EUR-USD: Freier Fall oder Bungee Jump – fällt EUR-USD weiter oder fängt sich das Währungspaar? Mein Kollege Ulrich Leuchtmann hat am Montag treffend beschrieben, dass es sich derzeit um das Platzen einer Blase fundamental unbegründeter Dollar-Skepsis handelt, die zu Jahresanfang EUR-USD auf über 1,25 getrieben hatte. Wir wurden schon vor Monaten nicht müde zu betonen, dass wir die damalige Dollarschwäche nicht nachvollziehen konnten. Und nun ist sie seit Mitte April da, die große Korrektur. Nach der Ankündigung von US Präsident Donald Trump gestern Abend, aus dem Atomabkommen mit dem Iran auszusteigen, hat der Dollar aber erst einmal zurückhaltend reagiert. Wie geht es jetzt weiter? (1) Mittel- bis langfristig mag aufgrund der Entscheidung Trumps, wieder Sanktionen einzuführen, die von den europäischen Nationen nicht mitgetragen werden, die Funktion des Dollars als Weltleitwährung bröckeln (siehe hierzu auch einen FX Hotspot, der im Lauf des Vormittags veröffentlicht wird); der Dollar würde langfristig deutlich abwerten. (2) Kurzfristig könnte der Dollar aber paradoxerweise profitieren. Nicht nur aufgrund steigender Risikoaversion in seiner Funktion als sicherer Hafen. Ein schneller, starker Ölpreisanstieg könnte Aufwärtsdruck auf die Inflationsraten der Industrieländer ausüben. Die Fed ist in ihrem Zinserhöhungszyklus und ihren Normalisierungsbestrebungen nun aber deutlich weiter als fast alle anderen Zentralbanken. In den USA herrscht Vollbeschäftigung und die Inflation ist am Inflationsziel, wie die morgigen April-Zahlen untermauern werden. Insofern würde die Fed wohl als einzige Zentralbank konsequent mit zügigen Zinserhöhungen gegen höhere Inflationsraten vorgehen – ein starkes Argument für den US Dollar. Allerdings ist dies Szenario mit einigen Fragezeichen behaftet. Denn erst einmal müsste (i) der Ölpreis wirklich schnell steigen und müssten (ii) dann auch die Inflationsraten deutlich zulegen. Wir bleiben dran!
Nach dem Schock gestern Abend werden sich die Gemüter wohl etwas beruhigen, so dass EUR-USD eine Verschnaufpause einlegen könnte. Aber solide US Inflationszahlen morgen und erwartungsgemäß taubenhafte Töne von EZB-Chef Mario Draghi in Florenz am Freitag nach den zuletzt enttäuschenden Daten aus der Eurozone sprechen für eine Fortführung der Abwärtsbewegung in EUR-USD. Also wohl kein freier Fall, sondern tiefer Bungee Jump.
GBP: Für die Bank of England (BoE) geht es morgen weniger um die Zinsentscheidung selbst – eine Erhöhung hat der Markt mittlerweile sowieso fast vollkommen abgeschrieben. Es geht vielmehr um Glaubwürdigkeit. Schließlich hat bis vor gut drei Wochen alle Welt noch fest mit einem Zinsschritt gerechnet. Notenbankchef Mark Carneys vorsichtige Worte und schwache Konjunkturdaten haben den Markt innerhalb kürzester Zeit komplett drehen lassen. Für die BoE wird es nach dem Hin und Her schwierig, dem Markt ihre weitere Vorgehensweise schlüssig und glaubhaft darzulegen. Einmal verlorenes Vertrauen erlangt man eben nur schwer wieder zurück. Eine große Überraschung wäre, wenn die BoE doch den Zins anhebt – Grund hätte sie dafür, denn die Wirtschaft wächst weiter und würde nicht einbrechen, wenn sich die Zinsen von ihren Krisenniveaus ganz langsam entfernen. Das Pfund würde in diesem Fall aufwerten. Gleichzeitig aber wäre das Vertrauen des Markts in die BoE ob dieser Entscheidung noch stärker erschüttert als sowieso schon, so dass Pfund-Gewinne auf tönernen Füßen stehen würden. Der BoE sind letztlich bei der morgigen Sitzung die Hände gebunden und ihre Herkulesaufgabe wird sein, dem Markt glaubhaft zu signalisieren, wann sie nun (im Juni oder wie von uns erwartet im August) die geplante Zinserhöhung vornehmen möchte. Viel Positives kann ich für das Pfund bei der ganzen Gemengelage (BoE, innenpolitische Streitereien etc.) nicht abgewinnen.
SEK: Ob das Schlimmste für die SEK wirklich schon vorbei ist, wird sich möglicherweise heute entscheiden. Denn die Inflationsdaten für April werden veröffentlicht. Und auf diese wird die Riksbank einen genauen Blick haben. Denn selbst wenn die Gesamtrate noch in der Nähe des Inflationsziels liegt, so hat der unterliegende Trend nach unten gedreht. Eine besorgniserregende Entwicklung für die Riksbank. Sie betonte auf ihrer letzten Sitzung Ende April, als sie eine Zinserhöhung vom Sommer auf das Jahresende schob, dass eine zu niedrige Inflationsrate aufgrund der niedrigen Zinsen schwieriger zu managen sei als eine zu hohe. Zwar könnte die schwache Krone der Riksbank etwas Druck nehmen, da sie Aufwärtsdruck auf die Inflationsrate ausüben könnte. Aber darauf wird sich die Riksbank kaum verlassen wollen. Zum einen stellte sie bereits Ende April fest, dass die Schwäche der Krone vorübergehend sein könnte und damit die Auswirkungen auf die Inflation ungewiss seien. Zum anderen können sich selbst die Notenbanker abgesehen von den Markterwartungen zur zukünftigen Geldpolitik die Schwäche der Krone seit Jahresanfang nicht schlüssig erklären – sie selbst gehen von einer allmählichen Aufwertung der Krone aus – und sind deshalb nicht entspannt. Sollten die Inflationsraten in den kommenden Monaten weiter enttäuschen, wird die Riksbank ihren Zinspfad deshalb wahrscheinlich noch weiter nach hinten schieben. Denn zu tief sitzt die Angst vor einer zu niedrigen Inflationsrate. Sollten die April-Zahlen heute schon negativ überraschen, wird die SEK entsprechend unter Druck geraten.
NOK: Natürlich ist der Ölpreis im Moment der hauptsächliche Treiber in der NOK. Aber für die Norges Bank und die NOK ist auch wichtig, dass die Inflationsraten nicht nach unten abrauschen. Schließlich hatte die Norges Bank im März den Zinspfad nach vorne gezogen, indem sie eher als noch im Dezember angenommen eine erste Leitzinserhöhung signalisierte, basierend auf der positiven Wachstumsentwicklung. Anfang Mai wollte die Norges Bank ihre Einschätzung nicht ändern, musste aber einräumen, dass zum einen die Indikatoren in der Eurozone enttäuscht haben, was ein Risiko für das norwegische Wachstum bedeuten kann, und dass die Inflation etwas hinter ihren Erwartungen zurückgeblieben ist. Da einige Marktteilnehmer wohl mit einer vorsichtigeren Tonart der Norges Bank gerechnet hatten, konnte die NOK nach der Mai-Sitzung ordentlich zulegen. Ich bin skeptisch, ob diese NOK-Gewinne gerechtfertigt sind. Denn auf der nächsten Sitzung im Juni kann die Norges Bank, sofern es die Datenveröffentlichungen bis dahin nahe legen, ihre Prognosen anpassen und dann auch ihre Gangart oder den Zinspfad wieder ändern, sollte sie dies als notwendig erachten. Einen ersten Hinweis hierfür könnten die April-Inflationszahlen heute geben. Enttäuschen sie, wird eine Wende zurück zu einer vorsichtigeren Haltung der Norges Bank wahrscheinlich. Dann könnte nur ein höherer Ölpreis die NOK vor Verlusten bewahren.
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