26.01.18, 10:36

Draghi mahnt, Trump rudert zurück

EUR-USD: Dass der EZB-Chef so deutlich auf die Äußerungen des US-Finanzministers Steven Mnuchin antworten würde, das war dann doch überraschend. Mario Draghi nannte zwar keine Namen, aber jedem war klar, von wem er sprach, als er gestern während der EZB-Pressekonferenz erklärte, dass einer der Gründe für den jüngsten EUR-USD-Anstieg die Kommunikation anderer in Bezug auf den Wechselkurs war. Dabei kritisierte Draghi konkret, dass die Äußerungen nicht dem zuletzt beim IWF-Jahrestreffen am 14. Oktober 2017 in Washington vereinbarten Sprachgebrauch entsprechen würden. Damit meinte er, dass sich die großen Industrienationen darauf geeinigt hatten, ihre Wechselkurse nicht aus Wettbewerbsgründen zu schwächen, wogegen Mnuchin mit seinem Kommentar, dass ein schwacher Dollar gut für den US-Handel wäre, klar verstoßen hat. Kurz gesagt: Draghi warf Mnuchin Wechselkursmanipulation vor.

Genauso überraschend wie Draghis klarer Tadel gegenüber dem US-Finanzminister, war für mich allerdings die Reaktion des Euros darauf. EUR-USD stieg weiter an! Glaubt der Markt, dass dies nur eine leere Drohung des EZB-Präsidenten war? Klar, auf den ersten Blick mag man sich fragen, was die EZB für Mittel hätte, um gegen den EUR-USD-Höhenflug vorzugehen. Tatsächlich habe ich selber vor kurzem darüber sinniert und bin zu dem Schluss gekommen, dass zumindest die von ihr bevorzugten Instrumente – Leitzinsen und Anleihekaufprogramm – nahezu erschöpft sind. Doch da war meine Annahme, dass der EUR-USD-Kurs vor allem durch vom Markt erzeugte USD-Schwäche steigen würde, nicht durch Wechselkursmanipulation seitens der US-Führung! In letzterem Fall reden wir von einem Währungskrieg, in dem die EZB durchaus Mittel hätte, um zurückzuschlagen: Devisenmarktinterventionen. Tatsächlich wäre sogar vorstellbar, dass sie sich mit anderen großen Notenbanken zusammenschließt, die die Versuche der USA, den Dollar zu schwächen, ebenso kritisch sehen. Wir gehen nicht davon aus, dass es zu so einem Extremfall kommt. Aber ich wäre zumindest vorsichtig, Draghi zu unterschätzen.

Gleichzeitig scheint der Markt meiner Ansicht nach den Einfluss der US-Regierung auf den USD-Wechselkurs zu überschätzen. Das konnte man daran sehen, dass der USD doch recht deutlich auf die Aussagen von Mnuchin reagierte und nun fast genauso schnell wieder korrigiert, nachdem US-Präsident Donald Trump die Kommentare seines Finanzministers quasi wieder negiert hat. So meldete sich Trump gestern aus Davos zu Wort und bemerkte, dass Mnuchin’s Äußerungen aus dem Zusammenhang gerissen wurden. Der Dollar werde aufwerten, etwas, was er gerne sehen würde, so Trump. Unabhängig davon, ob dies einem Sinneswandel der US-Regierung entspricht, oder ob sich Mnuchin schlicht und ergreifend verplappert hat, erstaunt mich doch die spürbare Marktreaktion. Denn der Markt muss sich doch auch an dieser Stelle fragen, was die US-Regierung den konkret machen könnte, um die Währung zu schwächen, wenn sie das tatsächlich wollte. Die Wechselkurspolitik der USA mag in den Händen des US-Finanzministeriums liegen. Das heißt, Mnuchin könnte in der Tat Interventionen zur Schwächung des Dollars anweisen. Allerdings stehen ihm hierfür nur sehr begrenzte Mittel zur Verfügung. Der für Interventionen vorgesehene so genannte Exchange Stabilization Fund (ESF) hat gerade einmal ein Volumen von etwa 90 Mrd. USD (Stand Ende 2016) – ein Kleckerbetrag im besten Fall. Um den Dollar wirklich effektiv mittels Devisenmarktinterventionen zu schwächen, wäre die US-Regierung vor allem auf die Unterstützung der US-Notenbank angewiesen. Denn nur die könnte im unbegrenzten Umfang Dollar drucken und am Markt verkaufen. In der Vergangenheit war es auch tatsächlich üblich, dass das Finanzministerium und die Fed Interventionen koordiniert haben. Doch können wir uns dieses Mal wirklich sicher sein, dass die Fed mitmachen würde? Wie Ulrich Leuchtmann gestern bereits schrieb, gibt es durchaus Situationen, in welchen eine schwache Währung sinnvoll wäre. Doch angesichts der momentanen Verfassung der US-Konjunktur ist das aktuell zweifellos nicht der Fall. Zumal die Fed gerade im Prozess ist, ihre Geldpolitik zu normalisieren. Ein schwacher Dollar würde genau konträr zu einer straffen Geldpolitik wirken.

Zusammengefasst: Ich wäre mir nicht so sicher, wer bei einem Währungskrieg Verlierer oder Gewinner wäre. Es bleibt zu hoffen, dass es gar nicht erst so weit kommt.

Produktidee: Faktor-Zertifikate
WKN Typ Basiswert Merkmale
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