
USD: Heute Abend (europäische Zeit) ist es soweit: die erste FOMC-Pressekonferenz mit Jerome („Jay“) Powell als Fed Chair. Die Zinserhöhung ist eingepreist. Worum geht es also heute aus Sicht des Devisenmarktes? Neben allen Details (dazu gibt‘s genug Info in der Presse) geht es im Kern darum, ob erkennbar wird, dass die Fed von „passiver“ zu „aktiver“ Zinspolitik wechselt. Was meine ich damit?
• „Aktive“ Geldpolitik ist das, was „alte“ Leute (die die prä-2008-Ära bewusst miterlebt haben) als normal ansehen: Der Realzins (die Differenz aus nominalem Zins und Inflationserwartungen) schwankt vor allem deshalb, weil der Nominalzins schwankt – getrieben von einer Geldpolitik, die mittels Zinsen die Inflationserwartungen weitgehend verankert.
• „Passive“ Geldpolitik ist das, was wir meistens seit 2008 erlebten: Der Nominalzins war weitgehend an der praktikablen Untergrenze nahe 0% verankert. Der Realzins schwankte auch, allerdings mittels Variation der Inflationserwartungen.
Zentralbanken, die die Inflation steuern wollen, ziehen den Zustand einer aktiven Geldpolitik vor. Nur dann haben sie Kontrolle über Inflationserwartungen und somit mittelfristig über die Inflationsrate selbst. Hätte die Fed zu schnell in den „aktiven“ Modus gewechselt, hätte sie eine Rückkehr in die Nullzins-Falle riskiert. Deshalb war sie vorsichtig. Momentan steht sie an der Schwelle zur sichtbaren „Aktivierung“ der Geldpolitik. Das ist der wesentliche Unterschied zu EZB und BoJ. Für die USD-Wechselkurse ist das aus zwei Gründen relevant:
(1) Kurz- bis mittelfristig ist der Nominalzins für die USD-Wechselkurse wichtiger als der Realzins. Bei aktiver Geldpolitik ist Platz für höhere Nominalzinsen.
(2) Die Zentralbanken (im Konsens mit der Mainstream-Ökonomik) gehen davon aus, dass sie bei steigendem Inflationsdruck präemptiv (durch Zinserhöhungen) den Realzins ansteigen lassen können, quasi mit ihrem Nominalzins jeglichen Inflationsdruck überkompensieren sollten. Es gibt im FOMC und in Academia Zweifel daran, ob diese Sicht richtig ist. Diese Frage sei zukünftigen Forschern zur Klärung überlassen. Solange die Mehrheit der Marktteilnehmer den Realzins als Politik-Variable der Fed (und nicht als exogen) ansieht, hieße ein Wechsel zu aktiver Geldpolitik auch: Es besteht die Erwartung steigender Realzinsen.
Hinzu kommt ein weiterer Faktor. In den letzten Monaten haben Nachrichten aus dem Weißen Haus die USD-Wechselkurse signifikant beeinflusst. Sie mögen ein Grund für die USD-Schwäche von Dezember / Januar gewesen sein. Würde die Fed Teil der „drain-the-swamp“-Gegenreformation der gegenwärtigen US-Administration werden, wäre es aus mit aktiver Geldpolitik. Die tut realwirtschaftlich weh und ist nie das, was Regierungen wünschen. Es wird heute Abend also auch darauf ankommen, welchen Eindruck der von Trump nominierte Powell in der Frage seiner Unabhängigkeit vom Weißen Haus hinterlässt.
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