EUR: Nach den gestrigen Andeutungen von EZB-Chefvolkswirt Peter Praet geht mittlerweile wohl fast jeder Marktteilnehmer davon aus, dass die EZB nächste Woche das „Tapering“ (den Ausstieg aus ihrem Wertpapier-Kaufprogramm) ankündigen wird. Für den Euro war dies eine deutlich positive Erkenntnis; die Gemeinschaftswährung konnte die Reste der Italien-Schwäche abschütteln. Insbesondere die Tatsache, dass Praet ein Anziehen der Lohninflation als Motiv für das Tapering anführt, dürfte als Beleg dafür interpretiert werden, dass die EZB diesen geldpolitischen Schritt eben nicht macht, weil ihr bald die kaufbaren Anleihen ausgehen, sondern vielmehr Tapering als Anfang vom Ende der unkonventionellen Geldpolitik sieht. Wäre ich davon überzeugt, dass das gelingt, würde ich unmittelbar höhere EUR-Kurse prognostizieren. Nur fehlt mir halt diese Überzeugung. Unsere Volkswirte sind weiterhin bezüglich der Entwicklung der (Kern-) Inflation im Euroraum äußerst skeptisch. Und solange das so bleibt, befürchte ich halt, dass allzu hoch fliegende Normalisierungs-Phantasien noch einmal in Frage gestellt werden. An der Inflationsentwicklung hängt letztendlich alles.
GBP: Können Sie sie noch hören, die ewig gleichen Meldungen von der Insel? Mal wieder gibt’s Streit in der britischen Regierung. Mal wieder zoffen sich Premierministerin Theresa May und ihr Brexit-Minister David Davies über die Brexit-Strategie. Die Details (diesmal: unbefristete oder befristete Teilnahme des Königreichs an einer Zollunion mit der EU) sind eigentlich uninteressant. Sie reflektieren nur erneut, dass die Idee eines „Brexit“ nicht durchdacht und widersprüchlich war. Sei’s drum. Bevor ich wieder von britischen Lesern als „remoanig urban liberal“ beschimpft werde (seit wann ist „urban liberal“ eigentlich ein Schimpfwort?), konzentrieren wir uns lieber auf die Reaktion der GBP-Wechselkurse. Oder besser gesagt: auf deren Ausbleiben. Unser GBP-Index jedenfalls bewegt sich seit Anfang Mai nicht mehr wesentlich. Als käme alles nur auf die BoE-Geldpolitik an und die fiele vom Himmel. Auch wenn man unterstellt, dass letztendlich bei Wechselkursen alles am Zins hängt, die BoE-Geldpolitik wird sich doch nicht davon unabhängig machen können, ob UK eine tiefe Anpassungsphase durchlaufen muss oder ob im Wesentlichen alles beim Alten bleibt!
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