EUR: Dass die EU im Artikel-7-Verfahren gegen Polen chancenlos ist (siehe unten) und damit eine Verletzung der Rechtsstaatlichkeit in einem EU-Mitgliedsland ungesühnt bleiben dürfte, kann als weiterer Beleg dafür gesehen werden, dass Europas Gemeinschaft nicht richtig funktioniert. Ob dies zu einer weiteren Erosion der EU (und einhergehend: der Währungsunion) führt oder ob es im Gegenteil diejenigen beflügelt, die einen Neustart im Sinne von Frankreichs Präsident Emmanuel Macron wollen: davon hängt auch ab, wohin der Euro mittelfristig tendiert. Denn „Neustart“ wird vom Devisenmarkt als EUR-positives Signal aufgefasst. Das zeigte die Marktreaktion auf die Wahl Macrons im Frühjahr. Kurzfristig profitiert Europas Gemeinschaftswährung m.E. aber von ganz anderen Faktoren: Die Einengung der EUR-Basis geschieht nun doch schon vor Jahresende. Gestern schrumpfte die 3-Monats-Basis teilweise auf -50 Basispunkte ein. Wenigstens darin lag ich richtig, wenn ich schon mit meinem Optimismus bezüglich des Extremwertes so spektakulär falsch lag. Doch eines bleibt mir: Alle, die mich bislang ausgelacht haben, wenn ich vermutete, die EUR-Basis könne EUR-USD beeinflussen, müssen mir nun erklären, ob es wirklich wieder Zufall sein kann, dass EUR-USD just in dem Moment nach oben dreht, in dem die EUR-Basis sich wieder normalisiert. Und diejenigen, die bislang argumentierten, die Kausalität sei anders herum (d.h. EUR-USD treibe die Basis) dürften diesmal ebenfalls betreten schweigen. Denn die Basis-Ausweitung bis Freitag war eindeutig ein exogener Effekt: Der Termin des Jahreswechsels steht fest, egal, wo EUR-USD handelt!
SEK: Den ersten vorsichtigen Schritt in Richtung Normalisierung hat die Riksbank gestern getan. Aber eben nur einen vorsichtigen. Das Anleihekaufprogramm läuft zum Jahresende aus und beträgt dann insgesamt 290 Mrd. SEK. Große Reinvestitionen von Anleihen, die Anfang 2019 fällig werden, und von Kuponzahlungen, die zwischen Januar 2018 und Juni 2019 eingehen, werden bereits ab Januar 2018 getätigt werden und bis Mitte 2019 laufen, um die Präsenz der Riksbank im Markt weiterhin sicherzustellen. Damit steigt das Portfolio der Riksbank sogar 2018 und Anfang 2019 weiter an. Den Zinspfad ließ die Riksbank unverändert (erste Erhöhungen nicht vor Juli 2018), ebenso bis auf kleine Änderungen ihre Prognosen für Wachstum und Inflation. Nach wie vor betont sie, dass es wichtig sei, dass die Krone nicht zu schnell aufwerte, damit die Inflation nahe am Inflationsziel bleibe. Unterm Strich hat es die Riksbank wie von uns erwartet geschafft, ähnlich wie die EZB eine nur langsame und allmähliche Normalisierung zu signalisieren, indem sie hinreichend taubenhaft klingt. Die Krone hat entsprechend nur moderat zugelegt. Wir fühlen uns mit unserer Prognose einer in den kommenden Monaten langsam aufwertenden Krone wohl.
JPY: Japans Zentralbank (BoJ) hat in ihrem Statement nichts geändert an ihrer expansiven Politik. Jetzt kommt es darauf an, was BoJ-Gouverneur Haruhiko Kuroda auf der Pressekonferenz sagt, die zeitgleich mit der Versendung dieser TagesInfo läuft. Viele Beobachter erwarteten Andeutungen in Richtung des Endes der ultra-lockeren Geldpolitik, etwa eine Anhebung des Rendite-Zieles für JGBs. Anlass für diese Spekulationen ist eine Rede Kurodas, in der u.a. auf die negativen Nebenwirkungen ultra-lockerer Geldpolitik eingegangen wird und in der Japans oberster Währungshüter ein Szenario vorstellt, in dem niedrige Zinsen im Hinblick auf das Inflationsziel kontraproduktiv wirken können. So viel Sympathie ich für diese Ideen aufbringe, so glaube ich doch, dass Kuroda von denjenigen missverstanden wurde, die einen unmittelbaren Politikwechsel erwarten. Die Bank of Japan hat versprochen (und dieses Versprechen im heutigen Statement wiederholt), ihre QE-Politik fortzusetzen, bis die Inflation das 2%-Ziel überschießt. Davon sind wir meilenweit entfernt. Sowohl die Gesamtrate als auch die Rate ohne Energie und Lebensmittel rangieren bei mageren 0,2% gegenüber Vorjahr – ohne dass Basiseffekte das trübe Bild aufhellen könnten. Gleichzeitig beschließt die Regierung verzweifelte Maßnahmen zur Erhöhung der Lohn-Inflation. In dieser Situation eine Kehrtwende in der Geldpolitik vorzunehmen wäre – vorsichtig formuliert – sehr seltsam. Die BoJ würde wieder den Eindruck erwecken, die Fehler der Vergangenheit (eine zu frühe geldpolitische Normalisierung) zu wiederholen. Auch wenn ich mich zum größten Deppen mache und Sie diese TagesInfo genau dann lesen, wenn Kuroda das Gegenteil sagt: Ich glaube nicht, dass heute oder in absehbarer Zukunft eine geldpolitische Wende ansteht.
Aber Vorsicht: Missverständlich könnte Kurodas Kommunikation trotzdem sein. Denn die BoJ hat sich mit ihrem Doppelziel (QE-Volumens-Ziel und gleichzeitig Rendite-Ziel) in eine absurde Situation manövriert. Für die Erreichung des (primären) Renditezieles sind keine QE-Käufe von 80 Billionen ¥ mehr nötig. Relativiert Kuroda diesen Teil der BoJ-Strategie, dann ist das keine geldpolitische Wende, sondern eine Korrektur widersprüchlicher Kommunikation. Wertet der Yen daraufhin auf, liegt der Markt falsch. Wertet er auf, weil Kuroda hingegen ein höheres Rendite-Ziel andeutet, liege ich falsch.
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