GBP: Mark Carney, Gouverneur der Bank of England (BoE), gilt seinen Bewunderern als eine Art Cristiano Ronaldo der Forward Guidance. Doch wie Portugals Fußballstar wird auch Großbritanniens Zentralbank-Chef immer mal heftig kritisiert. So gestern auf der Pressekonferenz der BoE. Und wie Ronaldo reagiert auch Carney auf Kritik äußerst dünnhäutig.
Noch vor kurzem hatte Carney angedeutet, am 10. Mai würde es wohl eine Zinserhöhung geben. Nachdem aber jüngste Wirtschaftsdaten deutlich enttäuscht hatten, ruderte er wieder zurück. So war gestern jedermann klar, dass die BoE stillhalten würde. Carney bezog – wen wundert’s? – gestern von den Journalisten verbale Prügel dafür, dass er den Markt zuerst in die Irre geleitet hatte. Seine Ausrede missglückte allerdings völlig: Nicht an die Finanzmärkte, sondern an die Unternehmen und privaten Haushalte sei seine Forward Guidance gerichtet. Und denen wäre es egal, ob im Mai, August oder im November der Zinsschritt erfolge. Das schlägt dem Fass den Boden aus. Das ist derartig unsinnig, dass ich gar nicht weiß, wo ich anfangen soll, das zu widerlegen. Deshalb lasse ich’s lieber (auch mit Rücksicht auf meinen Blutdruck) und beschränke mich auf zwei Hinweise:
(1) Wenn Carney, einem klugen und erfahrenen Geldpolitiker, keine bessere Ausrede einfällt, dann steckt seine Forward-Guidance-Strategie in einer schweren Krise.
(2) Forward Guidance ist sicherlich gut gemeint. Unsicherheit über Geldpolitik ist an sich kontraproduktiv. Doch lässt sie sich nicht auf null reduzieren. Wirtschaftliche Entwicklungen lassen sich halt nicht perfekt prognostizieren. Und damit auch nicht der Einsatz geldpolitischer Instrumente, die auf solche Entwicklungen reagieren müssen. Die ökonomische Theorie ist sich über den Königsweg längst einig: Eine Zentralbank sollte möglichst klar die Regeln kommunizieren, nach denen ihre Geldpolitik auf Änderungen der Rahmenbedingungen reagiert. Die verbleibende Unsicherheit resultiert dann nur noch aus den unvorhergesehenen Änderungen dieser Rahmenbedingungen und ist systemimmanent, d.h. unvermeidlich. Natürlich, die unkonventionellen Geldpolitiken der vergangenen zehn Jahre haben solch eine Kommunikation von Regeln unmöglich gemacht. Schließlich wussten die Zentralbanken lange selbst nicht, wie ihre Instrumente wirken. Dieses Problem besteht noch fort. Denn auch die Normalisierung von Geldpolitik ist ohne historische Parallelen. Doch ist der Mangel an Regeln eine unvermeidliche Konsequenz unkonventioneller Geldpolitik, ein Preis, den man zahlen muss, wenn man alle Regeln über Bord wirft. Forward Guidance schadet in diesem Zusammenhang mehr, als sie nützt. Denn solange Zentralbanken Autorität besitzen, gaukelt ihre Guidance eine falsche Sicherheit vor und reizt zu Fehlallokationen. Zumindest so lange, bis die Autorität einer Zentralbank zerstört ist. Nur ist die leider ihr wichtigstes Asset. Dass das Pfund gestern ordentlich unter Druck kam (ähnlich wie der schwächelnde Dollar, siehe unten), darf deshalb nicht verwundern.

USD: Die US-Inflationszahlen enttäuschten gestern. Sowohl die Gesamtrate als auch die Kernrate der Konsumentenpreise lagen unter den Erwartungen der Analysten. Wird es doch nichts mit dem zunehmenden Inflationsdruck? Und damit auch nichts mit zügigen, USD-positiven Zinserhöhungen? Lassen wir die Kirche lieber im Dorf. (a) Die Fed-Erwartungen litten unter den gestrigen Zahlen nicht (Abbildung 1). (b) Glättet man die (saisonbereinigten) Inflationszahlen vorsichtig, lässt sich feststellen, dass der (Kern-) Inflationstrend weiterhin sehr nah am 2%-Ziel liegt (Abbildung 2). Ein Überschießen der Inflation ist – mal abgesehen von einzelnen FOMC-Stimmen – von der Fed gar nicht vorgesehen. Somit ist doch die Frage, ob die Inflation deshalb nicht höher ausfällt, weil eben die Öffentlichkeit eine Fortsetzung des Zinserhöhungszyklus erwartet. Das dann zum Argument gegen höhere Zinsen (und gegen den Dollar) zu verdrehen, wäre unsinnig. Klar, die Rallye des Greenbacks dürfte erst mal gestoppt sein. Aber so glatt und schnell wie in den letzten Wochen konnte es eh nicht weiter gehen. Für die Pause und Korrektur bedurfte es nur eines geringen Anlasses. Aber mehr dürfte es halt nicht sein als Pause und zwischenzeitliche Korrektur.
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