19.04.18, 10:24

Preisdivergenzen

Den meisten Notenbanken bereitet die nur sehr langsam anziehende Inflation nach wie vor Kopfzerbrechen. Hier kristallisiert sich nun seit kurzem ein interessanter Trend heraus: In den USA hat sich der Preisauftrieb zuletzt wie erwartet moderat verstärkt. Dagegen hat die Inflation in weiten Teilen Europas im vergangenen Monat eher enttäuscht. Sollte sich diese Divergenz bei der Preisentwicklung fortsetzen, wäre das natürlich ein starkes Argument für den US-Dollar. Denn wie schon die Reaktion des Pfundes gestern auf die schwächeren Preiszahlen gezeigt hat: eine sich abzeichnende geldpolitische Normalisierung ist derzeit eine große Stütze für viele Währungen, die aber wegfallen würde, wenn die Inflation nicht hinreichend anziehen sollte. Insgesamt sehe ich die Geldpolitik in den jüngsten Marktentwicklungen ohnehin als stärkeren unterliegenden Treiber, als es angesichts der doch ereignisreichen (geo-) politischen Lage zunächst erscheinen mag. Zumindest erklärt die Entwicklung der Zinserwartungen zum Teil die jüngst vergleichsweise schwache Performance der schwedischen Krone und des Schweizer Franken (siehe hierzu auch den FX Hotspot meiner Kollegin von gestern). Natürlich finden sich immer auch andere Faktoren, die die geldpolitischen Entwicklungen überlagern und damit die Wechselkursbewegungen mitbestimmen, wie bei der norwegischen Krone aktuell der Ölpreis oder bei dem kanadischen Dollar die NAFTA-Verhandlungen. Nichtsdestoweniger sehe ich in der Geldpolitik weiterhin einen wichtigen Treiber der Wechselkursentwicklungen.

GBP: Abgesehen von den schwachen Inflationszahlen gab es gestern aber auch gute Nachrichten für das Pfund. Das britische Oberhaus stimmte gestern für eine Änderung des Austrittsgesetzes, wonach ein Verbleib Großbritanniens in der EU-Zollunion weiterhin eine Option bleiben soll. Zwar war diese Entscheidung ein herber Schlag für die Regierung, die diese Option eigentlich bereits ausgeschlossen hatte. Vom Markt dürfte sie allerdings positiv aufgenommen werden, da ein Verbleib in der Zollunion eine geringere Änderung des Status Quo bedeuten würde und sich somit auch die wirtschaftlichen Folgen des Brexit in Grenzen halten würden. Darüber hinaus würde es auch eine Lösung zur irischen Grenzfrage darstellen, zu der die britische Regierung bisher keine alternative Antwort hervorbringen konnte. Zwar muss sich die Regierung nun nicht aktiv für eine Mitgliedschaft in der Zollunion bei den Verhandlungen mit der EU einsetzen, doch der Druck von denjenigen, die einen „weichen“ Brexit befürworten, dürfte nun wieder steigen.

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