
USD: Der US-Präsident hat in einem seiner Tweets angekündigt, die Sanktionen gegen ein chinesisches Telekommunikationsunternehmen lockern zu wollen. Das ist überraschend, denn erst vor kurzem hatte das US-Handelsministerium dieses Unternehmen wegen angeblicher fortgesetzter Verstöße gegen US-Sanktionen (bzgl. Iran und Nordkorea) vom Bezug amerikanischer Exportgüter ausgeschlossen – ganz d’accord mit den Prinzipien der US-Sanktionspolitik, die uns von der US-Administration immer wieder eingebläut worden waren. Warum ist diese ganze Sache für einen FX-Analysten relevant? Ich habe in letzter Zeit häufig auf die Folgen der US-Sanktionspolitik für die USD-Wechselkurse hingewiesen. Allerdings zeigt die präsidiale Kehrtwende erneut, dass die Sanktions- und Handelspolitik dieses Präsidenten nicht als „Policy“ im politologischen Sinn werden kann („a deliberate system of principles to guide decisions and achieve rational outcomes“). Die häufigen und heftigen Wechsel der US-Sanktions- und -Handelspolitik (z.B. auch im Fall der Russland-Sanktionen, in den NAFTA-Verhandlungen etc.) zeigen, dass das politische Handeln dieses US-Präsidenten eben nicht Ausdruck einer Policy ist. Das muss nicht irrational sein. Denn es konzentriert die politische Macht in der Person des Präsidenten (wie auch z.B. die häufigen Personalwechsel in der Regierungsmannschaft). L’état c’est moi. Die politische Dimension ist freilich wirklich nicht mehr Thema für einen FX-Analysten. Mir ist nur wichtig: Bei allen Analysen der US-Politik und deren FX-Konsequenzen sollten wir uns hüten, politische Maßnahmen der US-Regierung zu verallgemeinern. Mit dem nächsten präsidialen Tweet kann alles wieder ganz anders aussehen. Dieses Chaos – so scheint mir – hat System.
Diese Wechselhaftigkeit rechtfertigt am Devisenmarkt eine Risikoprämie auf USD-Positionen. Denn niemand kann sicher sein, welche USD-Transaktionen morgen auf präsidialen Geheiß sanktioniert werden und ob damit eine Dynamik ausgelöst wird, die die Transaktionsnachfrage nach US-Währung über den initialen Effekt hinaus reduziert. Utopisch ist solch ein Szenario keinesfalls. Innerhalb der letzten zwei Jahre ist der Anteil der USD-Denominierung an grenzüberschreitenden SWIFT-Transaktionen von rund 47% auf ca. 42% gefallen, der des Euros im gleichen Zeitraum von knapp 30% auf fast 38% gestiegen. Andererseits untergräbt der präsidiale Politikstil aber auch mögliche politische Koalitionen gegen die USD-Dominanz. Schmuse-Symbolik mit dem US-Präsidenten hat hinreichende Aussicht auf handels- und sanktionspolitische Belohnung und verleitet damit zum Ausbruch aus politischen Koalitionen, die die extraterritoriale Wirkung der US-Politik umgehen wollen.
EUR: Nein, letzte Woche sahen wir – auch wenn’s beim Blick auf den EUR-USD-Kurs so scheinen mag – keine EUR-Rallye. Unsere Währungs-Indizes deuten eindeutig auf eine kleine Korrektur der vorausgegangenen USD-Stärke hin (siehe Abbildung 2). Wenn man aus dem Indexverlauf irgendetwas ableiten kann, dann das: Spätestens seit Mitte April ist von einem Aufwärtstrend der europäischen Gemeinschaftswährung nichts mehr zu sehen. Im Gegenteil, die vorangegangene EUR-Stärke beginnt zu bröckeln. Dazu trägt sicherlich bei, dass die Hoffnung auf sehr schnelle EZB-Zinserhöhungen (in H1/2019) schwindet. Ich höre sogar mehr und mehr Stimmen, die ein „Tapering“ (ein geplantes Auslaufen) der EZB-Wertpapierkäufe ab September in Frage stellen.
Aber auch hier mag ein politischer Aspekt hinzukommen. Wir dürfen nicht vergessen: Der Trend zu einem stärkeren Euro begann nach der Frankreich-Wahl. Viele Marktteilnehmer dürften die europapolitischen Pläne des französischen Präsidenten als positives Signal für den Euro empfunden haben. Denn viele zweifeln immer noch, ob eine Gemeinschaftswährung ohne tiefgreifende politische Union funktionieren kann. Das zumindest ist immer noch die Nachwirkung der Euroraum-Krise. Doch steht – darauf haben unsere Volkswirte am Freitag hingewiesen – die deutsche Regierung Macrons Vorschlägen kritisch gegenüber. Damit dürften sie zum Scheitern verurteilt sein.
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