USD: Jerome Powell hat heute seinen ersten großen offiziellen Auftritt als neuer Fed Chair. Die halbjährliche Anhörung vor dem Kongress steht an. Diese gilt als Grund für den eher antriebslosen Handel gestern – vor der Rede möchte kein Händler größere Risiken eingehen. Dabei wird Powell wohl vor allem ein Interesse daran haben, die Kontinuität der Geldpolitik nach seiner Amtsübernahme von Janet Yellen zu betonen und größere Marktreaktionen, die ihm seine Arbeit erschweren, zu vermeiden. Doch auch Yellen müsste sich, wäre sie noch im Amt, damit auseinandersetzen, dass sich der Ausblick für die US-Wirtschaft zumindest in der kurzen Frist deutlich aufgehellt hat und sowohl die Lohnentwicklung als auch die Verbraucherpreisinflation zuletzt auf der Oberseite überrascht haben. Der Fokus liegt vor allem darauf, wie Powells Zinsausblick ist: beruft er sich auf den aktuellen Konsens, der bei inzwischen nahezu auch vom Markt erwarteten drei Zinserhöhungen liegt, oder signalisiert er die Möglichkeit für vier Zinserhöhungen in diesem Jahr, was einen zusätzlichen Impuls für den Dollar von Seiten der Geldpolitik bedeutet? Wir halten letzteres für gerechtfertigt, nachdem die Steuerreform die bereits gut laufende Wirtschaft zusätzlich anheizt, wovon auch die heutigen Wirtschaftsdaten profitieren dürften. Doch das wird mit höheren Staatsschulden erkauft, die den längerfristigen USD-Ausblick belasten. Auch darauf muss Powell heute wohl eingehen. Weder Powell noch dem Dollar steht ein leichter Tag bevor.
EUR: Bei EZB-Präsident Mario Draghis gestriger Rede war wirklich für jeden was dabei. EUR-Bullen haben sich über den anhaltenden Optimismus gefreut, dass die anziehende Konjunktur sich in der Preisdynamik niederschlagen wird, und die Inflation – gestützt von einer geduldigen und ausdauernden Geldpolitik – zurück auf das 2%-Inflationsziel führen wird. EUR-Bären haben sich dagegen auf den Hinweis gestürzt, dass weiter Unsicherheiten vorherrschen und die Volatilität an den Finanzmärkten, insbesondere im Wechselkurs, einer genauen Beobachtung bedürfe. Die Reaktion des selbigen auf Draghis Rede blieb dementsprechend verhalten. Der Euro befindet sich im Wartemodus – Taktgeber in EUR-USD ist immer noch die USD-Seite. Das ist derzeit auch durchaus gerechtfertigt, schließlich setzt die EZB auf abwarten, den Euro beobachten und hoffen, dass die Inflation anzieht, damit man dann, nach dem sich immer deutlicher abzeichnenden Ende der Anleihekäufe, irgendwann die Zinsen anheben kann. Und erst wenn sich das abzuzeichnen beginnt, ist es für den Euro Zeit, aus seinem Winterschlaf aufzuwachen.
GBP: Die Luft für Premierministerin Theresa May wird dünner – falls das überhaupt noch möglich ist. Gestern äußerte sich Oppositionsführer Jeremy Corbyn dazu, wie die Labour-Partei den Brexit ausgestalten würde – und sprach sich für einen Verbleib in der Zollunion aus. Damit formulierte er einen Kompromiss, der nicht nur von britischen Unternehmen wohlwollend aufgenommen wurde, sondern sowohl in Brüssel Anklang fand als auch bei gemäßigteren konservativen Abgeordneten den richtigen Nerv zu treffen scheint. Damit steigt die Wahrscheinlichkeit, dass sich diese im Parlament bei den anstehenden Abstimmungen über die wichtige Brexit-Gesetzgebung mit den Labour-Abgeordneten verbünden – und so beispielsweise einen Änderungsantrag der Tory-Abgeordneten Anna Soubry durchbringen könnten, der den Verbleib Großbritanniens in der Zollunion zum Inhalt hat. Damit bringt Crobyn May in arge Bedrängnis, die in einer Rede am Freitag ihren Brexit-Plan vorstellen will. Dieser muss nicht nur den Weg für einen Kompromiss zwischen den Brexit-Hardlinern und den gemäßigteren Kräften ihrer Partei ebnen, sondern auch Brüssel als realistische Verhandlungsgrundlage überzeugen. Erschwerend kommt hinzu, dass die EU morgen einen umfassenden Entwurf für ein Brexit- und Übergangsabkommen veröffentlicht, das entscheidende Vorschläge Mays außen vor lässt. May steht vor einer schier unmöglichen Aufgabe, die bis Freitag nicht nur die Premierministerin, sondern auch das Pfund in Atem halten wird.
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