27.03.18, 10:15

Der Euro, die bevorzugte Reservewährung?

EUR, USD: Der Euro war gestern jedermanns Liebling. Das kann nicht allein daran liegen, dass die Sorgen vor einem Handelskrieg zurückgingen, nachdem sowohl China als auch die USA ihre Verhandlungsbereitschaft signalisierten. Dies hatte zwar einen deutlich positiven Effekt auf die globale Risikostimmung, wovon insbesondere Emerging-Markets-Währungen und andere Risikowährungen auf Kosten des Yens als sicherer Währungshafen profitierten. Der EUR konnte jedoch sogar gegenüber klassischen Risikowährungen aufwerten, und das obwohl ihm eher der Status eines sicheren Währungshafen zugeschrieben wird. Es muss also noch etwas anderes dahinter stecken. Zum einen natürlich ein leicht schwächerer US Dollar, was uns in unserer Vermutung bestätigt, dass der USD als Reaktion auf US Importzölle aufwerten würde, solange dies keinen eskalierenden Handelskrieg nach sich zieht. Es ist jedoch auch auffällig, dass der EUR besonders zulegen konnte, nachdem Daniele Nouy, Präsidentin der europäischen Bankenaufsicht, in einer Rede gesagt hatte, dass mehr Banken angesichts des bevorstehenden Brexits einen Umzug in die Eurozone vorbereiten. Interpretiert man dies als ein Zeichen, dass die Bedeutung des europäischen Finanzmarktes nach dem Brexit zunimmt, passt die EUR-Aufwertung zu der Erklärung, dass der EUR als Reservewährung attraktiver wird.

Aber ist es wahrscheinlich, dass der EUR dem USD als bevorzugte Reservewährung zusetzen kann? Am kommenden Freitag veröffentlicht der IWF die Daten zur Zusammensetzung der Fremdwährungsreserven (COFER, Abb. 1 im Dokument) für das vierte Quartal 2017. Die sind derzeit zwar im historischen Vergleich kaum interpretierbar, da China seinen Anteil der berichteten Reserven kontinuierlich erhöht. Dennoch ist eindeutig, dass der US Dollar die dominierende Reservewährung ist und wohl auch bis auf weiteres bleiben wird, denn die harten Fakten werden von ökonomischen Argumenten gestützt. Einer der wichtigsten Argumente für den Dollar als Weltleitwährung sind Netzwerkeffekte – also Vorteile, den Dollar bei internationalen Transaktionen zu nutzen, die sich daraus ergeben, dass er von vielen genutzt wird, was das Wechselkursrisiko und Transaktionskosten senkt. Laut der BIZ war der USD 2016 in 88% der Devisenmarkttransaktionen involviert – der Euro nur in 31%. Zudem ist der Euroraum aufgrund seines Leistungsbilanzüberschusses kaum in der Lage, der Welt in ausreichendem Maße den EUR als Reservewährung zur Verfügung zu stellen. Den USA ist es aufgrund ihres exorbitanten Privilegs möglich, dauerhaft ein Leistungsbilanzdefizit aufzuweisen und die Welt so mit USD zu versorgen. Der EUR legt dementsprechend eher nicht zu, weil er gegenüber dem USD deutlich attraktiver wird. Vielmehr scheint der Effekt, dass seit der französischen Präsidentschaftswahl die Argumente gegen den EUR an Bedeutung verlieren, anzuhalten, da die strukturellen Risiken aus der Euroraum-Schuldenkrise angesichts stärkerer Integrationsbemühungen und eines besseren Konjunkturausblicks in den Hintergrund treten. Das spiegelt sich auch am EUR-Anteil in den Devisenreserven wider, der im Zuge der Euroraum-Krise zurückgegangen war und sich jetzt wieder erholt. Die graduelle EUR-Aufwertung (Abb. 2 im Dokument) kann dementsprechend noch eine Weile anhalten, solange der Markt an seinen Hoffnungen auf eine baldige Normalisierung der EZB-Geldpolitik festhält.

Produktidee: Classic Turbo-Optionsscheine
WKN Typ Basiswert Merkmale
CV48XZ Call EUR/USD Hebel: 7,2
CV48YH Put EUR/USD Hebel: 27,2

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