EUR: Nach EZB-Ratsmitglied Franςois Villeroy de Galhau drückten gestern nun auch sein Kollege Ewald Nowotny und EZB-Vize-Präsident Vítor Constâncio ihre Sorgen bezüglich der jüngsten EUR-Aufwertung aus. So wäre der starke Euro laut Nowotny „nicht hilfreich“, zumal die Bewegung nicht mit der fundamentalen Situation im Einklang stehe, so Constancio. Gemeint sind damit in erster Linie die jüngst eher enttäuschenden Preisdaten. Constancio verweist explizit auf die im Dezember gefallene Teuerungsrate. Damit kristallisiert sich immer mehr heraus, dass das vom Markt als sehr falkenhaft aufgefasste EZB-Sitzungsprotokoll gar nicht so falkenhaft gemeint war. Ja, die EZB plant angesichts der starken Konjunkturdynamik eine gewisse Anpassung ihrer Kommunikation. Doch von einem schnellen Ausstieg aus der expansiven Geldpolitik war ganz und gar nicht die Rede. Insofern war insbesondere der Anstieg der Zinserwartungen am Markt, ein wichtiger Treiber der EUR-Stärke seit Ende letzter Woche, überzogen und wurde nun nach dem Zurückrudern der Notenbanker zum Teil korrigiert, weswegen auch der Euro wieder schwächer tendiert. Doch ein Problem hat die EZB damit nicht gelöst. Und zwar beziehen sich die Sorgen der Ratsmitglieder in Bezug auf den starken Euro sicherlich nicht nur auf die Bewegungen der letzten paar Tage. Der EUR-USD-Kurs zieht vielmehr bereits seit Mitte Dezember deutlich an und die Gemeinschaftswährung hat in dieser kurzen Zeit schon rund 4% gegenüber dem Greenback zugelegt. Allerdings ist das weniger einem übermäßig starken Euro geschuldet, sondern, , vielmehr einem erstaunlich schwachen US-Dollar. Und auf letzteres hat die EZB nun leider wenig Einfluss, was für sie vor allem dann ein Problem wird, wenn die USD-Schwäche anhalten sollte. Um dann einen weiteren Anstieg des EUR-USD-Kurses zu verhindern, muss sie versuchen, den Euro im gleichen Ausmaß zu schwächen. Allerdings könnte das schwieriger sein als gedacht. Schließlich hat sie die Grenzen ihrer expansiven Geldpolitik nahezu erreicht. Ihre Zinsen wird sie wohl kaum weiter deutlich senken können, wenn sie keine Flucht in Bargeld auslösen will. Und auch ihr Anleihekaufprogramm ist fast ausgereizt. Das heißt, das einzige Mittel was ihr bleibt, um den Euro gegenüber dem Dollar zu schwächen – zumindest ohne als Währungsmanipulateur dazustehen –, ist eine Normalisierung der Zinsen so weit wie möglich hinauszuzögern, damit die Zinsschere zwischen Euroraum und USA durch die Zinserhöhungen der Fed stärker auseinander geht. Allerdings ist auch diese Strategie kein Erfolgsgarant, insbesondere dann nicht, wenn der USD weiterhin vor allem durch politische Faktoren belastet wird.
CHF: Wissen Sie noch, was dem Devisenmärkten am Montag vor genau drei Jahren einen Schock versetzte? Die Aufgabe des EUR-CHF-Mindestkurses durch die SNB am 15.1.2015! Die von der SNB unerwünschte Bilanzausdehnung schritt trotzdem weiter voran, da die SNB immer wieder im Markt intervenieren musste, um EUR-CHF über 1,04-1,05 zu stabilisieren. Einen Dankesbrief kann die SNB aber an Emmanuel Macron schicken. Denn seit seiner Wahl im April letzten Jahres zum französischen Präsidenten preist der Markt keine politischen Risiken in der Eurozone mehr ein, sondern konzentriert sich auf die positiven Meldungen. Der Franken ist daher nicht mehr als sicherer Hafen gefragt, die SNB muss nicht mehr intervenieren, der Franken ist ihrer Meinung nach nur noch „hoch bewertet“ anstelle von „deutlich überbewertet“ und EUR-CHF ist mittlerweile von ganz allein auf fast 1,18 gestiegen. Zwar dürften die überzogenen Zinserwartungen für den Euroraum vom Markt in den kommenden Monaten korrigiert werden, was noch einmal für etwas niedrigere EUR-CHF-Niveaus im Bereich von 1,14-1,15 spricht. Aber die SNB dürfte aus dem Schneider sein und nicht mehr fürchten müssen, dass der Franken erneut zu stark aufwertet und den Inflationsausblick gefährdet. Im kommenden Jahr könnten dann sogar erste Zinserhöhungen seitens der SNB ins Blickfeld rücken. Aber bis dahin fließt noch viel Wasser die Linth herunter.
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