USD: Viele Augen richten sich aktuell auf die Schweiz, da sich im tief verschneiten Davos etliche große Regierungschefs beim World Economic Forum zu Wort melden. Für den Devisenmarkt dürfte nicht allzu viel dabei herauskommen, vorausgesetzt, es kommen keine überraschenden Äußerungen zu Handelspraktiken seitens des US Präsidenten, der am Freitag auftreten wird und schon im Vorfeld mit dem Beschluss zur Einführung von Zöllen auf Solarpanele und Waschmaschinen große Sorgen vor verstärkten Spannungen im Welthandel schürt, die den Dollar fallen lassen. Trompetet Trump in Davos weiter Protektionismus, bleibt der USD aus Sorge vor einem drohenden Handelskrieg unter Druck.
Das Senate Banking Committee hat sich derweil den vom US Präsidenten vorgeschlagenen Kandidaten für das Board of Governors der Fed, Marvin Goodfriend, genau angeschaut. Für den Markt ist dabei wichtig zu wissen, wie er das zukünftige Board-Mitglied einschätzen soll. Goodfriend, Professor für Volkswirtschaft und ehemaliger Berater der Richmond Fed, kann aber (noch) nicht als Falke oder Taube eingeordnet werden, denn er ist bisher nicht viel mit Reden in Erscheinung getreten. Er möchte laut eigener Worte sein Wissen und seine Erfahrung für mehr Transparenz und Verantwortung in der Fed einsetzen. Die Fed, so Goodfriend, sei mehr oder weniger auf dem richtigen Weg, die Inflation stiege langsam an. Goodfriend hat sich in der Vergangenheit gegen Quantitative Easing und für negative Zinsen in Krisenzeiten ausgesprochen, aber diese Erkenntnis hilft dem Markt nicht weiter, wenn er versuchen möchte, Goodfriend einen Stempel aufzudrücken. Schließlich ist die Fed gerade im Zinserhöhungszyklus und reduziert ihre Bilanz. Vom Krisenmodus ist sie weit entfernt. Am besten warten wir ab, wie sich Goodfriend in Zukunft äußert, wenn er dann wirklich irgendwann im Board of Governors sitzen wird. Vorher sind Spekulationen über „er ist ein Falke“ oder „er ist eine Taube“ und damit über seinen möglichen Einfluss auf die Zinspolitik und den Dollar eindeutig verfrüht.
EUR: Wenn ich an die EZB-Sitzung morgen denke, fällt mir ein Sprichwort ein: der Berg kommt nicht zum Propheten. Genauso scheint es EZB-Präsident Mario Draghi zu halten. Trotz der vielen, seit Wochen anhaltenden Spekulationen im Markt, die EZB könne bald ihre Kommunikation ändern und schon Ende des Jahres den Einlagensatz anheben, was den Euro zum Höhenflug trieb und einige EZB-Offizielle wiederum zu mahnenden Äußerungen veranlasste, hat sich Draghi seit der letzten EZB-Sitzung im Dezember nicht zu Wort gemeldet. Er ist der (stille) Fels in der Brandung. Aber sein Wort wird morgen gelten. Der Markt wird an seinen Lippen hängen, um zu erfahren, ob die Zinsspekulationen gerechtfertigt sind und wie der EZB-Chef die Aufwertung des Euro in den letzten Wochen bewertet. Wir mahnen schon seit geraumer Zeit zur Vorsicht in EUR-USD, da die Sichtweise des Markts überzogen ist, und sehen Korrekturpotential im Euro.
GBP: Seit Wochenbeginn ist das Pfund im Höhenflug, nachdem Frankreichs Präsident Emmanuel Macron in einem Interview signalisierte, Großbritannien könne zwar keinen vollen Zugang zum Binnenmarkt haben, aber vielleicht so etwas zwischen vollem Zugang und Handelsabkommen, das die Finanzdienstleistungen einschließt. Das schürt Hoffnungen auf einen weichen Brexit und beflügelt das Pfund. Ich bin aber vorsichtig. Die Zerrissenheit innerhalb der britischen Regierung bleibt groß und erschwert eine Einigung, sowohl in den eigenen Reihen als auch mit der EU. Die Frage der irischen Grenze ist ebenfalls alles andere als gelöst und wird noch ein großer Stolperstein bleiben. Allerdings profitiert das Pfund gleichzeitig von der aktuellen Dollarschwäche. Beide Effekte, Dollarschwäche und Pfundoptimismus, haben GBP-USD über 1,40-Marke steigen lassen. Wird einer der beiden Effekte korrigiert, geht es mit Cable schnell wieder bergab. Derweil wird der „britische Balg“ im Europaparlament schon verteilt: die nach dem Brexit frei werdenden 73 britischen Sitze im Parlament laut eines Vorschlags des Verfassungsausschusses des Parlaments zum einen an 14 EU Länder gehen (27 Sitze), der Rest (46) soll u.a. für zukünftige Beitrittsländer reserviert werden. Das erinnert an den Auszug eines WG-Mitglieds, dessen Überbleibsel verteilt werden. Irgendwie bedrückend, oder?
CHF: Interessant ist ein Interview des SNB Präsidenten Thomas Jordan zu Wochenbeginn. Jordan unterstrich, dass der Franken immer noch „hoch bewertet“ sei, weshalb die SNB an ihrer expansiven Geldpolitik festhalte. Da sich die Inflation nach wie vor auf niedrigem Niveau bewege, gebe es auch keinen Grund zur Eile, die Geldpolitik zu ändern. Die Reduzierung der SNB-Bilanz sei aktuell ebenso kein Thema, sondern erst, wenn es notwendig werde, die Geldpolitik restriktiver zu gestalten. Kurzum: Jordan bestätigt unsere Sichtweise, dass die SNB noch lange nicht an Zinserhöhungen denkt, sondern erst einmal die Vorgehensweise der EZB abwarten wird, um keine neue Aufwertung des Franken zu riskieren, die wiederum die Preisstabilität gefährden könnte. Wenn die EZB morgen also die Markterwartungen enttäuscht, kann der Euro noch einmal einknicken. Aber viel tiefer als 1,14-1,15 wird EUR-CHF wohl nicht mehr fallen. Dazu müsste die Risikoaversion wieder anspringen und der Franken als sicherer Hafen gefragt sein, wofür es derzeit aber keine Anzeichen gibt.
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