Klar, irgendwann ist der Spuk wieder vorbei und die Fähre nach Liberty Island nimmt wieder ihren Betrieb auf. Der realwirtschaftliche Effekt wird wahrscheinlich insignifikant sein. Für den Devisenmarkt ist das Ganze freilich signifikanter. Denn es ist ein weiterer Beleg für die Dysfunktionalität des politischen Systems der USA. Entsprechend hat heute Morgen in Asien der Greenback zunächst schwächer eröffnet. Seitdem erholt er sich allerdings. Während ich dies schreibe, notiert EUR-USD bereits wieder auf den Niveaus vom Freitagabend. Das wiederum nehme ich als Hinweis darauf, dass die USD-Schwäche der letzten Wochen schon sehr weit gelaufen war. Es bedarf offensichtlich USD-negativer Schlagzeilen, um allein die jetzigen Wechselkursniveaus zu rechtfertigen. Nun können wir natürlich noch weitere USD-negative Nachrichten sehen. Der Senat könnte sich z.B. heute nicht einigen. Aber auf Frist der nächsten Tage (wenn sich positive und negative Nachrichten so ungefähr ausgleichen sollten) glaube ich, dass die Dollar-Schwäche auslaufen könnte. Um bei Goethe zu bleiben: Das Wunder ist des Glaubens liebstes Kind.
EUR: Der SPD-Parteitag hat für die nächste GroKo gestimmt und damit die größte Hürde auf dem Weg zur Regierungsbildung aus dem Weg geräumt. Ob das verantwortungsvoll, suizidal oder beides war, darüber mögen meine Kollegen vom Makro-Research urteilen. Am Devisenmarkt ging diese Nachricht unter. Allerdings sei für die mittlere Sicht angemerkt: Jetzt bekommen wir in Deutschland wohl die Regierungskonstellation, die am ehesten Frankreichs Präsidenten bei seiner Europa-Initiative entgegenkommen dürfte. Die wurde vom Devisenmarkt letztes Jahr EUR-positiv aufgenommen. Das Ergebnis des SPD-Parteitages ist in diesem Sinn ein kleines EUR-positives Argument, das aber (siehe oben) nicht wirken kann, weil EUR-USD eh schon ziemlich fest notiert.
JPY: Morgen früh (vor Veröffentlichung der nächsten TagesInfo) wird die Bank of Japan (BoJ) ihre geldpolitische Entscheidung bekanntgeben. Natürlich wird von niemand ernsthaft eine aktuelle Änderung der geldpolitischen Parameter erwartet. Aber immer noch geistert die Meinung durch den Markt, die BoJ könne auf mittlere Frist die geldpolitischen Zügel wieder anziehen. In diesem Punkt bin ich so sehr „non-consensual“, wie man nur sein kann. Ich kann mir nicht vorstellen, wie es aus Sicht der BoJ jetzt Sinn machen kann, irgendeine noch so kleine Andeutung in Richtung geldpolitischer Normalisierung zu machen. Warum? (1) Der unterliegende Trend der Kerninflation liegt bei schlappen 0,3%. Japan ist noch meilenweit davon entfernt, das Inflationsziel von 2% nachhaltig zu erreichen. Wer auf Vorjahresvergleiche schaut (die durch Basiseffekte mehr verzerrt sind, als dass sie aktuelle Entwicklungen widerspiegeln), oder wer die Energiepreiseffekte einbezieht (und damit vergangene Energiepreisentwicklungen blind extrapoliert), dem ist eh nicht zu helfen. Die BoJ ist ganz sicher nicht so dumm. (2) In seiner jetzigen Stimmung würde der Markt sehr heftig auf falkenhafte Signale reagieren. Selbst wenn die BoJ schon jetzt eine graduelle geldpolitische Normalisierung als ideal betrachten würde, müsste sie wohl oder übel auf erste Schritte verzichten, denn graduell bekäme sie das momentan nicht hin. (3) Die BoJ hat versprochen, ein Überschießen der Inflation über das 2%-Ziel zuzulassen. Würde sie jetzt andeuten, von ihrem Versprechen abzuweichen, würde sie das 2%-Ziel sicherlich nicht erreichen. Denn wenn irgendetwas inflationär wirkt, dann dieses Versprechen. Die Erwartung von Inflation ist nun einmal notwendige Bedingung für Inflation. Auch das dürfte Japans Währungshütern bewusst sein. Dem Devisenmarkt ist es offensichtlich nicht bewusst.
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