USD: US-Präsident Donald Trump hat Marvin Goodfriend, Carnegie-Mellon-Professor für Volkswirtschaftslehre, für das Board of Governors (BoG) der Fed vorgeschlagen. Die Meldung geht im sonstigen Nachrichtentrubel (siehe unten) leicht unter. Doch sie ist signifikanter, als sie auf den ersten Blick erscheinen mag. Goodfriend ist Trumps dritte BoG-Nominierung, doch sie ist die erste, die geldpolitisch relevant ist. Weder Jerome Powell noch Randy Quarles haben ausgeprägte Positionen zur Geldpolitik und lassen daher wenig Rückschlüsse darauf zu, wie das neue BoG ticken wird.
Goodfriend ist nicht einzuordnen in das übliche Falken-Tauben-Schema, mit dem Zentralbanker früher bewertet wurden. Er ist ein ausgesprochener Gegner von QE-Programmen und sieht einen sehr hohen Wert in regelgebundener Geldpolitik – das scheint falkenhaft zu klingen. Gleichzeitig ist er aber auch ein ausgesprochener Befürworter von Negativzinsen (selbst wenn dafür Banknoten abgeschafft werden müssten) – und in diesem Sinne weitaus taubenhafter als das alte BoG. Natürlich ist es auch jetzt noch zu früh, Weissagungen über die zukünftige Fed-Politik abzugeben. Denn immer noch sind drei BoG-Sitze unbesetzt. Mit Goodfriend dürfte aber ein frischer Wind in das BoG und das FOMC einziehen. Wer Powells Nominierung als einen Beweis für ein Weiter-So der US-Geldpolitik interpretiert hatte, wird umdenken müssen.
Einem an weitgehend wohlgeordnete europäische Gesetzgebungsverfahren gewöhnten Beobachter fällt es schwer, die Dramatik der US-Gesetzgebung zur Steuerreform zu goutieren. Kurz vor knapp sind noch viele Punkte offen, u.a. der angestrebte Steuersatz für Unternehmen. Doch scheint zumindest der Senats-Vorschlag in den nächsten Stunden bzw. Tagen Gestalt anzunehmen. Die Chance, dass diesmal eine Kompromissformel gefunden wird, die die knappe republikanische Mehrheit zusammenhält, scheint besser als beim früheren Desaster zum Thema „Gesundheitsreform“. Das an sich ist USD-positiv. Schließlich würde das erst einmal die Handlungsfähigkeit der US-Legislative unter Beweis stellen. Und da die schon lange keine Selbstverständlichkeit mehr ist, wäre das ein USD-positives Signal. Letztendlich werden die Effekte auf den Greenback aber von Details abhängen, insbesondere davon, ob Steuersenkungen permanent oder temporär und konditional sind. Daher ist es für ausgeprägte USD-Euphorie sicherlich viel zu früh.
GBP: Nachdem es bereits Fortschritte in der Frage der Brexit-Rechnung gegeben hatte, werden nun auch Gerüchte verbreitet, die auf einen Durchbruch in der Frage der Grenze zwischen Nordirland und der Republik Irland hindeuten. Es scheint voranzugehen bei den Brexit-Verhandlungen in Brüssel! Bestätigen sich die Pressemeldungen, könnte der EU-Gipfel am 14./15. Dezember die „hinreichenden Fortschritte“ der Phase -1-Verhandlungen (über die Austrittsmodalitäten) konstatieren und den Weg für eine Übergangslösung freimachen, also für eine Regelung, die einen unmittelbaren „harten Brexit“ vermeidet. Das Pfund profitiert davon deutlich (Kabel über 1,3450, EUR-GBP um 0,8800). In der Tat: Diese Entwicklung verringert das Risiko eines sehr deutlichen GBP-Absturzes zumindest in nächster Zeit und rechtfertigt eine signifikant niedrigere Brexit-Risikoprämie. Nicht nur, dass Zeit gewonnen wird. Der Fortschritt zeigt auch, dass trotzt teils chaotischer britischer und harter europäischer Verhandlungsführung und trotz erheblicher Differenzen über prozedurale Fragen Einigungen möglich sind. Noch kann freilich nicht endgültig Entwarnung gegeben werden. Machen wir uns nichts vor: Auch in den Phase-2-Verhandlungen (über die zukünftigen Beziehungen zwischen der EU und dem abtrünnigen Inselreich) wird es erhebliche Schwierigkeiten geben. Die zusätzliche Zeit, die durch eine Übergangsregelung erkauft würde, hilft nicht allzu sehr. Denn ohne Zeitdruck – das hat sich in den Phase-1-Verhandlungen eindrucksvoll gezeigt – ist eh kaum ein Verhandlungsfortschritt zu erwarten. Jedoch dürfte es halt noch eine ganze Weile dauern, bis der Devisenmarkt so nervös wird, dass erheblicher Druck auf das Pfund befürchtet werden muss.
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