
USD: Mir ist vollkommen bewusst, dass man die Sinnhaftigkeit jedes Tweets von Donald Trump nicht unbedingt hinterfragen sollte. Doch wenn einer von ihnen, wie gestern, die Märkte bewegt, ist vielleicht doch ein genauerer Blick gefragt. So warf der US-Präsident Russland und China gestern tatsächlich vor, ein „Abwertungsspiel“ zu spielen, woraufhin der US-Dollar unter Druck kam. Diese Aussage ist natürlich vollkommener Unfug. Schließlich hatte sich China nach der scharfen Abwertung des Renminbi im Jahr 2016 gegen eine weitere Abschwächung der Währung gestellt, wie sich am Abbau der Devisenreserven über den Zeitraum ablesen lässt. Der Renminbi hat seitdem sogar wieder deutlich aufgewertet. Und die jüngste Abwertung des russischen Rubels ist eindeutig den US-Sanktionen zuzuschreiben und geht damit auf Trumps eigene Kappe. Aber abgesehen davon impliziert der US-Präsident, dass sowohl Russland und China es ausnutzen würden, dass die US-Notenbank die Zinsen anheben und so den Dollar stärken würde. Der ein oder andere könnte hierin einen Seitenhieb gegen die Fed sehen, der den Druck auf sie erhöhen soll, die Zinsen niedrig und damit den US-Dollar schwach zu halten. Wie mein Chef Ulrich Leuchtmann gestern in einem Kommentar herausstellte, steht die US-Währung damit an einem Scheideweg. Denn wenn die Fed dem politischen Druck nachgeben würde, würde der wichtigste Stützungsfaktor für den Dollar wegfallen.
Allerdings bin ich zuversichtlich, dass es nicht so schlimm kommen wird und stattdessen, wie von uns erwartet, eine Dollar-Erholung einsetzen wird. Der Grund ist die bisherige Personalwahl von Trump für das Fed-Board. Denn die lässt, im Gegensatz zu seiner Personalwahl an anderen Stellen, wenig Raum für Kritik. Klar, man kann Trump natürlich negativ auslegen, dass er Janet Yellen nicht für eine zweite Amtszeit nominiert hat wie es in der Vergangenheit üblich war. Doch mit Jay Powell hat er einen Fed-Präsidenten eingesetzt, der für Kontinuität steht. Auch seine Nominierung von Randal Quarles und dem Ökonom Marvin Goodfriend (letzterer ist noch nicht vom US-Senat bestätigt) würde ich als unproblematisch bezeichnen. Darüber hinaus hat das Weiße Hause gestern bekanntgegeben, dass Trump, wie zuvor schon gemunkelt, den Ökonom Richard Clarida als Vize-Chair und die Landesbankvertreterin Michelle Bowman als Board-Mitglied nominiert. Alles in allem zeichnet sich nicht ab, dass der US-Präsident versucht, das Board mit treuen Gefolgsleuten zu besetzen und damit Einfluss auf die US-Geldpolitik zu nehmen. Vor diesem Hintergrund sehe ich die gestrige Twitter-Tirade vorerst noch relativ entspannt.
GBP: Das Pfund notiert gegenüber dem USD auf dem höchsten Stand seit dem Brexit-Referendum. Ein wichtiger Treiber der Pfund-Stärke ist zweifellos die Geldpolitik. Eine weitere Zinserhöhung der Bank of England im Mai ist an den Märkten mittlerweile nahezu voll eingepreist. Tatsächlich hat unser UK-Experte erst kürzlich seine Prognosen angepasst und rechnet danach mit weiteren Zinsschritten im Abstand von 6 Monaten. Während die Zinserhöhung letztes Jahr noch als Rücknahme der vorbeugenden Zinssenkung unmittelbar nach dem Brexit interpretiert werden konnte, kann man in dem weiteren Zinspfad nun tatsächlich einen Erhöhungszyklus erkennen. Sollten die UK-Daten, wie heute der Arbeitsmarktbericht, nicht massiv enttäuschen, kann das Pfund von geldpolitischer Seite zunächst weiter mit Rückenwind rechnen. Das größte Risiko für die britische Währung bleibt allerdings der Brexit. Dieses scheint der Markt aktuell jedoch so ziemlich zu ignorieren, was durchaus gewagt ist, wenn man sich die jüngsten Äußerungen der Verhandlungspartner anhört. So ist man einer Lösung zur irischen Grenzfrage bisher nicht nähergekommen. Und ohne die können ein Austrittsabkommen und damit auch eine Einigung auf eine Übergangsphase nicht zustande kommen. Die Situation für die Pfund-Wechselkurse bleibt spannend.
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