
JPY: Die scharfe US-Dollar-Abwertung seit Mitte Dezember scheint vorerst gestoppt. Zuletzt konnte die US-Währung wieder deutlich Boden gutmachen. Im G10-Universum gibt es nur eine Währung, die seit Anfang Februar noch besser abgeschnitten hat: der japanische Yen. Unsere Währungsindizes zeigen, dass die JPY-Stärke genau zu Beginn der jüngsten Aktienmarktkorrektur einsetzte, was darauf hindeutet, dass der Yen aufgrund einer erhöhten Risikoaversion als sicherer Währungshafen gesucht war. Allerdings hegen wir erhebliche Zweifel daran, dass die JPY-Stärke nachhaltig ist. Schließlich ist der Grund für den Stimmungsumschwung an den Märkten die Furcht vor einer aktivistischeren US-Geldpolitik, d.h. einer schneller anziehenden US-Inflation und, im Zuge dessen, zügigeren Zinserhöhungen durch die Fed, die wiederum die (Welt-) Konjunktur abwürgen könnten. Sollte es tatsächlich so kommen, dann müsste der Yen unserer Ansicht nach eigentlich eine der Währungen sein, die am stärksten darunter zu leiden hat. Der Grund hierfür liegt in der japanischen Geldpolitik. So ist die Bank of Japan (BoJ) im Vergleich zu anderen großen Notenbanken noch meilenweit von ihrem Inflationsziel entfernt. Zumal sie sich auch noch vorgenommen hat, so lange an ihrer expansiven Geldpolitik festzuhalten, bis die Inflation ihr 2%-Ziel einige Zeit lang überschossen hat, um so die Inflationserwartungen auf höheren Niveaus zu verankern. Aktuell liegt der unterliegende Inflationstrend in Japan aber bei nur rund 0,5%, womit man meinen könnte, dass eine Normalisierung der Geldpolitik nicht in Sicht ist. Nur, warum wertet der JPY dann nicht ab?
Meiner Ansicht nach hat die BoJ ein Kommunikationsproblem. Seit sie im September 2016 die Strategie der Zinskurvenkontrolle zusätzlich zu ihrem bisherigen Anleihekaufprogramm eingeführt hat, ist im Grunde genommen unklar, welches Instrument nun im Fokus ihrer Geldpolitik steht. Denn neben der Einführung eines Renditeziels hielt die BoJ zunächst auch an dem Zielvolumen für ihre Anleihekäufe von 80 Billionen JPY im Jahr fest. Wir kritisierten schon damals, dass diese beiden Ziele nicht miteinander vereinbar wären. Denn entweder sie verfolgt ein Renditeziel und verteidigt dies mittels ihrer Anleihekäufe, wodurch das Kaufvolumen aber natürlich variiert. Ist ihr Renditeziel nur glaubwürdig genug, ist sogar vorstellbar, dass sie gar keine Anleihen mehr kaufen muss. Oder aber sie legt das Volumen ihrer Anleihekäufe fest, wodurch dann jedoch die Rendite fluktuiert. Über das vergangene Jahr wurde dann aber klar, dass die BoJ mehr Wert auf das Renditeziel legt, da sie dazu überging, nur so viele Anleihen zu kaufen, wie nötig waren, um das Renditeziel zu verteidigen. In seiner heutigen Parlamentsanhörung signalisierte BoJ-Chef Haruhiko Kuroda nun aber, dass es wohl doch nicht so einfach ist. So betonte er, dass das Ziel der Notenbank, die Inflation überschießen zu lassen, sich in erster Linie auf eine Ausweitung der Geldbasis, d.h. einer Fortsetzung der Anleihekäufe, bezieht, womit er im Prinzip signalisiert, dass eine Änderungen des Renditeziels im Rahmen der Zinskurvenkontrolle schon vor Erreichen des Inflationsziels möglich wäre. Womit wir wieder bei unserem Ausgangsproblem wären: Was ist denn nun das präferierte Instrument der BoJ? Bei so widersprüchlichen Signalen wundert es dann auch nicht, dass Spekulationen aufkommen, dass die BoJ im Zuge der fortgesetzten US-Zinserhöhungen ebenfalls ihr Renditeziel anhebt, was den JPY natürlich stützt. Wir bleiben aber bei unserer Sicht, dass die BoJ aufgrund der anhaltend niedrigen Inflation noch weitaus länger an einem niedrigen Zinsniveau festhalten wird, als andere große Notenbanken, weswegen der JPY früher oder später deutlicher abwerten wird.
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