Energie: Der Brentölpreis steigt am Morgen auf 74 USD je Barrel, den höchsten Stand seit November 2014. Der Preisanstieg wurde durch einen Reuters-Bericht mit Bezug auf drei Industriequellen ausgelöst, wonach Saudi-Arabien an einem Ölpreis von 80-100 USD je Barrel interessiert sei. Grund für den Wunsch nach einem höheren Ölpreis sei demnach, die Bewertung von Saudi Aramco vor dem geplanten Börsengang zu erhöhen. Auch danach könnte Saudi-Arabien an einem hohen Ölpreis interessiert sein, um den Umbau der Wirtschaft, den geplanten Bau der Megastadt Neom und den Krieg im Jemen zu finanzieren. Aus diesem Grund hält Saudi-Arabien das Ölangebot bewusst knapp und gleicht die beträchtlichen Produktionsausfälle in Venezuela im Gegensatz zu denen in Libyen vor sieben Jahren nicht aus. In der Folge liegt die OPEC-Produktion bei nur noch 32 Mio. Barrel pro Tag und damit 500 Tsd. Barrel pro Tag unter dem von der IEA geschätzten Bedarf an OPEC-Öl. Die Marktteilnehmer werden nun mit Argusaugen auf das morgige Treffen der Energieminister der OPEC und Russlands im saudi-arabischen Dschidda schauen. Eine Abkehr von der aktuellen Förderpolitik ist nach den jüngsten Verlautbarungen aus OPEC-Kreisen nicht zu erwarten. Die US-Lagerdaten gaben den Preisen gestern weiteren Auftrieb. Diese zeigten einen Lagerabbau bei Rohöl um gut 1 Mio. Barrel und einen Rückgang der Benzin- und Destillatebestände um jeweils ca. 3 Mio. Barrel. Der stärker als erwartet ausgefallene Lagerabbau bei Benzin war auf eine rekordhohe Benzinnachfrage zurückzuführen, was außerhalb der Sommerfahrsaison äußerst ungewöhnlich ist.
| WKN | Typ | Basiswert | Merkmale |
|---|---|---|---|
| CE9J1Y | Faktor Long | WTI Oil Future | Faktor: 8 |
| CE9J22 | Faktor Long | Brent Oil Future | Faktor: 8 |
| CE7XGS | Faktor Short | WTI Oil Future | Faktor: -8 |
| CE5YRG | Faktor Short | Brent Oil Future | Faktor: -8 |
Edelmetalle: Gold reagiert kaum auf die Sorgen der Marktteilnehmer in Bezug auf neue Sanktionen gegen Russland und die damit verbundenen Unsicherheiten und handelt lediglich etwas fester bei gut 1.350 USD je Feinunze. Dabei gibt es unseres Erachtens noch weitere Gründe für steigende Goldpreise, wie zum Beispiel den Handelsstreit. So ist die EU nicht zu Zugeständnissen gegenüber den USA bereit und fordert eine bedingungslose dauerhafte Ausnahme von den US-Importzöllen auf Stahl und Aluminium (diese gelten zunächst bis 1. Mai). Und letzte Nacht hat sich Japan in dieser Angelegenheit nicht mit den USA auf Ausnahmen verständigen können. Indischen Zeitungsberichten zufolge wurde während des hinduistischen Feiertages „Akshaya Tritiya“ eine 15-20% höhere Goldnachfrage registriert. Die Goldnachfrage dürfte zum Großteil aus Lagerbeständen bedient worden sein, da die indischen Goldimporte im ersten Quartal deutlich gefallen waren (siehe TagesInfo Rohstoffe vom 10. April).
Während Gold eher vor sich hindümpelt, wurden gestern vor allem Palladium und Silber von den Industriemetallen mit nach oben gezogen. Palladium kostet heute 1.055 USD je Feinunze und ist damit 155 USD teurer als vor knapp zwei Wochen. Die Preisdifferenz zu Platin hat sich wieder auf mehr als 100 USD ausgeweitet. Silber legte um 2,5% und damit deutlich stärker zu als Gold. Heute Morgen notiert der Preis bei 17,25 USD je Feinunze. Das Gold/Silber-Verhältnis ist daher auf gut 78 gefallen, der niedrigste Wert seit Anfang Januar.
| WKN | Typ | Basiswert | Merkmale |
|---|---|---|---|
| CD5B2X | Faktor Long | Gold-Future | Faktor: 6 |
| CD5B34 | Faktor Short | Gold-Future | Faktor: -6 |

Industriemetalle: Nickel ist gestern zeitweise um fast 12% bzw. 1.660 USD auf knapp 16.000 USD je Tonne gestiegen, der höchste Preis seit Dezember 2014. Bis zum Handelsende gab der Preis einen Teil seiner Gewinne wieder ab. Auf Schlusskursbasis stand mit einem Plus von 7,5% der stärkste Tagesanstieg seit 6½ Jahren zu Buche. Grund waren Sorgen der Marktteilnehmer, dass die USA weitere Sanktionen gegen Russland verhängen könnten, die auch andere Rohstoffproduzenten wie z.B. Norilsk Nickel treffen könnten. Unserer Auffassung nach stehen jedoch keine neuen Sanktionen unmittelbar bevor. Wir halten den Preisanstieg daher für übertrieben. Dennoch setzt sich dieser heute Morgen fort. Nickel steigt nochmals um 9% auf 16.700 USD je Tonne. Dabei zieht es auch Aluminium weiter nach oben. Nach einem Plus von 5,5% gestern verteuert es sich heute um weitere 7% auf gut 2.700 USD je Tonne.
Nachdem Indonesien im März schon weniger Zinn exportiert hat, sind wohl auch die April-Ausfuhren eingeschränkt. Denn laut Aussagen des Verbands der indonesischen Zinnexporteure sind im März einige Ausfuhrgenehmigungen ausgelaufen. Wegen regulatorischer Änderungen wurden diese zudem nicht rechtzeitig verlängert. Die Exporte dürften aber in den kommenden Monaten nachgeholt werden. In der LME-Lagerstatistik gab es jüngst ein Novum: Erstmals seit Auflage der Zinn-Kontrakte im Oktober 1997 wurde drei Tage hintereinander kein Zinn aus den LME-Lagerhäusern abgerufen. Dies deutet eigentlich auf eine verhaltene Zinnnachfrage hin, ist u.E. aber angesichts der temporären Probleme in Indonesien nicht ganz nachvollziehbar.
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