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30.04.18, 09:15

Vom Dollar- zum Euro-Rätsel?

EUR-USD: Mein Chef Ulrich Leuchtmann wies bereits am vergangenen Freitag an dieser Stelle ziemlich unverblümt darauf hin, dass wir die USD-Schwäche Anfang des Jahres immer für ungerechtfertigt gehalten hatten. Unsere EUR-USD-Prognose basierte insofern auf der Erwartung, dass fundamentale Faktoren, wie die US-Geldpolitik, letztlich wieder das Ruder in dem Wechselkurs übernehmen würden und EUR-USD im Zuge dessen fallen würde. Nun hat genau diese Korrektur – angestoßen durch einen neuerlichen rapiden Anstieg der US-Renditen – vergangene Woche eingesetzt, und wir erwarten, dass sie sich auch noch weiter fortsetzt.

Interessant dabei ist, dass die Abwärtsbewegung in EUR-USD in den letzten Wochen noch deutlich schneller ausgefallen wäre, hätte der Euro nicht auch gleichzeitig aufgewertet. So zeigt unser Währungsindex, dass die Gemeinschaftswährung schon seit Frühjahr letzten Jahres kontinuierlich zulegt (siehe Abb. 1). Doch genauso verwunderlich, wie die USD-Schwäche Anfang des Jahres, erscheint mir nun die Euro-Stärke. Eingesetzt hatte die Aufwertung nach den Wahlen in Frankreich, womit sich die Marktreaktion zunächst mit einem Auspreisen einer politischen Risikoprämie für den Euroraum erklären ließ. Doch ich halte es für fraglich, dass dieser Prozess auch ein Jahr später noch nicht abgeschlossen ist – zumal es bei den Europa-Plänen des französischen Präsidenten Emmanuel Macron bisher kaum konkrete Fortschritte gab. Gleichzeitig laufen die fundamentalen Faktoren in eine für den Euro eher negative Richtung. So hat sich insbesondere der geldpolitische Ausblick eingetrübt, nachdem neben einem anhaltend schwachen Preisauftrieb sich nun auch ein schwächeres Wachstum im Euroraum abzeichnet. Im Zuge dessen sind die Zinserwartungen für den Euroraum seit Anfang Februar, wie zu erwarten wäre, gefallen (siehe Abb. 2).

Somit muss ich zugeben, dass es mir auch jetzt wieder schwer fällt, die jüngste Entwicklung der Euro-Wechselkurse zu erklären. Ähnlich wie es beim US-Dollar Anfang des Jahres der Fall war, dürften viele auf politische Faktoren verweisen, wie die unberechenbare US-Administration, die den Euroraum im Vergleich deutlich attraktiver erscheinen lässt. Ausschließen kann ich nicht, dass dies eine Rolle spielt. Doch nachweisen und quantifzieren lässt sich dieser Faktor schwer. Und daher neige ich dazu, mich erneut auf die fundamentale Lage zu stützen. Und die spricht dafür, dass sich die Euro-Stärke nicht weiter fortsetzen, wenn nicht sogar in den nächsten Monaten korrigieren sollte. Denn auch wenn die Zinserwartungen für den Euroraum zuletzt bereits gefallen sind, sind sie unserer Ansicht nach noch immer zu hoch. Wir rechnen mit einer weiteren Abwärtskorrektur im Laufe des Jahrtes, was letztlich auch den Euro belasten sollte. Die Annahme, dass sich solche fundamentalen Treiber am Ende doch immer durchsetzen, hat sich zumindest für unsere USD-Prognosen zuletzt bewährt…

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