USD: Der Dollar hat letzte Woche – insbesondere am Freitag – deutlich nachgegeben. Das scheint eine seltsame Marktreaktion zu sein. Die Daten zur US-Kerninflation im Dezember überraschten moderat auf der Oberseite. Und die Folgerungen, die der Markt für die Fed-Politik daraus zieht, sind entsprechend: Die Markterwartungen für den Fed-Leitzins ziehen entsprechend weiter an. Eigentlich spricht das fundamentale Bild also eher für eine stärkere US-Währung. Ein Widerspruch zwischen Theorie und Marktverhalten?
Nun, ich lese heute Morgen Argumente, die US-Steuerreform sei USD-negativ, weil sie das US-Haushalts- und -Leistungsbilanzdefizit vergrößert. Auf lange Frist stimme ich diesem Argument begeistert zu. Aber auf kurze Frist? Ich kann mich noch zu gut an die 1980er-Jahre erinnern. Initial (und das heißt hier: in den ersten Jahren) führten damals wachsende Haushalts- und Leistungsbilanzdefizite zu erheblicher USD-Stärke („Reagan-Dollar“). Erst als das als nicht mehr nachhaltig galt, kippte die Stimmung. Ist der Devisenmarkt seither viel schlauer geworden? Oder ist die Auslandsverschuldung der US-Ökonomie bereits so groß, dass der Markt nun keine weiteren fiskalpolitischen Experimente dieser Art akzeptiert? Beides kann sein. Dann läge ich falsch mit meiner Annahme, dass die US-Währung in diesem Jahr die Chance auf ein Zwischenhoch hat – bevor die unzweifelhaft USD-negativen Argumente greifen. Doch bin ich skeptisch, wenn ich solche Argumente lese – insbesondere wenn sie von denjenigen vorgebracht werden, die vor kurzem noch die US-Steuerreform als Argument für massive USD-Stärke angeführt hatten. Das erscheint mir doch eher wohlfeile Entschuldigung zu sein, als stringente Analyse.
Ich denke, der Unterschied zwischen „Trumponomics“ und Reagonomics im Bezug auf die USD-Wechselkurse liegt darin, dass Reagonomics – bei aller Unkonventionalität, mit der auch Ronald Reagan sein Amt führte – als stringente, theoretisch wohl fundierte wirtschaftspolitische Ideologie verstanden wurde, die Wirtschaftspolitik der derzeitigen US-Administration (und die Gesetzgebung des Kongresses) allerdings bestenfalls als Pfründewirtschaft. Auch die kennt Gewinner, was einen starken US-Aktienmarkt rechtfertigen mag. Aber sie ist nicht USD-positiv, denn sie wird nicht als fundamentale Stärkung der US-Ökonomie empfunden.
EUR: Der USD-Schwäche steht zunehmende EUR-Stärke gegenüber. Teilweise mögen auch hier politische Argumente eine Rolle spielen. Der Ausblick auf eine Fortsetzung der Großen Koalition in Deutschland ist schon allein deshalb EUR-positiv, weil sie für Klarheit sorgt. Dass der Markt das Restrisiko des SPD-Parteitages am kommenden Sonntag zu ignorieren scheint, ist nachvollziehbar. Und selbst wenn es nicht so kommt: Politische Argumente sind nur das i-Tüpfelchen auf der EUR-Stärke. Ursache ist eher die Tatsache, dass der Markt nach dem EZB-Protokoll am Donnerstag seine mittel- bis langfristige EZB-Sicht dreht. Erinnern Sie sich noch an 2014? Damals preiste der Markt Entsprechendes für die Fed ein – und der USD-Index stieg um 25%. Wir folgen in dieser Beziehung nicht der Marktlogik. Denn wir glauben nicht an die absehbare Normalisierung der EZB-Politik. Falls wir allerdings diesbezüglich falsch lägen, wäre die gegenwärtige EUR-Stärke noch längst nicht das Ende der Fahnenstange. Das nur als Warnhinweis.
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