GBP: Liebe geht durch den Magen, Brexit offensichtlich nicht. Auch wenn es zugebenermaßen eine schöne Vorstellung gewesen wäre, wenn die britische Premierministerin Theresa May und EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker bei einem lauschigen Mittagsessen eine erste Einigung in den Brexit-Verhandlungen erzielt hätten. Doch es hat nicht sollen sein. Denn gestern bekam May die Konsequenzen der in diesem Jahr vorgezogenen Parlamentswahlen erstmals so richtig zu spüren: Eine Einigung wurde in allerletzter Minute von der nordirischen DUP (Democratic Unionist Party) verhindert, auf deren Unterstützung May’s Minderheitsregierung angewiesen ist, nachdem die Tories die Mehrheit im Parlament verloren hatten. Dabei schien ein Übereinkommen so nah, nachdem sich London und Brüssel bei dem bislang größten Streitpunkt – einer Ausgleichszahlung an die EU nach dem Brexit – näher gekommen waren. Nun scheiden sich die Geister an der Grenzfrage zwischen Irland und Nordirland. So pocht die irische Regierung ihrerseits darauf, dass die Grenze offen bleibt und droht im Zweifelsfall mit einem Veto. Aus diesem Grund hatten sich die britische Regierung und die EU-Vertreter darauf geeinigt, dass in Nordirland die gleichen Regeln wie in Irland gelten würden, womit eine harte Grenze vermieden werden könnte. Doch dieser Sonderstatus Nordirlands ist wiederum für die DUP inakzeptabel. Sie lehnt unterschiedliche Regeln zwischen Nordirland und dem Rest des Vereinigten Königreichs ab und blockiert aus diesem Grund den Vorschlag der britischen Regierung. Erschwert wird die Lage dadurch, dass nun auch andere Landesteile des UK angekündigt haben, dass sie ebenfalls einen Sonderstatus anstreben würden, wenn es einen für Nordirland geben würde. Schottland, Wales, selbst der Bürgermeister Londons konnte sich für diese Idee begeistern. So viel zum „Vereinigten“ Königreich.
Die gestrige Episode hat einmal mehr gezeigt, wie schwer sich die Verhandlungen zum Brexit noch gestalten werden. So wird gerade sichtbar, dass die Partikularinteressen einiger Beteiligten vollkommen konträr zueinander stehen – ein Kompromiss dürfte nur schwer zu erzielen sein. Und das war nur der Anfang. Sobald die zweite Verhandlungsphase beginnt, in der es um ein Handelsabkommen geht, dürfte es noch viel heißer hergehen. Schließlich hat auch hier jedes der 27 EU-Länder ein Veto-Recht und kann damit jeder Zeit eine Einigung blockieren. Die gestrigen Schwankungen in den GBP-Wechselkursen waren nur ein Vorgeschmack.

AUD: Zuletzt war es der australischen Notenbank gelungen, eine weitere Aufwertung des AUD zu verhindern, indem sie ihn als ein Risiko für ihren Inflations- und Konjunkturausblick hervorhob. Doch in ihrem Statement heute früh schwächte sie nun ihre Rhetorik zum Wechselkurs ab und zeigte sich insgesamt entspannter mit Blick auf die niedrige Inflation. Ob das mal nicht zu voreilig war? Denn für die Devisenhändler war dies quasi eine Einladung, nun auf einen stärkeren AUD zu setzen. Sollte nun zudem eine neue Welle der USD-Schwäche dazukommen, könnte sich AUD-USD schnell wieder in Gefilden wiederfinden, die der RBA überhaupt nicht Recht sind.
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