USD: Der Arbeitsmarktbericht vom Freitag hatte für jeden etwas dabei: eine überraschend hohe Zahl neu geschaffener Stellen (313 Tsd. gegenüber Analysten-Erwartungen von 205 Tsd.) für die USD-Bullen und eine überraschend niedrige Lohnentwicklung (durchschnittliche Stundenlöhne +2,6% gegenüber Vorjahr, vgl. mit Analysten-Erwartungen von 2,8%) für die USD-Bären. Nur: Der Devisenmarkt machte auch all dem fast gar nichts. Ja, die USD-Bewegung nach den Zahlen war erratisch ohne besondere Richtung. Das ist normal nach solch gemischten Datenveröffentlichungen. Allerdings fiel die Amplitude der Bewegung gering aus. Kaum mehr als 40 EUR-USD-Pips lagen zwischen den Extremen unmittelbar nach den Daten. Das wiederum zeigt uns: Dem Markt ist der Ausblick auf die US-Zinsentwicklung – oder zumindest auf den Teil, der von US-Wirtschaftsdaten getrieben wird – einigermaßen egal. Zwei Motive sprechen für dieses Verhalten:
(1) Momentan dominieren politische Risiken die USD-Entwicklung. Das Chaos, das die US-Administration derzeit verbreitet, erzeugt USD-Risikoprämien. Und deren Entwicklung dominiert im Vergleich zu den „üblichen“ Treibern wie einem US-Arbeitsmarktbericht. So mögen konziliantere Töne des US-Präsidenten, der bei Wohlgefallen Erleichterungen bei den Strafzöllen in Aussicht stellt, tatsächlich von einigen Marktteilnehmern als USD-positiv gewertet werden. Auch wenn ich das nicht so sehe, sondern die Abkehr der USA vom Freihandels-Akkord als die wesentliche Nachricht der derzeitigen US-Handelspolitik erachte – egal ob der Präsident hier und da Gnade walten lässt. Mit Freihandel hätten solche Akte nichts zu tun.
(2) Die Unsicherheit darüber, was die Fed aus der Lohn- und Konsumentenpreisentwicklung macht, ist höher denn je. Der neue Fed-Chair und die Frage, wer neben ihm in Zukunft im Board of Governors sitzen wird, erzeugen eine zusätzliche Schicht von Unsicherheit, die zu der Frage, wie die Fed den geldpolitischen Normalisierungsprozess fortsetzt, hinzukommt. Das heißt: Egal, wie Daten ausfallen, der Markt kann sie kaum in USD-Wechselkursimpulse übersetzen, denn es fehlt ihm die Vorstellung einer geldpolitischen Regel. Anders gesagt: Es ist nicht klar, was die Fed aus positiver Arbeitsmarktentwicklung und / oder enttäuschender Entwicklung der Lohninflation machen wird – weil eh niemand weiß, wie die Fed den weiteren Ausstieg aus der beispiellosen Geldpolitik gestalten wird.
Zumindest bleibt festzuhalten: Die USD-Abschwächung, die wir bis Ende Januar beobachteten, ist vorbei. Der Trend ist schon lange nicht mehr Freund der USD-Bären. Zwar kann sich die US-Währung nur sehr graduell und unter erheblichen Schwankungen erholen, aber grosso modo verhält sie sich weitgehend immun gegenüber neuerlichem politischem Störfeuer. Seien wir doch froh, dass fundamentale Treiber sich nicht immer schlagartig in den Preisen niederschlagen. Sonst hätte fundamentale Analyse wenig prognostischen Nutzen.
JPY: Japans Regierung steht unter zunehmendem politischem Druck. Der „Schul-Skandal“ setzt Finanzminister Taro Aso zu. Seine Versicherung, nicht zurücktreten zu wollen, klingt wie das Pfeifen im Walde. Und da Premier Shinzo Abe seinen Rücktritt für den Fall angekündigt, hat, dass man ihm Verwicklungen nachweisen könnte, ist jede neue Volte im Skandal ein Anlass, die Fortsetzung der Abeschen Wirtschaftspolitik in Frage zu stellen. Kein Wunder, dass die Korrektur der JPY-Stärke heute Morgen nicht fortgesetzt wird. Dabei sah in den letzten Tagen alles so schön aus. Die JPY-Stärke vom Februar setzte sich nicht fort, sondern korrigierte deutlich. Für den Markt sind (JPY-negative) Abenomics ohne Abe aber kaum vorstellbar. Allerdings dürfte Wohl und Wehe des Yen weitaus weniger von der Abeschen Fiskalpolitik als von der Geldpolitik der BoJ abhängen. Zugegeben: Auch die BoJ hat in letzter Zeit für Verwirrung gesorgt (und war wesentlicher Grund für die JPY-Stärke im Februar). Allerdings brachte die BoJ-Sitzung am Freitag wenigstens dahingehend Klarheit, dass die Aussicht auf eine rasche Normalisierung der Geldpolitik darauf bedingt ist, dass die BoJ mal wieder eine rasche Normalisierung der Inflation erwartet – wie schon so oft. Damit überzeugt sie niemand, und das wirkt auch nicht mehr JPY-positiv. Im Gegenteil. Wenn diese alte Leier der Grund für falkenhaft klingende Äußerungen ist, dann entfällt ein gewichtiges JPY-negatives Argument. Was am Freitag galt (und JPY-schwächend wirkte), wird m.E. durch den Schul-Skandal nicht zunichte gemacht. Die Geldpolitik ist die für den JPY wichtige Säule, nicht die Fiskal- und Strukturpolitik einer wackelnden Regierung.
Holen Sie sich das Marktgeschehen in die Hosentasche!
Sie sind immer auf der Suche nach spannenden Kapitalmarktthemen und aussichtsreichen Marktentwicklungen? Aber Sie haben keine Zeit um stets den gesamten Markt zu überblicken und nach den neusten Anlagelösungen zu suchen? Unser innovativer Service ist die Lösung!
Mit unserem neuen WhatsApp-Newsletter informieren wir Sie direkt aus dem Handelssaal der Commerzbank immer über die aktuellsten Marktentwicklungen. Wir machen Sie auf alle wichtigen Börsenereignisse aufmerksam udn senden Ihnen passende Analysen.
Melden Sie sich jetzt kostenlos an und holen Sie das Marktgeschehen auf Ihr Smartphone!
Bei den hier dargestellten Inhalten handelt es sich um fremde Inhalte. Für diese fremden Inhalte ist ausschließlich der jeweilige Eingeber verantwortlich. Eine inhaltliche, redaktionelle Überprüfung durch die DZB Media GmbH erfolgt ausdrücklich nicht. Bitte beachten Sie in diesem Zusammenhang ergänzend den Haftungsausschluss unter https://www.zertifikateberater.de/impressum.
Sollte ein hier durch einen Eingeber distribuierter Inhalt aus Ihrer Sicht gegen geltendes Recht verstoßen, schicken Sie bitte eine Email an nc. Der gemeldete Inhalt wird umgehend überprüft und ggf. gesperrt.