EUR: Dabei wäre diese Woche doch eigentlich ein ganz anderes Thema relevant: die Sitzungen der großen Zentralbanken Fed, EZB und BoJ. Vor allem die EZB dürfte spannend werden, geht es doch um den Ausstieg aus dem QE-Programm. Wir rechnen mit begleitenden taubenhaften Signalen und teilen daher nicht die allgemeine Markteuphorie über den angeblichen Anfang vom Ende der unkonventionellen EZB-Politik.
Allerdings ist positiv, dass die neue italienische Regierung sich fiskalisch konventioneller gibt als befürchtet werden musste. Insbesondere Finanzminister Giovanni Tria gab sich am Wochenende ausgesprochen konventionell. „Wir werden keine Maßnahmen akzeptieren, die – auch unabsichtlich – finanzielle Instabilität erzeugen könnten.“ Das hätte auch von Wolfgang Schäuble stammen können. Für den FX-Markt ist das Anlass genug, den Euro stärker zu handeln. Die Italien-induzierte Mini-Krise ist für ihn endgültig vorbei und vergessen.
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