USD: Heute werden Sie in den Aufmachern der Tagespresse vor allem lesen, dass die Fed im FOMC-Protokoll, das gestern veröffentlicht wurde, eine Zinserhöhung im Dezember angekündigt hat. Nur ist das für den Markt keine Neuigkeit. Er hatte auch schon zuvor einen Dezember-Zinsschritt mit 94% Wahrscheinlichkeit eingepreist. Die kleine Differenz zur 100%-Marke dürfte eher technischen Details am Geldmarkt geschuldet sein als irgendeiner Unsicherheit bezüglich der FOMC-Entscheidung, die gestern noch hätte beseitigt werden können.
Neu ist im FOMC-Protokoll etwas ganz anderes: die deutlichen Hinweise auf Zweifel am eigenen Inflationsausblick. Chair Yellen hatte es schon auf der Pressekonferenz nach der FOMC-Sitzung (und später in Reden) deutlich ausgeführt: Das FOMC sieht es nicht mehr als gerechtfertigt an, die niedrigen Inflationsraten mit „temporären Sonderfaktoren“ zu entschuldigen. Die US-Währungshüter schließen sich peu à peu dem Lager an, das strukturelle, länger wirkende Faktoren hinter dem Mangel an Preisauftrieb vermutet.
Nochmal: Das heißt nichts für den Ausblick auf die Dezember-Sitzung. Aber darauf kommt es für die USD-Wechselkurse auch nicht an. 25 Basispunkte mehr oder weniger USD-Carry sind nicht relevant. Es kommt darauf an, welche USD-Verzinsung der Markt in 2018, in 2019 und darüber hinaus erwartet. Selbst die jüngst anziehenden Markterwartungen für 2018-Zinsschritte helfen dem Greenback nicht, wenn sie nur auf der Erwartung basieren, dass die Fed 2018 mehr, 2019 aber entsprechend weniger macht. Und ehrlich: so langsam zweifele ich daran, dass der langfristige FOMC-Ausblick (Leitzins Ende 2019 zwischen 2¼% und 3½%) noch sooo weit vom Markt (1,9%) weg ist, dass dadurch massive USD-Stärke begründbar wäre. Was früher „normal“ war – Zinszyklen, die auf Niveaus von 5% oder 6% führten – erwartet keiner mehr. Und damit entfällt das Carry-Argument vielleicht nachhaltiger, als der Devisenmarkt noch vor kurzem (als Fed-Erwartungen eine dominante Rolle für die USD-Wechselkurse spielten) gedacht hatte. Anders gesagt: Der Markt erwartet für die nächsten Jahre keine „aktive“ Geldpolitik, also keine Fed, die den Leitzins überproportional anheben muss, um Inflation zu dämpfen. Und damit auch keinen mit dem Zinszyklus atmenden Realzins. Vielleicht müssen wir uns langsam von der Idee einer für die USD-Wechselkurse relevanten Fed-Geldpolitik verabschieden…
GBP: Als Außenstehender frage ich mich, was diejenigen Briten, die seinerzeit aufgrund von auf „Wohlstand unvorstellbaren Ausmaßes“ für den Brexit gestimmt hatten, wohl über die Haushaltspläne der Regierung denken, die mehr und mehr Brexit-Kosten veranschlagen muss. Ihnen sei zugutegehalten, dass auch Devisenmarkt-Profis offensichtlich davon überrascht werden – und das Pfund gestern zumindest kurzzeitig abgestraft haben, als seien die im Budgetplan enthaltenen Brexit-Kosten eine Überraschung. Wenn der Devisenmarkt so tickt (und ja, ich kenne genügend Leute im Devisenmarkt, die oben zitierten Spinnereien nachhingen), dann gibt’s noch genügend Potenzial für weitere Pfund-Schwäche, wenn die Brüsseler Verhandlungen mal wieder schlecht laufen. Momentan läuft es in Brüssel recht rund. Aber der nächste Hickhack wird kommen, so sicher wie das Amen in der Kirche.
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