03.11.17, 08:45

Steuer- und Dollarverdruss

USD: Jetzt wissen wir es endgültig: Jerome Powell wird’s werden. Mein Kollege Ulrich Leuchtmann hat bereits gestern seine Gedanken zum neuen Fed-Chef (ab Februar) dargelegt und der Markt hat die Meldung zumindest für den Augenblick erst einmal verdaut, sprich den USD verkauft. Zur Besetzung der Vakanzen im FOMC gibt es in den kommenden Wochen und Monaten noch viel zu sagen, wir werden Sie auf dem Laufenden halten.

Aber zunächst zu aktuelleren Themen. Gestern haben die Republikaner endlich den ersten Gesetzesentwurf zur Steuerreform vorgelegt. Details hierzu finden Sie im Economic Briefing US: „Republikaner stellen Steuergesetz vor, Umsetzung fraglich“. Unterm Strich scheint klar, da das Paket wohl den Haushalt stärker belasten wird als die vereinbarten 1,5 Bio. USD über 10 Jahre, dass der der ambitionierte Zeitplan, bis Ende des Jahres die Unterschrift des Präsidenten auf dem Papier trocknen zu sehen, kaum realistisch ist. Für den Markt und den Dollar sind Details zu Kinderfreibeträgen oder Rentensparplänen irrelevant. Ihm geht es vielmehr darum, ob die Steuerpläne zu einem dauerhaften Effekt auf Wirtschaft und Inflation und damit möglicherweise zu langfristig stärker steigenden Zinsen führen werden. Dann wären sie USD-positiv. Genauso wie die Aussicht auf mögliche Repatriierungen von Auslandsaktiva zurück in die USA. US Erträge im Ausland sollen laut dem Entwurf bis zu einem gewissen Mindestbetrag steuerfrei sein, darüber hinaus mit 10% versteuert werden. Alle bisher unversteuerten Gewinne im Ausland sollen unverzüglich versteuert werden (12% liquide Mittel bzw. 5% andere Assets). Das hieße, es wäre nun eine Frage der Höhe und Art der Gewinne/Auslandsaktiva, ob Repatriierungen stattfinden oder nicht. Abschreibungen für Investitionen sollen zudem auf 5 Jahre begrenzt werden. Der Markt kann für den Dollar verständlicherweise nichts Positives ablesen und reagiert verdrossen. Große Neuigkeiten sind es nach dem ersten „Skelett“ der Pläne, das im September vorgelegt wurde, eh nicht, außerdem ist die Durchsetzung derzeit mehr als fraglich.

Zum Abschluss noch ein Wort zum Arbeitsmarktbericht: Sie erinnern sich noch an die Wirbelstürme Harvey und Irma? Diese hatten den Bericht für September nach unten verzerrt. Diese Verzerrung wird im Oktober korrigiert werden. Wenn der Bericht also mit einer phänomenalen Zahl von über 300 Tsd. neuen Stellen aufwartet, darf er nicht als gutes Einzelergebnis gewertet werden. Also nicht in Euphorie verfallen und den Dollar auf die heutige Veröffentlichung groß hochloben, denn für sich gesehen ist sie kaum aussagekräftig.

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GBP: Die Bank of England (BoE) hat geliefert. Das musste sie auch, wie die Reaktion des Pfunds zeigt. Denn trotz der Zinserhöhung um 25 Bp auf 0,50% wertete das Pfund ab, da die BoE wie von uns erwartet vorsichtig klang, was die weitere Zinsentwicklung betrifft. Denn die Mitglieder des Rats (MPC) waren sich einig, dass zukünftige Zinserhöhungen nur sehr graduell und geringen Ausmaßes seien. Von einem Zinserhöhungszyklus kann kaum die Rede sein, wenn die BoE laut ihren Projektionen im neuen Inflationsbericht bis Herbst 2020 auf ein Leitzinsniveau von 1% kommen will. Macht zwei Zinsschritte à 25bp in 3 Jahren. Unter einem Zinserhöhungszyklus verstehen alte Devisenhasen wie meine Kollegen und ich wahrlich etwas Anderes. Aber um die BoE in Schutz zu nehmen: mit einem Brexit als Mandats- oder gar Lebensaufgabe, der mit großer politischer Unsicherheit und nur sehr schwer abschätzbaren Folgen für die Wirtschaft verbunden ist, kann man es den MPC-Mitgliedern nicht verdenken, wenn sie sich trotz einer Inflationsrate, die das Ziel weit überschießt und auch noch mittelfristig überschießen wird, nur eine äußert vorsichtige Gangart an den Tag legen. Es erscheint sogar eine vernünftige Vorgehensweise angesichts der Unwägbarkeiten bis März 2019 und darüber hinaus. Jetzt ist nur wichtig, dass die Brexit-Verhandlungen langsam an Fahrt aufnehmen und zielführend sind. Denn sollte der Markt das Pfund aufgrund der anhaltenden Unsicherheit abstrafen, riskierte die BoE eine Abwärtsspirale im Pfund und damit noch höhere Inflationsraten. Ja, die BoE ist unabhängig. Aber sie hängt auch an der Diplomatie. Und genau die muss jetzt langsam mal liefern.

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CV1X56 Short GBP/USD Faktor: -5

SEK: Ein Blick auf die Details zeigt, warum die schwedische Krone seit der Zinsentschei-dung der Riksbank im Oktober nachgegeben hat: die Riksbank bleibt eindeutig auf der taubenhaften Seite. Nicht der kleinste Hinweis auf ein Abrücken von der expansiven Geldpolitik. Sie hält sich wie die EZB alle Optionen offen. Aus Marktsicht scheint sie sogar noch etwas vorsichtiger als die EZB zu sein, da nach der EZB-Sitzung die Krone noch weiter abwertete. Fairerweise muss man sagen, dass die Riksbank sich nicht wie die EZB dem Problem einer Tapering-Diskussion ausgesetzt sieht. Ihr Anleihekaufprogramm läuft so oder so Ende Dezember aus und es geht „nur“ darum, ob sie es noch einmal aufstockt oder nicht. Insofern ist für sie die Kommunikation mit dem Markt etwas „leichter“. Dennoch muss man ihr lassen: Ziel erreicht! Die Krone schwächelt, trotz guter Fundamentaldaten und einer Inflationsrate am Inflationsziel – was beides eher für höhere Zinsen und eine stärkere Währung spräche. Offensichtlich schließt der Markt nicht mehr vollkommen aus, dass sich die Riksbank auf der nächsten Sitzung im Dezember vielleicht sogar vorsichtiger anhören könnte, als er es bisher als möglich erachtete. Mit der schwachen Krone erhöht sich natürlich der Spielraum der Riskbank, wenn sie im Dezember doch das Ende des Anleihekaufprogramms verkünden möchte und die Krone infolgedessen aufwertet. Aus ihrer Sicht hat die Riskbank also alles richtig gemacht. Jetzt darf halt nur nicht die Inflation stärker als erwartet anziehen und ihr einen Strich durch die Rechnung machen, selbst wenn es derzeit nicht danach aussieht.

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CV0V48 Long EUR/SEK Faktor: 2
CV0V4E Short EUR/SEK Faktor: -2

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