EUR: Es war zu befürchten. Nach den Parlamentswahlen scheint es keine klaren politischen Verhältnisse in Italien zu geben. Auch wenn die Ergebnisse noch nicht feststehen, so legen die Umfragen derzeit nahe: Das schlechte Abschneiden der Sozialdemokraten und das gute Abschneiden der Populisten zur Rechten wie zur Linken führt zu einem Ergebnis, das keine schnelle Regierungsbildung zu ermöglichen scheint. Daraus ein signifikant EUR-negatives Argument zu stricken, fällt mir allerdings schwer. Denn in einem schienen sich eh alle Parteien in Italien einig zu sein (bis auf die Liga Nord – aber das ist sowieso eine andere Geschichte…): mehr Schulden. Italien dürfte – egal unter welcher Regierung – in den nächsten Jahren vor allem egozentrisch auf Zugeständnisse beim Schuldenmachen pochen. Ein verlässlicher Partner in einem konstruktiven europäischen Reformprozess (dessen Ansätze bislang vom Devisenmarkt EUR-positiv interpretiert wurden) sieht anders aus.
Andererseits fällt mir ebenso schwer, im Referendum der SPD-Mitglieder ein EUR-positives Argument zu sehen. Ja, jetzt wird’s was mit der Regierungsbildung in Berlin. Aber ob die Sozialdemokraten nach der Selbstdemontage von Martin Schulz noch eine treibende Kraft im vom Markt EUR-positiv interpretierten europäischen Reformprozess werden, darf bezweifelt werden. Die Punkte, in denen die SPD ihrer Marginalisierung zu trotzen versucht, dürften eher auf dem Feld der Sozial- als der Europapolitik liegen. Mein subjektiver Eindruck ist: Viele Marktteilnehmer fragen sich eher, wohin sich die CDU unter einer angeschlagenen Kanzlerin europapolitisch bewegt. Und diesbezüglich vermute ich keine allzu EUR-positiven Erwartungen bei der Mehrheit des Marktes.
USD: Die Zeichen stehen auf Handelskrieg. US-Präsident Donald Trump will Strafzölle auf Stahl und Aluminium einführen; die Europäer drohen mit Gegenmaßnahmen bei Motorrädern, Bourbon, Bekleidung etc.; und Trump droht mit Gegen-Gegenmaßnahmen (Strafzölle auf Autos). So kann die Eskalation ewig weitergehen, und am Ende haben wir eine Rezession auf beiden Seiten des Atlantiks. Damit wir uns recht verstehen: Unsere Volkswirte sind überzeugt, dass es dazu nicht kommt und dass es im Wesentlichen beim Säbelrasseln bleibt. Aber es kommt am Devisenmarkt nicht darauf an, was das Commerzbank Research glaubt, sondern darauf, was der Markt daraus macht (wenigstens auf kurze bis mittlere Sicht). Und der ist weniger entspannt als unsere Volkswirte. Nach seiner Sicht steht es im Handels-Scharmützel bislang 1:0 für den Euro – zumindest legte EUR-USD im Gleichschritt mit dem Nachrichtenfluss zu diesem Thema in den letzten Tagen deutlich zu.
Ich bin mir da nicht so sicher. Trump holt mit seinen Drohungen die große Keule raus: Stahl (als wichtige Vorleistung für weite Teile des verarbeitenden Gewerbes) und Autos (aufgrund ihres großen Anteils am Welthandel) sind Felder, die in den USA eher inflationäre Wirkungen entfalten könnten als Bourbon, Jeans und Harley Davidson hier. Bislang scheinen die Europäer sich auf politisch effiziente Nadelstiche beschränken zu wollen, während Trump die politisch wie volkswirtschaftlich entscheidenderen Felder anfasst. Bliebe es bei dieser Asymmetrie, wäre in einem sich aufschaukelnden Handelskrieg die inflationäre Wirkung der US-Maßnahmen größer. Und wenn man nicht gleich eine Rezession unterstellt, heißt das, dass der geldpolitische Effekt auf die Fed-Geldpolitik größer ausfallen dürfte als der auf die EZB-Geldpolitik. Zumal erstere so langsam wieder in den Bereich der „aktiven“ Geldpolitik einschwenkt, inflationäre Effekte also mit umso größeren Zinsschritten überkompensieren müsste. So weit ist die EZB – die weiterhin Sorge um zu niedrige Inflation hat – noch lange nicht. Solange der Handelskonflikt nicht Rezessionen auslöst, sehe ich darin summa summarum folglich eher eine USD-positive Entwicklung. Freilich beruht diese Sicht auf der Annahme einer Fed, die weiterhin inflationssteuernd unterwegs ist – gegenüber Trumps Eskapaden also immun bleibt. Ich verstehe die, die diesbezüglich anderer Meinung sind.
Überhaupt: Was der Nachrichtenfluss vom Wochenende gebracht hat, war der Eindruck, dass es irgendwo halt immer klemmt. Wenn’s was mit der Regierungsbildung in einer Hauptstadt wird, dann gibt’s Probleme in der nächsten. Wer kann es da dem Devisenmarkt verübeln, dass er sich ein zentralistisches Europa wünscht? Gleichzeitigt verdeutlicht die politische Dauerbaustelle aber auch, dass ein Weg zu solch einem Zustand extrem holprig wäre. Die Euphorie über die Europäische Initiative des französischen Präsidenten half dem Euro im letzten Frühjahr. Mehr und mehr dürfte diese Euphorie bröckeln.
GBP: PM Theresa Mays Rede wurde in Großbritannien weitgehend positiv aufgenommen. Hat man dort eine andere Rede übertragen als hier? Ihr letzter, zusammenfassender Satz zeigt m.E. vielmehr, dass es weiterhin haken dürfte:
“So my message to our friends in Europe is clear: we know what we want; we understand your principles; we have a shared interest in getting this right. So let’s get on with it”.
Genau so ist es eben nicht. Die Vorstellungen der britischen Seite bleiben weiterhin nebulös unbestimmt. So gibt es beispielsweise zur Irland-Frage es weiterhin nur unklare Vorstellungen aus London. Und diese gehen nicht auf unverhandelbare europäische Prinzipien ein. So mag es ja durchaus sein, dass nach einem Brexit die Regulierungen im Insel-Königreich weitgehend den europäischen entsprechen werden. Für eine Zollunion bedarf es aber klarer Prozesse, die Kontrollen und Sanktionen enthalten. May versteht eben nicht diese europäischen Prinzipien. Für mich war diese Rede eine große Enttäuschung, die meine Sorge bekräftigt, dass die Verhandlungen noch lange schwierig bleiben werden. Ja, einige europäische Regierungen drängen die Kommission zu einer kompromissbereiten Haltung. Doch kann Brüssel so kompromissbereit sein, wie es will. Wenn aus London nichts Konstruktives kommt, geht’s halt nicht weiter.
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